orgel swDie Unesco hat im Jahr 2017 den Orgelbau und die Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Der bayerische Musikrat hat die Orgel zum Instrument des Jahres 2021 erwählt. In Deutschland gibt es schätzungsweise 50 000 Orgeln. Davon steht die größere Anzahl nicht in den Domen oder Städten, sondern in den Kirchen auf dem Lande. Eine kleine Konzertreihe möchte aus diesem Anlass die Aufmerksamkeit auf einige historische Orgeln im Landkreis Straubing-Bogen richten. Vorgestellt werden acht Instrumente: 
Sonntag, 1. August, 16 Uhr: Hailing (Edenhofer jun. 1915)
Sonntag, 8. August, 16 Uhr: Westen (Edenhofer sen. 1881)
Sonntag, 15. August, 16 Uhr: Obergraßlfing (Heinßen 1836)
Sonntag,  22. August, 16 Uhr: Frauenhofen (Jakob Schmid 1903)
Sonntag, 5. September, 16 Uhr: Pürgl (16.-19. Jhdt.)
Sonntag, 12. September, Deutscher Orgeltag 2021 - 14 Uhr: Hofdorf (1740/1850),
13 Uhr und 15.30 Uhr Orgelführungen Windberg
Sonntag, 19. September, 16 Uhr: Heilig Kreuz (Hechenberger 1885)
Sonntag, 26. September, 16 Uhr: Hadersbach (Anton Ehrlich 1842)

Es spielen Peter Hilger, Stefan Seyfried, Maria Loichinger und Franz Schnieringer.
Weitere Mitwirkende: Juliane Schenk - Sopran, Fred Flassing - Violoncello, Julia Benkert - Sopran

für alle Konzerte gilt: Eintritt frei, Spenden erbeten - es gelten die üblichen Hygienevorschriften, teils sind wg. des beschränkten Platzangebotes Voranmeldungen wünschenswert - siehe Detailbeschreibung des Konzertortes in der Google-Map "hist. Orgeln" weiter unten

aus der Vita der Interpreten:

Flassig, Dr. Fred - Westen

FlassigDer Cellist und Gambist Fred Flassig, in München geboren, studierte nach Cellounterricht bei Ruprecht von Castell, Liselotte Richter, Prof. Kurt Engert und Prof. Fritz Kiskalt an der Hochschule für Musik in München bei Prof. Johannes Fink. Auf Meisterkursen bei Siegfried Palm, William Pleeth, Wieland Kuijken, Nikolaus Harnoncourt und Christophe Coin bildete er sich weiter. Er erhielt Stipendien für Interpretationskurse beim Alban-Berg-Quartett und bei Alfred Brendel. Studien auf dem Barockcello und der Viola da Gamba (Meisterklassendiplom 1990) schlossen sich an. 1997 promovierte er in Musikwissenschaft über „die solistische Gambenmusik in Deutschland im 18. Jahrhundert“. Mit seinem Ensemble für Alte Musik erhielt er 2009 den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg.

Hilger, Peter

hilgerKirchenmusiker und Musikpädagoge
. Nach seinem Abitur studierte er Kirchenmusik und Musikpädagogik an der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg.
 Er war die letzten Jahre im Pfarrverband Eichendorf tätig und ist seit September 2016 hauptamtlicher Kirchenmusiker in Windberg.

Benkert, Julia - Obergraßlfing

Jurgasch Julia 04Julia Benkert (geb. Jurgasch) studierte Lehramt Musik für Gymnasium und Gesangspädagogik in Regensburg. Bei namhaften Künstlern wie Kurt Widmer, Gerold Huber, Ruth Ziesak und Sibylla Rubens bildete sich die Sopranistin fort. Der Schwerpunkt ihres solistischen Schaffens liegt im Bereich Konzert, Oratorium und Lied. Viele Jahre konnte man sie in renommierten Ensembles wie dem ChorWerk Ruhr, der Gächinger Kantorei Stuttgart, dem Vocalconsort Berlin oder dem Kammerchor Stuttgart hören, wo sie mit namhaften Dirigenten wie Florian Helgath, Helmuth Rilling, Frieder Bernius, Hans-Christoph Rademann und Jeffrey Tate zusammenarbeitete. Regelmäßig trat sie dabei auch als Chorsolistin auf und wirkte bei CD-Produktionen mit.

Loichinger, Maria - Frauenhofen, Hadersbach

LoichingerMaria Loichinger legte am Ursulinengymnasium in Straubing das Abitur ab. Nach Studien in Musikwissenschaften an der Universität Regensburg folgte ein Studium der Katholischen Kirchenmusik an der „Hochschule für Musik und Theater München“, das sie mit einem künstlerischen Bachelor abschloss. Im Rahmen des ERASMUS Stipendiums vertiefte sie ihre Fähigkeiten in den Instrumenten Orgel und Cembalo bei Prof. Lorenzo Ghielmi an der „Civica Scuola di Musica Claudio Abbado“ in Mailand. Derzeit studiert sie Schulmusik an Gymnasien an der „Hochschule für Musik und Theater München“. Meisterkurse und Stipendien ergänzen ihre musikalische Ausbildung. Für ihr besonderes musikalisches Engagement wurde sie mit dem Angela-Merici-Preis der Ursulinen-Schulstiftung ausgezeichnet. Maria Loichinger ist Chorleiterin in der Pfarrei St. Quirin in München-Aubing und folgt Konzertengagements im In- und Ausland.

