Kelten-Route

Nach der sog. Römer-Route von Weißenburg bis Enns steht nun eine Beitragsserie über die Besiedlung des 'Donaurandbruches' durch Kelten an. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaften spricht man ab 800 v. Chr. von der Hallstatt-Kultur der Kelten, ab 500 v. Chr. von der Laténe-Kultur. Um 300 n. Chr. beginnt mit dem Rückzug der Römer zum Beispiel aus Rätien und dem Vordringen germanischer Stämme aus dem Norden und Osten ein gewisser Abwanderungsdruck nach Süden, aber längst haben 'keltische' und 'römische' Kultur begonnen, sich zu vermischen. 
HallstattKultur
Die sog. Hallstatt-Kultur ist in vielen Museen des Donauraums sehr gut dokumentiert. Der Zeitraum dieser 'Hochkultur' wird in etwa von 800 v. Chr. bis 500 v. Chr. eingegrenzt, also eine Zeit, in der Rom 'schlüpft aus dem Ei - 753' und in der Griechenlands Demokratie um 500 v. Chr. in höchster Blüte stand. Quellen über die Kultur der Kelten sind also antike Schriftsteller wie etwa Hekataions von Milet, Herodot oder der spätrömische Dichter Avienus. Doch meistens sind nur Sekundärquellen überliefert, eigene schriftliche Quellen der Kelten sind nicht bekannt, vielleicht auch nicht entstanden. (nach M. Schußmann)
Woher die Kelten stammen, ist wohl ebenso im Dunkel der Geschichte verborgen, denn immerhin wanderte der homo sapiens ein paar zehntausend Jahre schon die Donau aufwärts: Venus von Willendorf - um 30.000 Jahre alt! Siehe auch den RePaLi-Beitrag zur "jüngeren Besiedlungsgeschichte des Donaurandbruches" in 'Mensch-Besiedlung'. Gesichert ist die Besiedlung des Donauraums mindestens aus der sog. Steinzeit und der Bronzezeit:

"Fundstücke aus dem gesamten Donauraum weisen auf erste bäuerliche Besiedlung vor ca. 10.000 Jahren hin. Seit dem Beginn der Jungsteinzeit vor etwa 6.000 Jahren sind das Donautal und die Hochterrasse des Gäubodens dauerhaft besiedelt. Während Ackerbau auf trockenen, höheren Lagen vorherrschte wurde in den feuchten Niederungen Rinder- oder Pferdehaltung betrieben. Auf den hochwasserfreien Isarterrassen in Enzkofen, aber auch auf dem Natternberg bei Deggendorf, bestanden vor mehr als 6.000 Jahren Siedlungen einer Kultur, deren Merkmal die "Linearbandkeramik" war. Bei Aiterhofen/Ödmühle nahe Straubing konnte der größte Friedhof der frühen Jungsteinzeit ausgegraben werden. Um 2.000 v. Chr. war der Bogenberg ein mit kilometerlangen Erdwällen befestigter Stützpunkt der Bronzezeitleute. Die eindringenden Kelten, die das Eisen brachten, ließen sich auch in den Hanglagen des Vorwaldes nieder, sie schufen dort bis heute bestehende Siedlungen." (Quelle: Hinweistafel auf dem Grandsberg unterhalb des Hirschensteins)

Dr. L. Husty, Kreisarchäologe des Landkreises Straubing-Bogen, berichtet etwa in einem Beitrag zum 29. Niederbayerischen Archäologentag sowie in einem Text des Labertaler Boten: "Es gelang der Nachweis eines bislang unbekannten spätbronze-/urnenfelderzeitlichen Gräberfeldes, Siedlungsspuren unterschiedlicher vorgeschichtliche Kulturgruppen als auch Bildschirmfoto 2020 01 06 um 08.55.53Bildschirmfoto 2020 01 06 um 08.56.01der bemerkenswerte Zufallsfund eines mittelsteinzeitlichen Feuersteingeräts, das die Anwesenheit unserer Vorfahren im mittleren Labertal bis weit ins 8./9. Jahrtausend v. Chr. belegt. Die im etwa 6 m breiten Sondageschnitt angetroffenen Befunde 

konnten im Juli 2009 durch eine archäologische Fachfirma ausgegraben werden. Dabei wurden neun Urnengräber und fünf Brandgräber freigelegt, die zu dem erwähnten großen Gräberfeld gehören. Der Belegungszeitraum dieses Teiles der Gräberfeldes reicht von der mittleren Umenfelderzeit (Stufe HaA2) etwa um 1.100 v. Chr. und wird bis in die Hallstattzeit etwa um 800 fortgeführt.Des Weiteren wurden zahlreiche Siedlungsbefunde in Form von Pfosten und Siedlungsgruben angetroffen, deren datierbares Fundmaterial in die Hügelgräberbronzezeit des 15./14. Jahrhunderts v. Chr. und die Urnenfelderzeit bis ca. 1.200 v. Chr. verweist. Einzelne laténezeitliche Funde belegen auch die Anwesenheit der Kelten hier in Grafentraubach."

Mit Mitteln der Archäologie gelingt es, einen differenzierten Blick auf den Stamm der Kelten, die das "Eisen brachten", zu gewinnen. Über Sinn und Zweck von Studien zur Töpfereitechnologie zitiert Peter Trebsche in: Eisenzeitliche Graphittonkeramik im mittleren Donauraum - in: Vorträge 29. Niederbayerischer Archäologentag, Redaktion: L. Husty, R. Sandner, K. Schmotz, © 2011 Verlag Marie Leidorf GmbH, Ann Woodward: „Das Hauptziel der Studien zur Töpfereitechnologie muss es sein, mehr über die prähistorischen Menschen selbst zu erfahren“.

Als Quellen finden etwa Verwendung:
Markus Schußmann - Die Kelten in Bayern, Verlag Friedrich Pustet 2019
Claudia Tappert - KELTEN UND GERMANEN IN STRAUBING in: Jahrbericht 106 Hist. Verein Straubing, Beiträge aus Wikipedia u.v.a.m.
reichlich Beiträge, erhalten über academia.edu, zB jüngst "Trebsche" - s.o. -  in uvam
Bei konkreten Text- und Bildübernahmen wird nach üblichen Gepflogenheiten zitiert.

Der Aufbau dieser Beitragsserie folgt also nur teilweise dem der Römer-Route - in einer Google-Karte sind einzelne virtuelle Orte markiert und mit Kurzbeiträgen versehen, Links führen dann zu ausführlichen RePaLi-Beiträgen. Also: 'unnamed locations' führen zu Kurzbeiträgen über "Besiedlung, Leben und Wohnen, Kunst und Handwerk, Krieg und Frieden, Jenseitsvorstellungen und Untergang", zu einer Zeittabelle (grauer Hotspot) und zu einer Übersicht von Museen (roter Hotspot) mit 'keltischen' Abteilungen oder zu Kelten-Spezialmuseen.

Die Kelten-"Route" bezieht ihre Informationen ausführlichst aus archäologischen Papers, wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Infomaterial spezieller Museen und natürlich aus Wikipedia. Falls mehrfach zitiert wird die Quelle mit Kürzel und Seite(n) angegeben, ansonsten bei der Zitation.

Hier also die Namens-Liste incl. Kürzel, welche ggf. ergänzt werden wird:

Schußmann, Dr. habil. Markus: Die Kelten in Bayern  - Archäologie und Geschichte, Pustet Regensburg, 2019 (SchuKinBy) bzw. (KiBy)

Tappert, Dr. Claudia: Kelten und Germanen in Straubing - in: Jahresbericht 106/2004 des Historischen Vereins Straubing, (TpHV) oder (Tp ...)