Seyfried, Stefan -

SeyfriedV1Die ersten Berührungspunkte mit Musik, fanden bei Stefan Seyfried in der fränkischen Heimat, nahe Bamberg, wo er geboren wurde statt. Nach dem Besuch der Berufsfachschule für Musik in Kronach mit den Hauptfächer Klavier und Kirchenmusik zog es ihn nach Regensburg an die damalige Fachakademie für Kirchenmusik und Musikerziehung, die er mit dem Examen in Kirchenmusik (u.a. bei Wolfgang Hörlin, Karl Norbert Schmid, Roland Büchner) und der staatliche Musiklehrerprüfung (u.a. Karl Friedrich Wagner, Franz Prechtl) abschloss. Zahlreiche weitere Studien in Orgel Literatur (Norbert Düchtel), Kurse in Orgelimprovisation (u.a. bei Daniel Roth, Peter Planyavsky, Anders Bondenmann, Thierry Escaich und Wolfgang Seifen) folgten. Später entdeckte er auch die historischen Tasteninstrumente für sich.
Kam er während des Studiums schön öfters mit dem Cembalo in Berührung, so entdeckte er auch die immense Vielfalt von Tafelklavier, Hammerflügel (Michael Günther) und Clavichord (Jaroslav Tuma), dessen formbarer und flexibler Klang ihn immer mehr faszinierte.
Stefan Seyfried wirkt in verschiedenen Ensembles als Continuospieler, ist stellvertretender Leiter der Kreismusikschule Straubing-Bogen und Kirchenmusiker in St. Johannes in Straubing-Ittling.
Seine Konzerte führen ihn ins In- und Ausland aber auch als Continuo Begleiter ist er sehr gefragt.

Schenk, Juliane - Hailing

JulianeSchJuliane Schenk war Solistin am Deutschen Nationaltheater Weimar, am Stadttheater Fürth, am Theater Hof und am Theater Plauen-Zwickau sang Juliane Schenk zahlreiche Rollen ihres Fachs. Deutschlandradio portraitierte die Sängerin in einem Radiofeature („Eine exzellente Sängerin“, Deutschlandradio 2011) Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme war sie u.a. als Fiordiligi (Cosi fan tutte), Donna Elvira (Don Giovanni), Rosalinde (Die Fledermaus), Agathe (Der Freischütz), Rosina (Der Barbier von Sevilla), Titania (Ein Sommernachtstraum), Lola Blau (Heute Abend: Lola Blau) und als Wirtin (Im weißen Rössl) zu hören. Außerdem ist sie regelmäßig als Solistin im Konzert zu erleben. Zusammen mit dem Leipziger Gitarrist Franz Hartmann spielte sie das Gesamtwerk für Stimme und Gitarre des zeitgenössischen Komponisten Ernesto Cordero ein. („Entre guitarra y voz“, Auryn 2017) Juliane Schenk wurde in Westfalen geboren, studierte Gesang in Köln, Lyon und Weimar und schloss ihr Studium mit dem Konzertexamen ab.

Schnieringer, Franz - Hailing, Westen, Obergraßlfing, Fraunhofen, ...

FranzSchnGeboren 1961 in Straubing, studierte ernach dem Abitur am musischen Gymnasium Kirchenmusik an der Musikhochschule München und Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Von 1990 bis 1997 war er als Korrepetitor und musikalischer Leiter am Theater an der Rott in Eggenfelden engagiert. Seit 1998 ist er Leiter des Straubinger Volkschors, unterrichtet am Anton-Bruckner-Gymnasium und ist als Organist tätig. 1989 erhielt er den Kulturförderpreis der Stadt Straubing.

in Arbeit

VogelnestOrgel Kopie

Kennt jemand aus dem Straubinger Land Johann Nikolaus David Heinssen? Vermutlich eher wenig Menschen, wurde er doch in 1797 im norddeutschen Altona geboren, verstarb aber immerhin im Jahre 1849 in Regensburg. Bekannt ist der deutsche Orgelbauer im Regensburger Raum durch seine 29 in den Jahren von 1832 bis 1846 geschaffenen Orgelwerke, von Allersdorf bei Schierling bis Wolkering in der Gemeinde Thalmassing, darunter die erste - nicht erhaltene - Orgel hinter dem Silberaltar im Regensburger Dom! Auch die Orgel aus dem 1836 in Maria Himmelfahrt in Obergraßlfing, Gemeinde Laberweinting, wurde in Heinssens Werkstatt gefertigt, ist in wesentlichen Teilen aus der Erbauungszeit erhalten, wurde zuletzt 1986 von der Orgelbaufirma Jann aus Allkofen restauriert. Franz Schnieringer, der Initiator des Orgelzyklus 2021 auf historischen Instrumenten des Straubinger Landes, vermag lebendig davon zu erzählen, welche Ideen Heinssen aus seiner norddeutschen Orgelbautradition in seine Wahlheimat Regensburg mitgebracht hat.

Auf der Webseite des Werkverzeichnisses der Heinssenschen Orgeln kann man lesen:

1836 - Obergraßlfing - "Wallfahrtskirche Pauli Bekehrung" - I/P 8 - erhalten // 193? Michael Weise, 1978 RS Kloss, 1989 RS Jann

Das Patrozinium "Pauli Bekehrung' ist ein offensichtlicher Schreibfehler, die Kirche feiert ihr Patrozinium am 15. August, dem großen Frauentag!

Dass es sich um ein beinahe 200 Jahre altes Werk handelt wird ein wenig schon am Spieltisch erahnbar:

ObergraßlfingOrgel

Anl. eines Recherche-Besuches in Obergraßlfing wurde dem Verfasser dieses Beitrages ein Gutachten des Domorganisten Eberhard Kraus aus dem Jahre 1973 für die Restaurierung durch die Fa. Hermann Klose vorgelegt. Daraus kann man die Dispostion der Orgel ablesen, den weitgehend originalen Zustand erahnen und insbesonders den vom Orgelsachverständigen attestierten 'auffallend schönen Klang" bestätigt finden.