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Zeittafel (Quelle: https://istros-keltoi.de/ - abgerufen, formatiert und ergänzt am 6. 12. 2019 von pk)

seit etwa 7000 v. Chr. andauernde Besiedelung des Donauraumes nach der Würmeiszeit
um 1200 v. Chr. mykenische Hochkultur auf der Peloponnes
ca 1100 - 800 v. Chr. "Dark Ages" des antiken Griechenlandes
ca 800 - 300 v. Chr. antikes Griechenland 
ca 8. Jh v. Chr. bis 5. Jh n. Chr. römisches Reich
730 – 480/ 450 v. Chr. Hallstattkultur in einem Gebietsstreifen nördlich der Alpen von Ostfrankreich bis nach Ungarn
Um 600 v. Chr. Gründung der griechischen Kolonie Massilia (d. heutige Marseille); Handel mit keltischen Stämmen - griechische Erzeugnisse gelangen bis Mitteleuropa - Ende 6 Jh. V. Chr. erste Erwähnung der Kelten durch Hekataios v. Milet
Um 500 v. Chr. Intensive Handelskontakte der Etrusker mit den Stämmen nördlich der Alpen
Um 470 – 450 v. Chr. Erstes Auftreten des La Tène Stiles im Mittelrheingebiet, etwa gleichzeitig auch im östlichen Früh-La Tène- Bereich (Böhmen, Oberpfalz, nördliches Österreich)
Um 450 v. Chr. Erwähnung der Kelten bei Herodot v. Halikarnassos
Um 400 v. Chr. Beginn der keltischen Wanderung; erste Vorstöße nach Italien
387 v. Chr. Schlacht an der Allia, Niederlage der Römer; in der Folge Eroberung von Rom „Vae Victis“ und „Dies Ater“
Um 370 v. Chr. Der frühkeltische Stil wird allmählich durch einen streng geometrischen Stil abgelöst „Waldalgesheimstil“
Um 360 v. Chr. Vordringen der Kelten auf die Balkanhalbinsel
335 v. Chr. Keltische Gesandte am Hofe Alexanders des Großen
Ende d. 4. Jh. v. Chr. Erste keltische Besiedlung der britischen Inseln
Um 300 v. Chr. Vordringen der Kelten nach Thrakien
299 v. Chr. Einfall keltischer Stämme in Etrurien; Schlacht bei Clusium; Vernichtung des römischen Heeres
295 v. Chr. Schlacht bei Sentium in Umbrien; Kelten geschlagen; Verdrängung der Kelten aus Umbrien
279 v. Chr. Keltische Stämme (Donaukelten) verheeren Makedonien; Vorstoß nach Griechenland (unter ihrem Anführer „Brennos“) keltischer Ansturm wird aufgehalten, die Kelten plündern jedoch Delphi.
278/ 277 v. Chr. Keltische Stämme (Donaukelten) überschreiten den Hellespont; Ansiedlung der „Galater“ in Kleinasien am Flusse Halys
Ab 280 v. Chr. Keltische Söldner im Dienste hellenistischer Herrscher; auch die Ptolemäer in Ägypten verfügen über keltische Abteilungen
Ab 250 v. Chr. Keltische Besiedlung des Südostalpenraumes (Steiermark, Kärnten, Slowenien)
225 v. Chr. Schlacht bei Telamon an der etrurischen Küste; Kelten werden vernichtend geschlagen
Ende des 3. Jh. v. Chr. Erste keltische Münzprägung
Um 200 v. Chr. Errichtung des keltischen Königreiches Norikum mit Zentrum im heutigen Kärnten
192 v. Chr. Eroberung von Bononia (heutiges Bologna) durch die Römer; wesentliche Teile der Poebene unter römischer Herrschaft
182/ 181 v. Chr. Gründung der Hafenstadt (Flusshafen) Aquileia durch latinische Kolonisten; Handel mit den Kelten des Südostalpenraumes
179 v. Chr. Versuch einer Ansiedlung norischer Stämme in Venetien; von Rom auf friedlichem Wege zum Abzug bewogen
200 v. Chr. Entstehung von befestigten keltischen Städten (Oppida) in Mitteleuropa
141 v. Chr. Erfolgloser Vorstoß der Römer gegen die keltischen Skordisker an Donau und Save
133 v. Chr. Eroberung von Numantia und Ende des Widerstandes („Keltiberer“) auf der iberischen Halbinsel
Um 120 v. Chr. Eroberungskriege der Römer in Südfrankreich zur Erringung einer Landverbindung nach Spanien; Gründung der Provinz Gallia Narbonensis
113 v. Chr. In der Schlacht bei Noreia treffen erstmals Germanen und Römer aufeinander; Germanen verwüsten weite Teile Mitteleuropas
Um 90 v. Chr. Gründung einer Stadt auf dem Magdalensberg in Kärnten als Sitz des norischen Königs; intensiver Handel mit Italien
15 v. Chr. Ausdehnung des röm. Reiches auf Gebiete nördlich der Alpen, schließlich bis Donau (nördlich) und Rhein (östlich)

43 Die Römer besetzen Britannien und unterwerfen die keltischen Einwohner
50 Das Oppidum Ubiorum wird zur Römischen Kolonie "Colonia Claudia Ara Agrippinensum" (Köln)
69 Aufstand der Bataver - Gallische Druiden sagen nach Brand im Kapitol das Ende Roms voraus
80 Kaiser Domitian besiegt die Chatten in der Wetterau und erhält den Beinamen Germanicus - 1. Ausbaustufe des Obergermanische Limes (Holztürme) - 81 - 89 Chattenkriege
ca. 85 Gründung der Provinzen Germania Inferior und Germania Superior
um 100 Die Boier in Südhessen gehen in den germanischen Markomannen auf
145 - ca. 200 Der Limes wird durch nach und nach durch Steintürme gesichert
167 - 180 Markomannenkriege
um 213 Caracalla lässt in Raetien die "Teufelsmauer", den steinernen Limes, gegen die Alamannen errichten
ca. 233 Die Alamannen durchbrechen den Obergermanischen Limes
235 keltische Druidin warnt Kaiser Alexander Severus seinen Soldaten zu vertrauen und vor Hoffnung auf einen Sieg
257 Germanische Stämme stürmen gegen den Limes und durchbrechen seine Schutzwirkung
ca. 260 Die Römer geben den Limes auf

 

 

Dokumentation keltischer Kulturen in verschiedenen Museen - in alphabetischer Reihenfolge

  • Hallein/Salzburg - Keltenmuseum: Mit Einfallsreichtum und Geschick schafften es die Kelten, Nahrungsmittel durch Salz für längere Zeit haltbar zu machen. In der Zeit zwischen 1000 bis 800 v. Chr., gelang es ihnen, im österreichischen Hallstatt Salz abzubauen. Damit hatten sie die Grundvoraussetzung geschaffen, sich auf langen Reisen mit genügend Nahrungsmitteln zu versorgen. Aufgrund dieser bahnbrechenden Erfindung wird diese Zeitperiode auch Hallstattkultur genannt.