OrgelgutachtenEK1974 Kopie

Nun sollte aber der Orgelzyklus 2021 des Franz Schnieringer auch dazu genutzt werden, dem Orgelbau-Laien des Wunderwerk einer Pfeifenorgel nahe zu bringen:

  1. Wie entsteht ein Orgelton?
  2. Wie kommt Luft aus dem Windladen per Tastedruck an die Pfeife, aber noch nicht in die Pfeife?
  3. Wie wird ein oder wie werden mehrere Register für den Luftstrom frei geschaltet?
  4. Wie werden Manuale - oder wie im Falle Obergraßlfing Manual ins Pedal - gekoppelt?
  5. aus der Restaurierung der Orgel durch die Fa. Jann, Allkofen - Würdigung der Heinssen-Orgeln
  6. Schließlich wird über eine Verlinkung die neue Orgel von St. Jakob in Straubing vorgestellt.

 zu a.:
Der Ton einer Pfeifenorgeln entsteht ja wie bei einer ganz normalen Flöte: Ein Luftstrom gerät in Schwingung und diese wird am Ohr durch Druckschwankungen wahrnehmbar, meist aber nicht nur eine einzelne Frequenz, zB der Kammerton a = 440 Hz, sondern eine ganze Reihe von sog. Obertönen, etwa Oktave, Quint, Quart, Terz, je nach Pfeiffenart. Im Wesentlichen bestimmt die Länge einer Pfeife die Höhe des Tones, besser seine Grundfrequenz. Da 1 Fuß = 1' = 30 cm lang ist, misst die tiefste 32' - Pfeife ca 9,6 m, die entsprechende 16' - Pfeife 4,8 m, und höchst klingende 1'-Pfeife nur 7,5 cm. Die Klangfarbe einer Orgelpfeife aber wird durch ihre Bauform bestimmt:

orgel pfeifenformen

Bild-Quelle: Die Orgelseite

In Obergraßlfing sind verbaut: -Copel 8' -Allemande 8´ -Salicional 8´ -Principal 4´ -Flöte 4´ -Octav 2´  -Mixtur 1 1/3', 1' - Subbaß 16' (Prinzipal)

zu b:

mechTrakturDie sogenannte 'Traktur' ist der mechanische Teil dieses Vorgangs, welcher den Strom der Luft aus der Windlade in die Pfeife freigibt:
Bild-Quelle: Die Orgel-Seite

 

 


zu c:

orgel schleifladeErst aber die Wahl eines Registers macht den Luftstrom aus dem Balg zu auswählten Pfeifen frei. Der Ton erklingt dann, wenn eine Taste gedrückt wird und zB der Schleifladen eines Registers oder mehrerer Register 'gezogen' ist:
In der Realität ist der 'Schleifladen' so lang, dass er alle Bohrungen für die gesamte Klaviatur aufnehmen kann, in Obergraßlfing also für 4 Oktaven 4 * 12 + 1= 49 Bohrungen.

Bildquelle: Die Orgelseite

zu d: Das "Koppeln" von Manualen erhöht die klanglichen Möglichkeiten einer Orgel wesentlich. Zwar gibt es praktisch immer 'feste' Koppeln, zum Beispiel bei Mixturen: 4-fach (2 2/3' + 2' + 1 1/3' + 1', also Quinten und Oktaven). In vereinfachter Darstellung sieht das 'freie Koppeln' so aus:

Koppelaus Man1 1Koppelein Man1 1Bild-Quelle: Konrad Zwicky - zwicky.net

'Unter dem Link kann man die Koppel sogar setzen und lösen!

 zu e: aus den Angeboten der Fa Jann zur Restaurierung der Orgel in Obergraßlfing:
1987: Angebot über Reinigung der ganzen Orgel - Reinigung aller Pfeiffen, innen und außen - Instansetztung der Stimmvorrichtungen (ausbeulen, nachlöten, Dichtigkeitsprüfung, Schrauben nachziehen) - Windkanäle und Windladen auf Dichtigkeit prüfen und nachdichten - Spielteraktur überprüfen, schadhafte Teile erneuern - Holzteile vor Wurmbefall schützen - Pfeifen einbauen, intonieren und rein stimmen
1988: im Angebot werden die Maßnahmen der Fa Kloss aus dem Jahr 1978 als sehr problematisch dargestellt und ein Rückbau vorgeschlagen

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1989: Arbeiten lt Angebot 1987 und 1988, Einbau eines Froschmaulbalges - der Ersatz der 'fremden' Metallpfeifen wurde vorgenommen

aus einer Würdigung des Johann Nikolaus David Heinssen, freundlicherweise überlassen von Thomas Jann:

"Die Orgel der Filialkirche St. Clemens in Birnbach ist ein gediegenes Werk des Regensburger Orgelbauers Johann Nikolaus David Heinßen. Sein Werkverzeichnis umfaßt vor allem Orgeln in dieser Größe und zeigt, welchen Einbruch die Säkularisation im Orgelbau bewirkt hat. Sie ist auch ein Beispiel für die Praxis vor allem des 19. Jahrhunderts, gebrauchte Orgeln in ärmere Filialkirchen umzusetzen, wenn in den begüterteren Pfarr- und Filialkirchen neue Instrumente gebaut wurden. Das hat sicher manches Instrument davor bewahrt, verheizt zu werden und seinen Bestand bis heute gesichert. Heinßen hat von der inneren Anlage her eine Barockorgel gebaut, mit einem anderen Prospekt könnte man die Orgel von einer aus der Zeit vor 1800 nicht unterscheiden. Einziges Merkmal für das frühe 19. Jahrhundert ist der Umfang der Claviatur, der im Baß mit der tiefen Octav beginnt, aber im Discant schon bis zum f” ansteigt. Ein typisches Merkmal für die Zeit vor 1850. Klanglich ist die Orgel ebenfalls noch ganz der Barockzeit verhaftet, sowohl was Disposition, als auch Intonation angeht, lediglich die ,,Mixtur" erfährt eine recht eigenwillige Interpretation. Nach der Restaurierung - der Orgel der Filialkirche St. Clemens in Birnbach (!) - zeigt sich das Werk optisch und akustisch in alter Pracht. Man möchte ihm die Wertschätzung wünschen, die es verdient, auch wegen des hohen Anteils an Originalbestand."