  • Hochdorf - Keltenmuseum: Vor 2500 Jahren - auf den Höhen südlich der Enz findet ein prunkvolles Begräbnis statt. In einer großen Holzkammer wird ein Mann bestattet, dessen Reichtum und Geltung sich an den glanzvollen Beigaben zeigt, die ihm ins Grab folgen. Bald erhebt sich ein mächtiger, weithin sichtbarer Hügel über seiner Grabstätte. 
    1991 - Das Keltenmuseum Hochdorf/Enz wird eröffnet. Es ist dem „Keltenfürsten von Hochdorf", seiner Zeit und seiner Kultur gewidmet. An der Grabkammer stehend, erleben wir die Bestattung in all ihrem Prunk heute genauso wie die Zeitgenossen des Keltenfürsten vor 2500 Jahren. Weit über eine halbe Million Besucher haben sich seither hier am Originalschauplatz in die Zeit der Kelten zurückversetzen lassen - im Museum des Jahrhundertfundes von Hochdorf.

  • Linz - Schlossmuseum:  In zeitlicher Abfolge werden in den beiden Räumen auch die wichtigsten Funde zur oberösterreichischen Alt- und Jungsteinzeit, sowie Bronze- und Eisenzeit gezeigt. Grab- und Siedlungsfunde veranschaulichen das tägliche Leben sowie den Umgang mit dem Tod. Im Tiefkeller ist ein Raum dem besonderen Fundort Hallstatt (Gräberfeld und ältestes Salzbergwerk der Welt) gewidmet. Nach der Römerzeit bilden die bedeutenden Funde aus frühmittelalterlichen Gräberfeldern den Abschluss der archäologischen Dauerausstellung.

  • Manching - Kelten-Römer-Museum: Eine Sonderstellung unter den keltischen Museen und keltischen Ausstellungen genießt das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching. Der Name des Museums ist Programm, ihre Dauer- und Sonderausstellung kreisen um die Kulturen der Kelten und Römer. In der Kelten-Sparte werden die Funde ausgestellt, die man in einer keltischen Großsiedlung in der Nähe des heutigen Manching ausgegraben hat. Dazu zählt auch der 1999 entdeckte Schatz aus 450 Goldmünzen. Von großer Bedeutung ist auch das so genannte „Kultbäumchen“, ein mit Blattgold überzogener Holzstamm mit bronzenen und vergoldeten Blättern und Knospen.

  • Passau - Römermuseum Kastell Boiotro: Das neugestaltete Römermuseum Kastell Boiotro präsentiert fast ausschließlich Funde aus Passau. Sie reichen vom Mesolithikum (8. – 6. Jahrtausend v. Chr.) bis zum Ende des Römischen Reiches 476 n. Chr.

  • Regensburg - hist. Museum: Abteilung Vorgeschichte
    In zwei großen Ausstellungssälen bietet die Abteilung Vorgeschichte unter dem Titel "Die prähistorische Oberpfalz" mit ihrem reichhaltigen archäologischen Fundmaterial einen detaillierten Überblick über die regionale Entwicklung von der Altsteinzeit bis zu dem Ende der keltischen Zivilisation. So wird der Bogen vom ältesten Artefakt der Oberpfalz, dem etwa 250.000 Jahre alten Faustkeil von Pösing, bis zu den jüngsten Fundstücken vom Ausgang der Keltenzeit im 1. jahrhundert v. Chr. gespannt. Zu den anschaulichen Gräbern aus verschiedenen Perioden zählt auch der "erste Regensburger" vom Beginn der Jungsteinzeit (um 5500 v.Chr.).

  • Straubing -Gäubodenmuseum: Das Gäubodenmuseum zeigt in drei Räumen in der vorgeschichtlichen Abteilung die Geschichte der Kelten von der Urnenfelder- bis zur Spätlatènezeit. In der Urnenfelderzeit werden Tongefäße zum ersten Mal mit dem für die keltische Zeit so typischen Graphitüberzug bzw. Graphitmagerung versehen. Objekte aus dem Gräberfeld Straubing Sand dokumentierten dies. Neben verschiedenen Grabfunden wird dort auch ein ca. 3000 Jahre alter Brunnen aus Atting gezeigt. Im nächsten Raum wird auf Hallstatt- und Latènezeit eingegangen. Polychrome Hallstattkeramik und eine Gesichtsmaske aus Ton sind genauso wie Objekte aus einem Fürstengrab bei Schambach wichtige Stücke. Daneben werden die typische latènezeitliche graphitierte Keramik und wichtige Metallfunde wie eine kleines Bronzeeimerchen, das von der Levante stammt, dem Besucher vor Augen geführt. Im letzten Raum sind mittellatènezeitliche Grabausstattungen von Kriegern mit kompletten Schwertgürteln und von Damen mit reichen Beigaben zu bestaunen. Am Ende stehen latènezeitliche Keramikdepots aus der großen keltischen Siedlung Sorviodurum, an deren Stelle später das römische Straubing entstanden ist.

  • La Téne - archäologischer Park: Der Park um das Museum am See ist frei zugänglich und bietet zugleich Erholungsraum wie auch Rekonstruktionen von Siedlungsformen und Lebensräumen der Region aus den letzten 15'000 Jahren. Dazu gehören ausgewählte Pflanzen, eine bronzezeitliche Pfahlbausiedlung, eine keltische Brücke, ein Einbaum und ein gallo-römischer Lastkahn. Das Laténium organisiert im Park Demonstrationen alter Handwerkstechniken und führt Versuche der experimentellen Archäologie durch.

  • ...

WurmEiszeitWiederbesiedelung der Region des Donaurandbruches nach den Eiszeiten

Während der letzten Eiszeit in der Region des Donaurandbruches, der Würm-Eiszeit, betrug die Jahresmitteltemparatur - 3°C - zum Vergleich heute etwa 7°C. Zwar war das Donautal i.d.R. gletscherfrei, aber bewohnbar war diese Region vermutlich nicht. Erst in den Jahrtausenden nach Ende der Würmeiszeit vor ca 11.000 Jahren begann Zuzug. So konnten etwa im Gebiet von Oberschending eine beständige Besiedlung archäologisch nachgewiesen werden. Es war bereits vor über 7000 Jahren besiedelt. Neben dem fruchtbaren Boden waren es wohl die Überschaubarkeit der Umgebung und die Nähe zum Wasser des Irlbaches, die die Menschen der Jungsteinzeit dazu bewog, sich hier niederzulassen. Zeugen der Besiedlung sind zahlreiche Funde von Skeletten, Keramikscherben und Hüttenlehm. Aus der Zeit um 4000 v. Chr. wurden zahlreiche Funde im Bereich des Ortes Münchshöfen gemacht, was der Periode den Namen „Münchshöfener Kultur“ erbrachte. Teile der Funde aus dem Gemeindegebiet sind im Gäubodenmuseum Straubing zu besichtigen.

Das keltische Volk

Eine Internetquelle (Liste keltischer Stämme, abgerufen am 9.12.2019) führt 153 'keltische' Stämme auf, darunter die Boier (erst im Gebiet Rhein/Main/Donau, dann Boiohaemum (Böhmen und Norditalien), Hauptort Bononia (Bologna)), die Helvetier (im heutigen schweizerischen Mittelland sowie in Südwestdeutschland), die Taurisker und Vindeliker (am Ostalpenrand, im heutigen Kärnten und Slowenien) u.v.m.

Unter dem Begriff Gallier versteht man übrigens einen Sammelnamen, den Julius Caesar allen Stämmen gegeben hat, die im heutigen Frankreich lebten. Markus Schußmann problematisiert in KiBy S. 10/11 den Begriff der Kelten so: "Wir wissen nicht, ob sich die Bewohner Süddeutschlands in der Hallstatt- oder auch Laténe-Zeit selbst als Kelten ansahen. ... Was Archäologen erfassen können sind Wirtschaftsräume, Handelssysteme, technische Fähigkeiten, Kunstschaffen, religiöse Traditionen und soziale Differenzierungen als Merkmale von "Kulturen". Da die Schnittmenge dieser Merkmale durchaus subjektiv bewertet werden könne, lasse dies einen gewissen Spielraum, wann man erstmals von "Kelten" sprechen könne: Die einen sähen ihre "Entstehung" in der Entwicklung der Laténekunst im 5. Jh. v. Chr., andere mit den Veränderungen durch den mediteranen Einfluss während des 6. Jh. v. Chr.

Schußmann: "Es hat sich eingebürgert, 'Kelten' oder auch 'keltisch' als wissenschaftliche Begriffe aufzufassen."

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Damit sind die vermeintlichen Kelten: "Druiden", "Asterix und Obelix" und "Gallier" der Autoren René Goscinny und Albert Uderzo endgültig modere Kunstfiguren geworden, aber höchst unterhaltsame! Ein Klick auf den Screenshot führt zu "Asterix der Gallier": Viel Spaß - wobei unklar ist, wie lange der Link aktiv sein wird. Aktuell - 28.11.2019 - ist er seit 11.08.2017 im Netz und hatte 1.663.319 Aufrufe!

Übrigens, ein gewisser Dr. Jochen Haberstroh, Hauptkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, problematisiert in ähnlicher Weise in: Germanische Siedlung zwischen Main und Donau den Begriff der "Germanen": "Waren die Germanen eine geschickte Erfindung Roms, so sind die damit aufgemachten und mit ihnen bestrittenen Ausstellungen und Medien eine nicht minder geschickte Erfindung des zeitgenössischen Kulturmarketings und Mediendesigns. Denn: Was für die Germanen gilt, gilt für die allermeisten ethnografisch überlieferten Stammes- und Völkerbezeichnungen in frühgeschichtlicher Zeit. In einer Zeit ohne eigene schriftliche Überlieferung wurden sie zur Projektionsfläche ihrerNachbarn mit schriftlicher Tradition."

 

Was bleibt also vom Begriff der "Kelten"?

Bildschirmfoto 2019 11 28 um 12.30.00Nach Tappert (TpHV S. 23) war wie viele andere Epochen in der Vorgeschichte des Menschen auch das erste Jahrtausend v. Chr. durch bedeutende Umwälzungen geprägt. Ab etwa 500 v. Chr. kam es in Mitteleuropa zu massiven gesellschaftlichen Veränderungen und im Zuge dieser Veränderungen zu bedeutenden Bevölkerungsverschiebungen. Diese Wanderungen waren die Ursache dafür, daß die Zone nördlich der Alpen zum ersten Mal in das Blickfeld der antiken Hochkulturen Südeuropas rückte und die im Norden lebenden Völker zum Gegenstand griechischer und römischer Geschichtsschreibung wurden. Es begann die Zeit der historischen Kelten und Germanen.

Anmerkung: Frau Dr. des. Claudia Tappert erhielt für ihre Ausarbeitung der Dissertation: „Die Gefäßkeramik des laténezeitlichen Siedlungsplatzes Straubing-Bajuwarenstraße“ im Jahr 2015 den Straubinger Hochschulpreis. Inzwischen hat sie zahlreiche Beiträge u.a. zur Geschichte der Kelten veröffentlicht, etwa eine Zusammenfassung des internationalen Kolloquiums "SIEDLUNGSDYNAMIK UND GESELLSCHAFT" zur keltischen Besiedlungsgeschichte im bayerischen Donauraum, Österreich und der Tschechischen Republik vom 2. – 4. März 2006 im Gäubodenmuseum Straubing, veröffentlicht in: JAHRESBERICHT DES HISTORISCHEN VEREINS FÜR STRAUBING UND UMGEBUNG - SONDERBAND 3, herausgegeben von Johannes Prammer, Ruth Sandner und Claudia Tappert, Straubing 2007

HallstattKulturVon "den Kelten" zu sprechen vermeidet also die archäologische Wissenschaft, nur von der "Hallstatt-Kultur" - ca 800 - 500 v. Chr - und von der anschließenden "Laténe-Kultur" bis knapp zur Zeitenwende.

interessante Links: kelten.de von ©2019 Travelwind®  - Keltenmuseum Hochdorf/Enz - ...

'keltisches' Leben und Wohnen

Bildschirmfoto 2019 11 30 um 21.04.23

 

Dieser zweite Kelten-Beitrag soll - im Wesentlichen - mithilfe "Die Kelten in Bayern" (SchuKiBy S. 183 u. 62) von Markus Schußmann Fragen zu Siedlungswesen und -struktur, Kleidung, Essen und Trinken, besonders in der Zeit der Laténe-Kultur, nachgehen. Das Bild nebenan zeigt nach Schußmann typische Haus-Bauten und Kleidung der späten Laténe-Zeit, also so um 100 v. Chr.

Die Fragen:

  1. Wie waren 'keltische' Lebensgemeinschaften zusammengesetzt?
  2. In welchen Größenordnungen waren diese Lebensgemeinschaften organisiert?
  3. Von welchen Ordnungsstrukturen waren sie gekennzeichnet?
  4. Wie ernährten sich "die Kelten"?
  5. Wie sah die Arbeitsteilung der Geschlechter und der Generationen, etwa bei der Beschaffung dieser Nahrung, aus?
  6. Was weiß man über die Sesshaftigkeit bzw. über die Wanderungsbewegungen keltischer Lebensgemeinschaft?
  7. Gab es Konflikte wg. Gebietsansprüchen oder Vormachtsansprüchen innerhalb verschiedener 'keltischer' Stammesverbände?
  8. Wie zuverlässig sind derartige Aussagen, die ja im Wesentlichen aus archäologischen Funden abgeleitet werden oder auf schriftlichen Quellen 'fremder' Völker beruhen?

 

zu a, b und c:
Bei Schußmann kann man lesen, dass die Beantwortung dieser Fragen nach Sozialstruktur und Organisation keltischer Lebensgemeinschaften einerseits auf Ergebnissen der Archäologie, andererseits auf schriftlichen Quellen antiker Schriftsteller, etwa Hekataios von Milet (560 - 480 v. Chr.) oder Platon (428 - 348 v. Chr.) beruhen - teils aus zweiter Hand, als zeitlich parallel zur Hallstatt- und Laténe-Kultur die Hochkultur des antiken Griechenland in voller Blüte stand.

Polybios,ein griechischer Politker und Historiker, charakterisiert die in Oberitalien siedelnden Kelten im 2. Jh. v. Chr. kurz und knapp:
"Ihre Dörfer waren unbefestigt, ihre Häuser ohne weitere Inneneinrichtung. Sie schliefen auf Streu." Nach Schußmann: KiBy S. 53.

Und weil es eben über die Wohnsituationn der Kelten auch schriftliche Aufzeichnung gibt - das Volk der Griechen hatte eine weitgehend einheitliche Schrift und Sprache - könnte man auf die Idee kommen, sich zuerst mal über damalige griechische Verhältnisse zu informieren, etwa bei "MrWissen2go Geschichte". Der Mister scheint ja durchaus ein Experte zu sein, aber dennoch: kritisches Hinterfragen von scheinbar logischen Fakten ist immer angebracht!