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zu f: Link zu einem Erklärvideo der neuen Eule-Orgel in St. Jakob in Straubing

Schlussbemerkung:

Bisweilen stellt sich die Frage: Wer verdient wohl die größere Bewunderung? Der Orgelbaumeister, welcher sich so ein Werk ausdenkt und erbaut, der Komponist, welcher sich für die großen wie kleinen "Königinnen" Musikwerke ausdenkt und sie zu Papier bringt, oder der Interpret, welcher diese Werke für die jeweiligen Instrumente einrichtet und zur Freude der Zuhören zum klingen bringt?
Dieser Beitrag ist als Reverenz an die Orgelbauer vergangener Jahrhunderte - hier also Johann Nikolaus David Heinssen - gedacht, aber auch an die Orgelbaumeister unserer Zeit, die die ganz großen Werke in den ganz großen, bedeutenden Kirchen und Konzerthäusern erbauen.

 

Der historische Orgelzyklus No. 4 im Landkreis Straubing-Bogen am Sonntag, 22. 8. 2021, 16 Uhr, fand St. Georg in Frauenhofen bei Perkam statt.
"Die Frauenhofener hätten es mit den Pelikanen" und "der Pelikan, der seinen Nachwuchs mit seinem eigenen Blut nähre, sei ein wunderbares Zeichen für Christus" - so Bischof Rudolf Voderholzer anl. des 300-jährigen Jubiläums zur Erbauung der Kirche St. Georg in Frauenhofen. Das schrieben Straubinger Tagblatt und Allg. Sonntagszeitung Ende April 2019. Pelikan, eigenes Blut? Das fordert zur Recherche heraus.

PelikaneIn der Antike glaubte man, dass der Pelikan seine Jungen mit Blut aus einer selbst zugefügten Wunde im Brustbereich füttert. 

Andere Legenden erzählen, dass der Pelikan mit Tropfen seines Blutes auch tote Vögel seiner Brut wieder zum Leben erweckte.

So wurde der Pelikan zum Symbol der Aufopferung.

Allerdings lässt sich bisher kein konkreter Beleg - etwa eine figürliche Darstellung - für diese Legende finden.

220px Prometheus and Atlas Laconian black figure kylix by the Arkesilas Painter 560 550 BC inv. 16592 Museo Gregoriano Etrusco Vatican Museums DSC01069Für eine andere Legende gibt es derartiges schon: Prometheus ist in der griechischen Mythologie ein Sohn aus dem Göttergeschlecht der Titanen. Er brachte den Zorn des Göttervaters Zeus auf sich, der ihn an eine Säule fesseln ließ und auf eine besonders qualvolle Weise folterte: täglich wurde ihm die nachwachsende Leber seines Körpers von einem Adler weggefressen.

Bild aus den Vaticanischen Museen

 

 

 

 

Die christliche Ikonographie verwendete des Blut opfernden Pelikans als ein Symbol für Jesus Christus, etwa in Frauenhofen im Altarbild und dem Pelikan über dem Tabernakel. Die Filialkirche St. Georg in Frauenzell, Pfarrei Perkam, oberhalb Hirschling gelegen, feierte im Jahr 2021 ihr 300-jähriges Bestehen. Der Organist der Kirche erstellte aus diesem Anlass einen Kirchenführer:

AlterbildFh Kopie

1224 Erstmalige Erwähnung von Frauenhofen und Hirschling als Nebenkirchen der Pfarrei Feldkirchen (Pfarrverband Alburg)
13. Jhdt. Errichtung der Vorgängerkirche in Frauenhofen
1721 Die ursprüngliche kleinere Kirche in West-Ost-Richtung wird abgetragen - Bau und Einweihung der heutigen Filialkirche Sankt Georg in Frauenhofen
1796 Frauenhofen-Hirschling wird in die Pfarrei Perkam eingepfarrt (bis dahin Feldkirchen)
1863 Die Kirchenmatrikel Perkam-Thalkirchen listet 1.279 Seelen sowie die Pfarrkirche
Perkam mit den Filialen Frauenhofen, Hirschling, Pönning
2020 Die Pfarrei Perkam zählt 1.643 Katholiken in Perkam, Pilling, Pilling-Siedlung, Radldorf, Pönning, Wallfahrtskirche Antenring, Oberhart hausen, in Frauenhofen u. Hirschling 108 Katholiken
Die Beschreibung des barocken Hochaltars nennt als Altarblatt eine Darstellung des Hl. Georg. Der Kampf gegen den Drachen ist in diesem Foto hinter dem Pelikan nur zu erahnen:

Drachenkampf

 

St thomas aquinasVon Thomas von Aquin, 13. Jahrhundert, stammt der Hymnus "Gottheit, tief verborgen". Selten hat man die sechste Strophe von gesungen:
Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; wasch in deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld. Die Verwendung der Pelikan-Symbolik bei Thomas von Aquin könnte mit der Legende des Franz von Assisi, 12 Jh., in Verbindung gebracht werden, welcher mit "Tieren reden konnte" und auch deshalb zum Schutzpatron der Tiere wurde.