 

 Worauf sollte man achten:

  • Ab Minute 1 beginnt sozusagen die zeitliche Parallele des antiken Griechenlandes und der Hallstatt-Kultur. 
  • seine sieben Fakten sollte man sich merken:
    • Hellenen siedeln in Poleis
    • Hellenen haben eine gemeinsame - die griechische - Sprache und Schrift
    • Hellenen haben gemeinsamen Kulturraum
    • Hellenen gründen Kolonien im gesamten Mittelmeerraum
    • Sparta - eher eine untypische Militär-Polis
    • in Athen entstehen demokratische Strukturen
    • der peloponesische Krieg läutet den Untergang des antiken Griechenland ein

Tp1 Herr und FurstenhofeDr. Claudia Tappert (TpHV S 29.) veröffentlicht in ihrem Beitrag "Kelten und Germanen in Straubing" eine Karte "keltischer" Siedlungen, eingeteilt in Herren- und Fürstenhöfe. Ob diese Siedlungen - oder die 'Oppida' entlang des Rheins - irgendwie vergleichbare Größen und Strukturen wie die Poleis der Hellenen hatten? Von Athen weiß man, dass Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus die Polis Athen eine Stadt mit rund 5000 Einwohnern war. In den nächsten hundert Jahren wächst die Bevölkerung der griechischen Metropole rasant an: etwa 40.000 Einwohner leben bereits um 400 vor Christus in der Stadt.


220px Manching oppidum siedlungDas Oppidum Manching hat in seiner Blütezeit in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. seine größte Besiedlungsdichte und Ausdehnung mit einer Fläche von 380 Hektar. Zu dieser Zeit lebten 5.000 bis 10.000 Menschen innerhalb der Stadtmauer. Also: durchaus vergleichbare Größenordnung!


tempxantikeathengjpg100 v gseapremiumxlAllerdings hatten die Athener schon im 4. Jh v. Chr. den Akropolis-Berg mit Steintempelanlagen bebaut, während in Manching in der sog. Zentralfläche zwar auch eine Tempelanlage nachgewiesen werden konnte, ansonsten die 'Häuser' einfache, strohgedeckte Holzhütten waren. Bildquelle: Wikipedia 

"MrWissen2go Geschichte" schildert in seinem Beitrag über Sparta, dass die spartanische Gesellschaft eine strenge Hierarchie geherrscht hat: Vollbürger oder Spartiaten und Periöken (Umwohner) - diese Bevölkerungsgruppe konnten am öff. Leben teilhaben, dann Heloten (Gefangengenommene, leben wie Sklaven) und Sklaven, welche nicht einmal als Menschen galten. Unklar bleibt, wie etwa die Stellung von Frauen und alten Leute war. Die Jugend, besonders die männliche, wurde hart herangenommen, und auf "Disziplin, Diziplin und wieder Disziplin" getrimmt.

Bildschirmfoto 2019 12 04 um 20.25.40Über die Struktur in der  "keltischen Gesellschaft" gibt es wiederum zwei Quellen: sog. Fremdquellen und archäologische Quellen. Letztere lassen durchaus eine vertikale Schichtung erahnen, etwa durch die Grabbeigaben in sog. "Fürstengräbern", oder Grabfunden im Straubinger Stadtgebiet, welche durchaus auf eine Art Gleichberechtigung schließen lassen.

 

 

Sozialstruktur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Furstengrab

Berühmt ist die Grabkammer des "Fürsten" von Hochdorf
(nach James 1996, in: TpHV S. 27 ff) mit reichem Speise- und Trinkgeschirr, die aus dem mediterranen Raum - etruskische Bronzegefäße und griechische Trinkschalen  eingeführt worden waren ... Die "hallstattischen Kelten" hatten also Kontakt zu den mediterranen Kulturen des 5. und 6. Jh v. Chr.

Schußmann entwirft aus den unterschiedlichen oder den auch nicht vorhandenen Grabbeigaben ein Schema einer hallstattzetilichen Sozialpyramide (SchuKiBy S. 195):

 

 

Zusammenfassung a, b, c:

Vielleicht konnte im höchst rudimentären Vergleich von 'hellenischem' zu 'keltischem' Leben und Wohnen ein klein wenig Klarheit in diese längst vergangenen Zeiten gebracht werden: Zwar ist der Blick eines hellenischen Kulturmenschen auf nicht-Griechen nicht wirklich objektiv: 'Kelten' werden als 'raue Burschen' geschildert, etwa bei Diodor, latinisiert Diodorus Siculus, ein antiker griechischer Geschichtsschreiber des späten Hellenismus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.„Sie sind hochgewachsen, mit spielenden Muskeln unter weißer Haut. Das Haar ist nicht nur von Natur aus blond, sondern sie verstärken diese eigentümliche Farbe noch durch künstliche Behandlung. Sie waschen nämlich die Haare immerfort mit Kalkwasser und streichen es von der Stirn rückwärts gegen Scheitel und Nacken, so dass ihr Aussehen dem der Satyrn und Pane gleicht. Die Haare werden von dieser Behandlung immer dicker, so dass sie sich von einer Pferdemähne nicht mehr unterscheiden. Einige von ihnen rasieren sich den Bart ab, andere, v. a. die Vornehmen, lassen sich bei glattgeschabten Wangen einen Schnurrbart stehen, der den ganzen Mund bedeckt und beim Essen wie beim Trinken als ein Seiher wirkt, in welchem Nahrungsteile hängen bleiben." Und weiter: „Gekleidet sind sie, das ist verblüffend, in bunt gefärbte und bestickte Hemden. Dazu tragen sie Hosen, die sie ,bracae' nennen, und Mäntel, welche auf der Schulter von einer Spange festgehalten werden, schwere im Winter, leichte im Sommer. Diese Umhänge sind gestreift oder kariert, wobei die einzelnen Felder dicht beieinander stehen und verschiedene Farben aufweisen." Strabon ergänzt: „Sie tragen kurze Mäntel, lassen das Haar lang wachsen und haben eng anliegende Beinkleider. Statt der Leibröcke aber tragen sie bis zu den Lenden herabreichende Ärmeljacken. Ihre Wolle ist zwar grob, aber langhaarig, und aus dieser weben sie ihre Flausmäntel ... Selbst in den nördlichsten Gegenden halten sie Schafherden mit ziemlich schöner Wolle". Zur Zeit der beginnenden Keltenwanderungen, also 4. Jh. v. Chr., wird rückschauend mehrfach erwähnt, dass die keltischen Krieger nackt, nur angetan mit ihren Waffen und einem goldenen Halsreif, in die Schlacht gezogen seien.

aus: Keltenexkurs in der Universalgeschichte des Diodorus Siculus, teilweise in ansonsten verlorenen Schriften des Poseidonius zusammenfasst, in: Schußmann (KiBy, S. 52 ff)

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Bildschirmfoto 2019 12 05 um 12.58.46Die Wohn- und Lebensgewohnheiten in dem großen Gebiet vom heutigen Schottland bis an den Bosporus, teils auch auf der iberischen Halbinsel und südlich der Alpen - siehe nebenstehende Abb1. in TpHV S. 23 - unterschieden sich sicher deutlich von hellenistischen. Die Gründe hierfür mögen darin liegen, dass es schon vor einigen tausend Jahren - etwa 1600 v. Chr. - eine Hochkultur - die mykenische - gab, welche uns aus etwa 1250 v. Chr. das sog. Löwentor hinterlassen hat. Zwar folgten in Hellas dann die sog. 'Dark Ages' von etwa 1100 - 800 v. Chr. Aber immerhin gabe es schon damals Steinbauten, eine "Schriftsprache" und deshalb eben auch schriftlich überlieferte Mythologie, etwa einer Göttin Namens Artemis.

Bildschirmfoto 2019 12 05 um 14.14.38Ihr Name verweist im mykenischen Griechisch auf a-te-mi-to und a-ti-mi-te, der in Linear B in Pylos gefunden wurde. Ihr Beiname qe-ra-si-ja war zu altgriechisch Therasía (Θερασία) geworden, der vielleicht „Göttin von Thera“ bedeutet. Es wird angenommen, dass eine Vorgängerin von Artemis im minoischen Kreta als Göttin der Berge und der Jagd, Britomartis (Βριτόμαρτις „süße Jungfrau“), verehrt wurde.

Bildschirmfoto 2019 12 05 um 14.56.05Bis in unsere Zeit regt Artemis Maler - zB Peter Paul Rubens - oder Bildhauer oder 3D-Drucker an ...

Warum die "Dark Ages" im heutigen mitteleuropäischen Raum einige tausend Jahre andauerten könnte mit den dort auftretenden Eiszeiten zusammenhängen. Schließlich machte bis etwa 10.000 Jahre v. Chr. die letzte der Eiszeiten, die Würmeiszeit, eine kulturelle Weiterentwicklung des längst zugewanderten homo sapiens sehr schwierig. Im Zweistromland, in Ägypten, im Mittelmeerraum scheint ja eine Vergletscherung nicht stattgefunden zu haben, so dass eine gewissen kulturelle Kontinuität Raum finden konnte. Nördlich der Alpen scheint eine Wiederbesiedlung ja erst im Neolithikum stattgefunden zu haben, weit vor der Hallstattzeit .... 

 

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Die eingangs aufgeführten Fragen d bis h:

d. Wie ernährten sich "die Kelten"?
e. Wie sah die Arbeitsteilung der Geschlechter und der Generationen, etwa bei der Beschaffung von Nahrung, aus?
f. Was weiß man über die Sesshaftigkeit bzw. über die Wanderungsbewegungen keltischer Lebensgemeinschaft?
g. Gab es Konflikte wg. Gebietsansprüchen oder Vormachtsansprüchen innerhalb verschiedener 'keltischer' Stammesverbände?
h. Wie zuverlässig sind derartige Aussagen, die ja im Wesentlichen aus archäologischen Funden abgeleitet werden oder auf schriftlichen Quellen 'fremder' Völker beruhen?

werden - bis auf 'd' - in weiteren Beiträgen behandelt werden.

zu d.: Essen und Trinken

Zu 'Essen & Trinken' gibt es im "Keltendorf" Gabreta im unteren bay. Wald nähe Ringelai durchaus interessante Einblicke in 'keltisches' Leben: Link, aber ganz konkret wird ein gewisser Athenaois, welcher sich auf Schilderungen des Poseidonios beruft:

Er überliefert Einzelheiten der Etikette:
„Die Kelten legen Heu auf den Boden und tragen das Essen auf Holztischen auf, die sich nur wenig über die Erde erheben. Das Essen besteht aus wenig Brot, aber viel Fleisch, in Wasser gekocht und auf Kohlen oder am Spieß gebraten. Sie essen ... mit Löwenappetit, wobei sie mit den Händen ganze Glieder greifen und davon abbeißen. Ist das Abbeißen schwierig, schneiden sie den Bissen mit dem Dolch ab, der in einem besonderen Futteral an der Schwertscheide steckt. Jene Kelten, die an Flüssen oder am Atlantik und am Mittelmeer wohnen, essen auch Fisch, und zwar gebraten, mit Salz, Essig und Kümmel. Letzteren tun sie auch in den Wein. Öl gebrauchen sie nicht, weil sie wenig davon haben und, da es ihnen ungewohnt ist, es als unangenehm empfinden. Essen mehrere zusammen, so sitzen sie im Kreis beieinander, in der Mitte der Tüchtigste sozusagen als Chorführer, der sich von den anderen durch kriegerische Tapferkeit, durch edle Abkunft oder Vermögen auszeichnet. Der Gastgeber sitzt ihm zur Seite, dann der Reihe nach die übrigen nach der Stellung, die sie einnehmen. Hinter ihnen stehen Bewaffnete mit hohen Schilden, während die Leib wächter im Kreise nebenbei sitzen und am Gelage wie die Herren teilhaben. Die Mundschenke bringen den Wein in Gefäßen, die Schnabelbechern ähneln, aus Ton oder Silber. Aus diesem Material sind auch die Servierplatten, doch gibt es auch Tabletts und Körbe aus Holz oder Flechtwerk. Das Getränk ist bei den Reichen importierter Wein aus Italien oder dem Gebiet um Massilia. Getrunken wird er ungemischt, manchmal wird ein wenig Wasser zugesetzt. Bei den Ärmeren ist das Getränk ein Weizenbier, mit Honig gewürzt, die große Menge trinkt es pur. Es wird ,korma' genannt. Sie trinken nur immer kleine Schlucke aus dem gleichen Becher, aber das tun sie oft ...“
Und weiter:
„In früheren Zeiten nahm, wenn die Hinterviertel aufgetragen wurden, der tapferste Held das Schenkelstück, und wenn ein anderer es für sich beanspruchte, standen die bei den auf und kämpften im Zweikampf bis zum Tode.“
Ahnliches kennt auch der Gewährsmann Diodorus, der ihre Gastfreundschaft lobt:
„Sie laden auch Fremde zu ihren Gelagen ein, und erst nach der Mahlzeit fragen sie, wer sie sind und was ihr Begehr ist. Auch geschieht es bei den Gastmählern oft, dass sie aus unbedeutendem Anlass in Wortstreit geraten, der bis zur Herausforderung und zum Zweikampf führt; denn das Sterben achten sie für nichts."
Besonders beeindruckt zeigt er sich aber von den keltischen Trinksitten und der römischen Geschäftstüchtigkeit:
„Weil das Klima viel zu rau ist, gedeihen im Land weder Wein noch Öl, und da nun den Galliern das eine wie das andere fehlt, bereiten sie sich ein Getränk aus Gerste, das so genannte Bier. Außerdem trinken sie Wasser, mit dem sie die Honigwaben ausgespült haben. Dem Wein aber sind sie über die Maßen ergeben und trinken den von Kaufleuten eingeführten Wein unvermischt. Sie trinken ihn in ihrer Gier so reichlich, dass sie berauscht in Schlaf oder wahnsinnsähnliche Zustände verfallen. So dient die gallische Trunksucht der gewöhnlichen Geldgier vieler italischer Kaufleute als willkommenes Bereicherungsmittel. Diese bringen den Wein entweder auf den schiffbaren Flüssen oder über das offene Land auf Wagen herbei und nehmen dafür einen unverschämten Preis. Für einen Krug Wein erhalten sie einen Sklaven zum Tausch - sie geben einen Trunk und erhalten einen Mundschenk dafür."
(SchuKiBy, S. 53/54)

Keltisches Wirtschaften

--- Dieser Beitrag "Kunst und Handwerk" handelt auch von Handel und Wandel, vom Wirtschaften und schließlich auch von Kunst und Musik. ---

Handelswege, Münzwesen, Maßsysteme

Nomadisch lebende Volksgruppen, also etwa Menschen des Neolithikums - der Jungsteinzeit, änderten im Bereich des Donarandbruches ihr Jäger- und Sammlerleben und wurden mehr und mehr sesshaft. So soll der fruchtbare Gäudboden und die fischreichen Gewässer um 6000 v. Chr. dauerhaft von sesshaften Menschen besiedelt gewesen sein. Sesshaftigkeit bedeutet einerseits, dass sich diese Gemeinschaften von regional verfügbaren Lebensmitteln ernähren konnten, dass aber auch Austausch von handwerkliche hergestellten 'Waren' über ein größeres Gebiet - also Handel - zunahm.