 

 

St. Pankratius Kirche in Widecombe in the MoorAus dem 14. Jh. stammt die Kirche St. Pankratius in Widecombe-in-the-Moor. Ein Schluss-Stein im Kirchengewölbe zeigt das Pelikan-Symbol.

Die Kirche St. Pankratius ist bekannt als die „Kathedrale des Moores“, wohl wegen des 37 m hohen Turms und des für einen so kleinen Ort sehr großen Innenraums. Die Kirche wurde ursprünglich im 14. Jahrhundert im Stile der englischen Spätgotik mit dem bei Widecombe vorkommenden Granit erbaut. St. Pankratius wurde in den folgenden zwei Jahrhunderten immer wieder vergrößert, zum Teil mit den Einnahmen aus dem Zinnbergbau. Im Kircheninneren ist die dekorative Decke sehenswert, in der auch das Emblem der Zinnbergwerker, ein Ring aus drei Hasen (hier bekannt als „Tinner's Rabbits“) verewigt ist.

 

609579 hofer antikschmuck Antiker Siegelring der Renaissance aus Gold Grossbritannien um 1520 Aufopferungsvoll Kopie

AUFOPFERUNGSVOLL
ANTIKER SIEGELRING DER RENAISSANCE AUS GOLD, GROSSBRITANNIEN, 16. JHD
€ 11.900,00
 
Der Pelikan, so wussten die Gelehrten des Mittelalters, opfert sich selbst aus Liebe zu seinen Jungen. Er öffnet mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch verstanden und in Bezug zum Opfertod Jesu gesetzt: Auch er blutet am Kreuz und bringt so die Erlösung der Menschheit vom Tode.

Der Pelikan wurde so schnell zu einem beliebten Wappentier für Städte und Gemeinden und besonders auch für geistliche Würdenträger. Einer der bekanntesten war der englische Bischof von Winchester, Richard Foxe, der unter anderem das Corpus Christi College an der Universität von Oxford gründete. Er wählte den Pelikan zum Wappen und noch heute steht vor dem College eine Sonnenuhr des 16. Jahrhunderts, welche ein Pelikan krönt. In der Folge verbreitete sich unter Geistlichen in Großbritannien der Pelikan rasch auch als Siegelbild, besonders unter solchen, die aus dem Bürgertum stammten und zuvor kein eigenes Wappen besessen hatten.

Der hier vorliegende Ring stammt aus Großbritannien und zeigt den seine Jungen nährenden Pelikan auf der Siegelfläche. Er ist im 16. Jahrhundert entstanden, wohl in der ersten Hälfte des Säkulums. Dies zeigt der Vergleich mit einem sehr ähnlichen Ring im Besitz des Victoria & Albert Museums in London, Inv. Nr. 792-1871. Die Form der Siegelfläche und die rahmenden Stichelgravuren und sind hier die schlagendsten Merkmale für eine etwa zeitgleiche Datierung.

 

BirthalmAus dem 17. Jahrhundert stammt die Grabplatte des Bischofs Franz Graffius, der Anfang 17. Jahrhundert in Birthälm, einer Gemeinde im Kreis Sibiu in der Region Siebenbürgen in Rumänien, beerdigt wurde. Deutlich ist darauf zu sehen, wie ein Pelikan sich seine Brust aufhackt und mit seinem Blute seine Brut nährt.

 

PelikanHuFo Kopie

 
 
Im "Keller" des Humboldt-Forums in Berlin findet sich ein Pelikan-Relief aus dem 13. Jahrhindert!

 

Ein paar Jahrhunderte später lassen die Frauenhofener gleich 2 Pelikane in ihrer neu erbauten Kirche landen:
PelikanFh KopiePelikanAufDerKanzel

Heute, im 21. Jahrhundert, weiß man: Die weißen Pelikane haben manchmal ein rosa oder grau überhauchtes Gefieder; dieser Farbton kommt durch ein Sekret der Bürzeldrüse zustande. Wie kräftig der Farbton ist, steht in einem Zusammenhang mit den regionalen Ernährungsmöglichkeiten. Im Gesicht haben Pelikane unbefiederte Stellen, die zur Brutzeit leuchtende Farben annehmen können. Ganz junge Pelikane werden mit einem aus dem Kehlsack unterhalb des Schnabels ausgewürgten Nahrungsbrei aus gefangenen Fischen gefüttert.

Können wir Heutigen, die schreiben und lesen können, mit den alten Bildern und ihren Sinngebungen noch etwas anfangen? Schon, vielleicht, denn 'normale' Eltern kümmern sich liebevoll um ihre Kinder, aber 'unnormale' Eltern bieten ihre Kinder auch für schlimmste Vergehen an! Aber wenn in theologischen Aussagen schon auf diese Symbolik Bezug genommen wird, dann sollte unbedingt auf die wohl Jahrtausende alte Wurzel der Legende verwiesen werden.

Facit und Kommentar:

Die Legenden des fürsorglichen Pelikans und des strafenden Adlers werfen ein Schlaglicht darauf, was man Menschen in diesen längt vergangenen Zeiten erzählen konnte. Dass dabei Tieren menschliche Eigenschaften - grausam, fürsorglich - zugeschrieben worden sind kann man durchaus verstehen. Nur haben dieser Bilder außer ihrer kulturgeschichtlichen Dimension jede konkrete Bedeutung verloren und vermögen heutige Menschen - besonders junge - kaum mehr zu erreichen. Es besteht sogar Sorge, dass diese Erzählungen ohne ihren kulturgeschichtlichen Hintergrund abstoßend wirken. Somit ist die Bedeutung der seit vielleicht einer Generation überholten Erzählung vom 'fürsorglichen' Pelikan nur mehr kulturhistorisch vorhanden. Diese überholte Legende aber als "wunderbares Zeichen für Christus" anzubieten ist vielleicht eines der Mosiksteinchen, welches nach und nach aus dem eigentlich großartigen Bild des Menschen Jesus herausbricht. 