HandelswegeHaStaHaD

Für die Kelten etwa der späten Hallstattzeit Ha D um 550 v. Chr konnte Schußmann (SchuKiBy S. 250) nebenstehende Handelswege nachweisen. Eine wohl unverzichtbare Voraussetzung für Handel und Gewerbe ist die Entwicklung eines allgemein akzeptierten Münzwesens. So fanden Archäologen im Oppidum Manching in den 'Regenbogenschüsselchen' die keltische Münze "par excellence":

GoSchussManching

Dieser Fund von 483 Goldstateren ist nach Schußmann (SchuKinBy S. 279 ff) in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:

  • Der Wert eines goldenen Vollstaters - ca 8 Gramm - könnte ein Monatslohn eines Söldners gewesen sein.
  • Statere wurde aber auch zu mehreren Hunderten 'thesauriert', waren also nicht unbedingt geläuffige Zahlungsmittel.
  • Erst in der Latènezeit Lt C2 erfolgte die Stückelung des Statere bis hinzum Zweiundsiebzigstenstatere

Schließlich aber war für Handel und Wandel ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel Voraussetzung, was dann etwa Bernward Ziegaus in "„Boische“ Münzen in Süddeutschland – Fremde Prägungen
mit überregionaler Gültigkeit?" - veröffentlicht in "Boier zwischen Realität und Fiktion
Akten des internationalen Kolloquiums in Český Krumlov vom 14.–16.11.2013" so beschreibt: "Bei den frühesten keltischen Münzen handelt es sich zunächst um imitative Erzeugnisse nach dem Vorbild des Goldstaters Philipps II. (Apollokopf/Zweigespann mit Wagenlenker). Miit ihnen sollte anfänglich vor allem  eine Gleichwertigkeit des importierten und des selbst hergestellten keltischen Geldes erzielt werden.
... Das, was wir als dann als boische Münzen bezeichnen, scheint eine größere Region zu betreffen und nicht nur ein Stammesgebiet. Die von G. Dobesch gewählte Bezeichnung „Mitteleuropäische Boier“, die in den antiken Quellen als Bewohner an vielen verschiedenen Orten genannt werden, beschreibt dieses Phänomen recht gut."

Dr. Michael Nick von der Universität Basel stellt in "Am Ende des Regenbogens - Interpretationsversuche zu Hortfunden mit keltischen Goldmünzen" sehr grundlegende Überlegungen zu Ursachen der Niederlegung von Horten an: Link

Eine Nebenbemerkung: Anscheinend war schon vor mehr als 2000 Jahren eine einheitliche Währung eine gute Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft, etwa durch leitstungsfähige Handwerksbetriebe.

Offensichtlich musste es zu Handel und Wandel auch ein anerkanntes Maßsystem für Münzen und Mengen gegeben haben, deren Messergebnisse sicherlich auch dokumentiert werden mussten. Allerdings hat man bisher kaum verbindliche Maßeinheiten für Längen, Massen und Volumina finden können. Schußmann (SchuKiBy S. 128 ff) erwähnt, dass etwa in Burgweinting oder Manching aus der jüngeren Latènezeit Belege für Waagen, Blei-'Gewichte' und Längenmaßstäbe gefunden werden konnten. Auch ein eisener Griffel aus Manching spricht dafür, dass Messergebnisse "schriftlich" - ledier vermutlich vergänglich auf Wachs - festgehalten worden sind. Doch gilt wohl weiter die Hypothese, dass keltische Stämme keine eigene Schrift entwickelt haben.

'keltisches' Handwerk

Schmiedehandwerk

Der Beginn 'keltischer' Kultur um etwa 800 v. Chr. liegt im Übergang von der Bronzezeit in die Eisenzeit. Obwohl "Eisen" leichter zu schmieden ist als "Bronze", mussten Bergleute und Schmiede schon einiges leisten: Eisen gab es zwar in der Oberpfalz, aber als Eisenerz. Zum Trennen von Erz und Eisen braucht es konstant 1200 °C. Dabei wird nicht etwa Erz geschmolzen, vielmehr wird das Eisenoxid im Erz durch das Kohlenstoffmonoxid im Brennofen zu metallischem Eisen reduziert, und zum Schmieden musste dann das gewonnene Roheisen auf an die 800 °C erhitzt werden. Der Schmelzpunkt von Eisen liegt etwa bei 1500 °C. Aber anstatt vieler Wort hier einfach ein Video mit einem Bergbau-Historiker und einer Gruppe von Schmieden im Keltendorf Landersdorf bei Thalmässing.

Der zweite Versuch brachte den Erfolg, eine Luppe (Eisenschwamm) mit schmiedbarem Eisen:

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Die Schmiedleute der Kelten waren offensichtlich sehr geschickte Handwerker, wie etwa die Herstellung chirurgischer Instrumente sicherlich in Schmiedewerkstätten beweist, andererseits auch sehr kunstfertige Handwerker, ausweislich so mancher schmucken Fibel (SchuKiBy S. 282 u. 325):

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Das Glashandwerk

GlasFundeManching

Grundlage des hallstattischen Glashandwerks waren Rohglasimporte aus der Levante oder Ägypten(!) im 7. Jahrhundert vor Christus. Schwerpunkt der 'keltischen' Glasherstellung dürften im 5. Jh v. Chr. in Slowenien gelegen haben. In der Frühlatènezeit erfanden keltische Handwerker die Herstellung nahtloser Armringe. Details dieses 'Kunsthandwerks' sind bis heute ungeklärt. 

Mühsam war es sicherlich auch, die in Zeiten der Völkerwandung verloren gegangene Technik der Glasherstellung erst im 12. Jh. n. Chr. wieder zu beleben:

"Der Bayerische Wald zählt zu den waldreichsten Mittelgebirgen Deutschlands und bestand noch bis zum 11. Jahrhundert aus Urwald. Das Gebiet wurde zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert vor allem durch die Rodungs- und Urbarmachungstätigkeit der Grafen von Bogen und des Benediktinerklosters Niederalteich besiedelt.

Die Glasherstellung im Bayerischen Wald selbst hat bereits eine Geschichte von sieben Jahrhunderten. Eine der ältesten bayerischen Familien, die heute noch Glas herstellen ist die Familie Freiherr von Poschinger. Bereits 1140 wird der erste Poschinger urkundlich im Bayerischen Wald erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte betrieb die Familie Glashütten in Spiegelhütte, Buchenau, Oberzwieselau und Theresienthal. Das Glashüttengut und die Hütte in Frauenau konnten sich als einzige ihrer Art über Jahrhunderte hinweg erhalten."