 in Arbeit

 

Das ist schon bemerkenswert: Da überlässt am 8. Juni 1978 der Alleineigentümer des Kirchleins die Pürgler Kirche kostenlos dem neu gegründeten "Förderverein Kirche Pürgl" und stattet sogar den Verein mit einer stattlichen Geldzuwendung und einer Holzspende aus! In der Zeit von 1978 bis 1983 fand durch eben diesen Förderverein und viele Behörden unter Begleitung des Landesamts für Denkmalpflege eine aufwändige Innen- und Außenrenovierung statt. (aus: Kirchenführer Kirche Pauli Bekehrung, erhältlich unter Pürgl.de )

Und warum darf das Kirchlein aus dem Jahre 1712 den Titel "barockes Kleinod" tragen? Weil im Band XX der Kunstdenkmäler von Niederbayern - Bezirksamt Bogen, Seite 328, steht:

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Puergl Kopie

Aktuell bemüht sich der Förderverein um ...

Orgelprospekt KopieDie Orgel des Kirchleins wird auf 16. bis 19. Jahrhundert datiert. Genaueres sollte eine demnächst geplante Restaurierung ergeben.

 

noch in Arbeit

pythagoreisches Tonsystem

220px Pythagorean.HammersEtwa im fünften vorchristlichen Jahrhundert soll Pythagoras in einer Schmiede nach einer antiken Legende entdeckt haben, dass gleichzeitige Hammerschläge wohlklingende Töne erzeugten, wenn die Gewichte der Hämmer in den ganzzahligen Verhältnissen 12:9:8:6 oder - gekürzt und paarweise geordnet -  12:6 = 2:1 (Oktav), 9:6 = 3:2 (Quint) und 12:9 = 4:3 (Quart) stehen.

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Ohne Terz - und eigentlich auch ohne Quart, weil c'' ja nur als Wiederholung des Grundtons C gehört wird - hört man hier im Wesentlichen nur die Oktav und die Quint, also einen 'leeren' - tonartlosen - Klang!


Nach Pythagoras klingen also etwa C=132 Hz zusammen mit c'=264 Hz und mit g‘=396 Hz und dazu c''=528 Hz ‚wohl‘, konsonant, also Töne, deren Schwingungen pro Sekunde zum jeweiligen Grundton im Verhältnis 2:1 und 3:2 stehen. Das Verhältnis 3:2 steht für die Quint, hier also 396/264 = 1,5 = 3/2.

Die Umkehrung der Quint, also die „reine“ Quarte wird einerseits in der Bedeutung „weder vermindert noch übermäßig“ gebraucht, andererseits auch für das Frequenzverhältnis von genau 4:3, wie es zur reinen Stimmung gehört.

Sehr gut kann man dieses auf einem Monochord, wie es im deutscchen Museum in München steht, ausprobieren:

550px Monochord.Deutsches.Museum

 So kann man die Lage der Bünde konstruieren, zB den der Quinte mit c/g = 3/2:

Bildschirmfoto 2021 08 28 um 20.54.38

Quint-Oktav-Klänge waren besonders in der Musik des Mittelalters sowie der Renaissance allgegenwärtig, da die im Akkord enthaltenen Intervalle als besonders rein und konsonant galten. Das damals häufige Aufkommen hat aber sicherlich auch damit zu tun, dass Prime, Oktave, Quinte und Quarte die ersten vier Intervalle der Obertonreihe sind. Und diese Töne bestimmen ganz wesentlich die Klangeindruck eines Tones, zB eines Orgeltones.

vom Quintenzirkel zur Quintensäule

Bildschirmfoto 2021 08 27 um 19.48.41

 

Schichtet man viele Quinten übereinander, erreicht man nach 12 Quinten bzw. 7 Oktaven ungefähr wieder den Ausgangston. Ungefähr, weil ((f1*3/2)*3/2)*…* 3/2 = f1*(3/2)^12 =f1*129,746… nicht exakt gleich für 7 Oktaven ((f1*2)*2)*…. = f1*2^7 = f1*128 ist!. Diese Differenz nennt man das pythagoreische Komma.

Nun kann man zwar aus den übereinander geschichteten Quinten und dem reinen Terzintervall (5/4) jeden Ton generieren, etwa das f‘ = Oktav – Quint, oder die pythagoreische große Terz (= 4 reine Quinten − 2 Oktaven), aber schon da wird sichtbar, das uU die Darstellung von Intervallen in Summen – statt Produkten – und Differenzen – anstelle von Quotienten - Vorteile hätte. Allerdings braucht es hierzu ein logarithmisches Rechnen.

Das Cent-Maß 

Das Ergebnis dieser logarithmischen Formel ist das Cent als Maß für zB die Oktave, nämlich 1200 Cent!
Damit gelingt es nun, ein Tasten- oder Bündeinstrument so zu stimmen, dass jede Tonart gleich gut – wenn auch ein wenig verstimmt – klingt, dafür aber Modulationen möglich werden.

Verschiendene Stimmungen - gleichstufig und rein -  lassen sich nun so darstellen:

----------------------------------------------------------> Beachte: g/c = 392 / 261,6 = 1,498.. ≠ 3/2 !

Bildschirmfoto 2021 08 28 um 21.36.26

----------------------------------------------------------> Beachte: g/c = 396 / 264 = 1,5 = 3/2 ! Verstimmung 'rein' zu 'gleichstufig' in Cent: 396 - 392 = 4

Die „gleichschwebende Temperatur“ der heute dominierenden gleichstufigen Stimmung löst das Problem durch eine Abwandlung der pythagoreischen Stimmung, indem sie das pythagoreische Komma gleichmäßig auf alle zwölf Quinten des Quintenzirkels verteilt; dadurch sind die Quinten nur um 1/12 Komma verstimmt. Diese näherungsweise Reinheit der Quinten wird erkauft durch eine sehr starke Verstimmung der Terzen um ca. 2/3 Komma. Nach Hugo Riemann „verträgt“ jedoch „die Terz eine stärkere Verstimmung als die Quinte“, so dass sich die gleichstufige Stimmung als praxistauglich durchsetzen konnte.
Frühere temperierte Stimmungssysteme, wie die lange Zeit verwendete mitteltönige Stimmung und die später entwickelten wohltemperierten Stimmungen, werden heute gelegentlich im Rahmen der historischen Aufführungspraxis wiederbelebt.

Stimmpraxis

Reine Quinten, Oktaven und Terzen konnte man ohne Weiteres einstimmen. Die Quinten in der mitteltönigen Stimmung mussten jedoch um 1/4 Komma enger gelegt werden. Dafür gab es Anweisungen für die Beobachtung von Schwebungen. Dabei war zu beachten, dass die Anzahl der Schwebungen pro Zeiteinheit umso größer ist, je höher die Quinten liegen. Nach dem Temperieren von vier etwas engeren Quinten konnte man die Stimmung durch eine reine Terz überprüfen. Die weiteren Töne ließen sich durch reine Terzen leicht stimmen. Hatte man beispielsweise C-G, G-D, D-A und A-E temperiert, konnten die weiteren Töne durch reine Terzen erzielt werden: D-Fis, Es-G, E-Gis, F-A, G-H, A-Cis und B-D. Waren alle zwölf Töne innerhalb einer Oktave gestimmt, vervollständigte man das gesamte Tonspektrum des Instruments durch reine Oktaven. Die alten Orgelbauer haben ihre Instrumente ohne Stimmgerät gestimmt. Als physikalische Geräte standen ihnen nur das Monochord, die Stimmpfeife und das Pendel sowie ihr eigener Pulsschlag zur Verfügung.

Ein unmittelbares Hören der jeweiligen verstimmten Töne ist i. d. R. nicht möglich. Dagegen kann man sehr wohl die Schwebungen hören:

Bildschirmfoto 2021 08 29 um 11.07.34

 

 

In der Musikhochschule in Tübingen steht eine Orgel, welche trickreich in verschiedene Stimmungen umgeschaltet werden kann:

 

 

Interessant in diesenm Zusammenhang ist das Programm  justintonation des  Haye Hinrichsen von der University of Würzburg mit seinem Team Karolin Stange und Christoph Wick. Diese Software ist in der Lage, mit Hilfe eines adaptiv-dynamischen Stimmverfahrens reine Klänge in jeder Tonart zu erzeugen. Die App analysiert den gespielten Akkord, berechnet die optimalen Frequenzen und stimmt den eingebauten Sampler bzw. das angeschlossene MIDI-Gerät in Echtzeit.

 

Musikbeispiele

Vielleicht demnächst die Pavan dan Vers eines Anonymus, gespielt von Arnaud De Pasquale auf der weitgehend historisch erhaltenen Orgel aus dem Jahre 1547 in der Chiesa di San Francesco d’Assisi, Castelbuono. 

 

 

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Quellenhinweis: Dieser Beitrag erhebt in keiner Weise wissenschaftliche Ansprüche, etwa bzgl. einer exakten Quellenangabe. Bisweilen ist auf die jeweilige Web-Adresse direkt verlinkt, i. d. R. aber stammen die Informationen aus einschlägigen Webseiten in Wikipedia. Den jeweiligen Autoren sei für ihre sorgfältige Rechereche und höchst informative Darstellung ausdrücklich gedankt.

 

Halbzeitpause!

nächstes Konzert No. 5 am 5. September
OrguesDeSicilaBereits vor über 50 Jahren gab es bei harmonia mundi eine Serie über historische Orgeln in Europa. Diesen Faden hat ganz aktuell Arnaud de Pasquale, ein Spezialist für historische Tasteninstrumente, aufgegriffen. Eine erste CD von ihm ist den historischen Orgeln von Sizilien gewidmet und mit einem Repertoire vorwiegend unbekannterer Werke aus Renaissance und Frühbarock erschienen. Die anonyme Orgel aus dem Jahre 1547, restauriert im Jahr 2007, in der Chiesa di San Francesco d’Assisi, Castelbuono ist eine der ältesten spielbaren Orgeln in Europa, 90% der originalen Substanz sind erhalten, gestimmt in einer authentischen, aber heute auch im historischen Kontext selten benutzten, speziellen Variante der mitteltönigen Stimmung, die sogenannte Drittelkomma-mitteltönige Stimmung. Dabei werden alle reinen Quinten (3/2) um einen gewissen Betrag verkleinert. Im Ergebnis dieser Anpassung sind die kleine Terz (6/5) und die große Sexte (5/3) rein gestimmt - siehe dazu die Fußnote.
Diese CD mit den durchaus eigenartige klingenden Einspielungen präsentierte Carsten Fabian auf BR-Klassik vor kurzem im Spätabend-Programm des Senders.
 
Demnächst: Klangbeispiel der Orgel in der Chiesa di San Francesco d’Assisi, Castelbuono
 
Für das Straubinger Land hat Franz Schnieringer eine Konzertreihe für 8 historische Orgelwerke im Landkreis Straubing-Bogen initiiert, der Kulturförderverein Joseph Schlicht hat dafür auf seiner Plattform RePaLi eine interaktive Karte mit ausführlichsten Informationen, etwa zum Orgelbau, programmiert.
Von diesen 8 Konzerten  wurden in der ersten Halbzeit bis 22. August die Orgeln in Hailing, Westen, Obergraßlfing und Frauenhofen bespielt, Juliane Schenk (Sopran), Fred Flassig (Violoncello), Julia Benkert und Maria Loichinger (Sopran) ergänzten das Konzertprogramm der vorwiegend regionalen Komponisten. Kommenden Sonntag pausiert die Konzertreihe, ab Sonntag, 5. September, 16 Uhr folgt in Halbzeit zwei Pürgl, Hofdorf, Heilig Kreuz und zum Abschluss Hadersbach.
Bewundernswert, was Franz Schnieringer da geleistet hat: Suche nach interessanten, historischen, gut erhaltenen Orgelwerken, teils auch in Erfüllung lang gehegter Wünsche, etwa ein Konzert auf der von Eberhard Kraus hochgelobten Heinssen-Orgel in Obergraßlfing zu spielen, teils in einer Erinnerung an seine Facharbeit - auch über die Orgel in Pürgl, Programmrecherche, Aufstellen von Terminplänen, und - nicht zu vergessen - mehrfache Besuche der Konzertorte mit letzten Überlegungen der Programm- und Komponistenauswahl, Einrichten der Stücke auf die örtlichen Gegebenheiten - Registrierung - und mehrfaches Durchspielen der Werke, schließlich am Konzerttag Einführung Komponist und Werk, dann Spielen der Werke ohne menschlichen oder elektromechanischen Registranten.
Auch höchst löblich: Diese Konzertreihe lässt so manche Orgel sogar konzertant erklingen, was in ihrem liturgischen Alltag eher selten möglich ist. Verschiedentlich wurde schon die jährliche Wiederholung einer derartigen Konzertreihe mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen angeregt.
Leider ist die o. g. Sendung des BR Klassik nicht aus der BR-Mediathek abrufbar, freundlicherweise waren aber die Manuskripte zugänglich und der Klang der Orgel in San Francesco in Castelbuono/Sizilien ist als CD erhältlich. Über RePaLi aber kann der Interessierte detaillierte Informationen sowie auch Live-Mitschnitte je eines Werkes aufrufen.
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Fußnote: Die verschiedenen Arten der 'Stimmung' eines Instruments beleuchten eindrucksvoll mehr als 2000 Jahre abendländische Kulturgeschichte der Musik, mindestens von Pythagoras bis in unsere Zeit. Details hier in einem eigenen Beitrag.

Sonntag, 12. 9. 2021, 14 Uhr, St. Edigna in Hofdorf bei Hunderdorf:

historischer Orgelzyklus No. 6

OrgelMitOrganist KopieZum deutschen Orgeltag präsentiert die Konzertreihe "historische Orgeln im Landkreis Straubing-Bogen" eine echte Rarität: die Orgel in dem Kirchlein St. Edigna in Hofdorf bei Hunderdorf, restauriert im Jahr 2017 durch die Orgelbau-Firma Vleugels aus Hardheim. Diese Maßnahme, gefördert vom Bay. Landesamt für Denkmalpflege, dem Bistum Regensburg, der Bay. Landesstiftung sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ließ ein wahres Kleinod wiedererstehen. Die Orgel stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert und verdient es ohne Zweifel, nach der Präsentation im Jahre 2017 nach vielen Jahren Dornröschenschlaf nun am "Tag des Offenen Denkmals", zeitgleich zum "Deutschen Orgeltag", ins Bewusstsein eines größeren Kreises von Orgelfreunden gerückt zu werden. Das Konzert in Hofdorf findet ausnahmsweise bereits um 14 Uhr statt, weil Peter Hilger, Kirchenmusiker in Windberg zwei Orgelführungen in Windberg anbietet: vor dem Hofdorfer Konzert um 13 Uhr in Windberg, und nach dem Konzert in St. Edigna um 15.30 Uhr, wiederum in Windberg. In Hofdorf selbst wird der Kirchenmusiker von St. Johannes in Ittling und Kurator des Archivs für Volksmusik des Straubinger Landes, Stefan Seyfried, auf der Orgelbank sitzen. Er hat für das Konzert Werke bekannter und weniger bekannter Komponisten ausgewählt, etwa Eugène Gigout (1844-1925) oder Thomas Preston, gestorben nach 1559: Piece 5 aus Album Gregoriene 1895 bzw. Upon La Mi Re.
Nach dem Konzert lädt Stefan Seyfried Interessierte zu einer kurzen Führung über dieses einzigartige Instrument ein, das Fachleute sozusagen in den Himmel lobten: „...dass es sich bei dem vorhandenen Orgelbestand der barocken Brüstungsorgel in Hofdorf um ein herausragendes Denkmal für den barocken Orgelbau in Süddeutschland, dem auch überregional besondere organologische und denkmalpflegerische Bedeutung zukommt ...“ und: „Die Orgel von Hofdorf ist ein ausgesprochenes Unikat. Sie ist durch einen wohl durchdachten Umbau geschaffen worden. So entstand ein Instrument, zu dem es kaum etwas Vergleichbares gibt.“
Der Eintritt zum Konzert ist frei, um Spenden wird gebeten. Wegen der doch beengten Parkplatzsituation bei der Kirche wird empfohlen in der näheren Umgebung zu parken und einen kleinen Fußweg in Kauf zu nehmen. Vor der Kirche lädt eine 'Verweilzone' - so die Infotafel vor der Kirche - mit Tisch und Bank zum Verweilen ein.


zum Foto: Über die Emporen-Brüstung hinweg durch die beiden Prospekte links und rechts hindurch kann der Organist das liturgische Geschehen verfolgen.