Quelle: gobayern

 

Töpferhandwerk

MunchshKulturSesshaftigkeit bringt sicher den Zwang zu einer gewissen Vorratshaltung mit sich. So ist es nicht verwunderlich, dass schon die jungzeitlichen Siedler des Donaubruches uns tönerne Töpfe hinterlassen haben. In Fachkreisen ist die 'Münchshöfener Kultur' berühmt, welche jüngst - 12/2019 - das Dorf Münchshöfen, Gemeinde Straßkirchen, Landkreis Straubing-Bogen sogar in einem kleinen Museum präsentiert.

HallstKerMdorfEinige tausend Jahre später - Münchshöfer K ca 4000 v. Chr bis 1000 v. Chr - führen 'hallstatter Kelten' das Töpferhandwerk nördlich der Alpen in der Hallstatt-Kultur ab 800 v. Chr. zu einer ersten Blüte, die allerdings nach Schußmann (SchuKiBy S. 313) in der späten Hallstattzeit einen Niedergang erlebte.

Doch blieben wohl die handwerklichen Fähigkeiten bis in die Frühlatènezeit erhalten und insbesonders die Verbreitung der schnell rotierenden Töpferscheibe schuf gestalterische Möglichkeiten, bestens geeignet für intensiven Handel und damit wohl auch Möglichkeiten für 'Kunst'-Handwerker, zu einem gewissen Reichtum zu kommen.

TopferwareManchingSchußmann beschreibt in Kelten in Bayern (SchuKiBy S. 315) einen sog. Kuppelofen:

"Während das im Hauswerk erzeugte Geschirr bis in die Latènezeit hinein mit den seit Jahrtausenden bewährten und ohne größeren Aufwand zu bewerkstelligenden Methoden des offenen Feldbrandes, des Meiler- oder Grubenbrandes gebrannt wurde, sind seit der späten Urnenfelderzeit auch eigens errichte te Töpferöfen überliefert. Aus Bayern kennt man sie z. B. aus dem Altmühltal oder auch vom Hesselberg. Am besten erhalten und dokumentiert ist jedoch ein Ofenbefund, der im Winter 1975/76 beim Autobahnbau am Elchinger Kreuz nahe Neu-Ulm freigelegt werden konnte (Abb. 405). Es handelt sich um einen runden, freistehenden Kuppelofen, dessen Basis aus dem anstehenden Lösslehm herausgearbeitet worden war.

Kuppelofen

Darüber hatte man aus Rutenflechtwerk und Lehm eine nur 5 cm dicke Kuppel aufgebaut. Die Befeuerung erfolgte durch vier Schürlöcher, welche sich kreuzweise gegenüberlagen, doch waren diese nicht alle gleichzeitig, sondern je nach Windrichtung jeweils zwei sich gegenüberliegende Offnungen benutzt worden. Der Feuerungsraum, auch Hölle genannt, war zur Isolation unten mit dicken Gefäßscherben ausgelegt worden. Oben schloss ihn eine 5 cm starke Lochtenne aus Lehm mit rund 1 m Durchmesser ab. Sie diente als Boden der Brennkammer, durch deren zahlreiche Löcher die Hitze strömen konnte."

Leder- und Textilhandwerk

Diese beiden Handwerksarten, wie auch die verschiedenen Holzhandwerke haben naturgemäß für Archäologen kaum Spuren hinterlassen: Leder, Stoffe und Holz hinterlässt in den Bodenschichten höchstens dunkle Spuren, Rekontruktionen sind eher Modelle der Art: 'So könnt' es gewesen sein'. Einzig metallene Werkzeuge oder etwa einem Webstuhl zuordenbare Tongewichte zeugen von diesen Handwerksbetrieben, wie eben auch von Zimmereibetrieben für den Hausbau, Wagnereibetrieben für den Fuhrwerksbau usw. (SchuKiBy S. 321 f) 

Landwirtschaft

Mahlstein

 

Eigentlich ordnen wir 'Landwirtschaft' nicht unter "Handwerksbetrieb" ein, aber ganz sicher wurde die von der Landwirtschaft erzeugte Nahrung fast ausschießlich in Handarbeit hergestellt. Dabei waren die in der Eisenzeit hergestellten eisernen Pflugscharen gegenüber solche aus Bronze sicher in der Bodenbearbeitung von Vorteil, ebenso eiserne Sicheln aus der späten Hallstattzeit. Die damit eingebrachte Getreideernte wurde aber nicht zu Müllereibetrieben gebracht sondern 'im Haus' gelagert und auch vermahlen. In der keltischen Landwirschaft wurden lt Schußmann bereits Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferd gehalten, teils als Zugtier, teils als Nahrungsquelle. Das Schlachtender der Tiere erfolgte in ländlichen Gebieten sicherlich auch beim Haus im Dorf, in größeren Oppida vielleicht auch bereits von Wandermetzgern. (SchuKiBy S. 276 ff) Auch Hunde konnten in keltischen Siedlungen nachgewiesen werden.

 Kunst, auch Kunsthandwerk, Kultur

Nach Schußmann (SchuKiB S. 332) ist uns "zur Beurteilung des keltischen Kunstschaffens Erzeugnisse des Handwerks". Dabei soll nicht übersehen werden, dass das,"was Kunst sei", durch alle Zeiten umstritten war und bleiben wird: Versteht der 'Kunst schaffende' seine Tätigkeit als künstlerisch? Und: Begreift der Kunst-Konsument das Geschaffene auch tatsächlich als 'Kunst'?

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In diesem Beitrag wird diese Frage nicht geklärt werden können, vielmehr soll obige Bildstrecke einige der handwerklichen Erzeugnisse zeigen, welche ganz sicher weit über ihre Gebrauchsfunktion hinaus hergestellt worden sind. Leider gibt es wohl keine Möglichkeit, literarische oder musikalische keltische Werke erlebar zu machen, auch wenn manche aus schottischer Volks-Musik 'Keltisches' heraushören oder so manche Mythenerzählungen durchaus auf keltische Sagen zurückgehen mögen. 

Nebenstehendes Video mit gut einer Stunde "Entspannungsmusik" wird im Text so beschrieben:
"Die keltische Musik ist eine umfangreiche Musikgattung, die als Volksmusik eingestuft wird und aus musikalischer Tradition der keltischen Völker hergeleitet wird, die hauptsächlich das Gebiet von heutigem Irland, Wales, Schottland, England, Bretagne, Galicien und Asturien bewohnten. Die heutige keltische Musik ist meistens Nachahmung der irischen und schottländischen Volksmusik, die manchmal mit Shantys durchsetzt wird. Eines der bekanntesten Musikstücke, die zu dieser Gattung zählen, ist die irische Volksmelodie "Whiskey in the Jar".

Entspannungsmusik kann in Verbindung mit Waldgeräuschen eine ruhige Atmosphäre schaffen, insbesondere wenn man unter einem hohen Stress steht. Zögern Sie bitte nicht, sich für einen Augenblick an einen bequemen Platz zu setzen, die Augen zu schließen und dank unserer Musik sich für eine Zeitlang von unangenehmen Gedanken loszureißen. Das Rauschen des fließenden Wassers, feine Regengeräusche und Vogelgesang helfen bei der Entspannung einer sogar am meisten ermüdeten Seele. Vergessen Sie nicht, dass die Wiederherstellung des Geistes genauso wichtig wie die Regeneration des Körpers ist."

Leider bleibt während der ganzen Stunde Musik der Komponist - falls es ihn überhaupt gibt (bei 'Volksmusik' ja eher nicht) - sowie die Ausführende ebenso im Dunklen wie die Beantwortung der Frage, ob Kelten überhaupt musiziert haben. Schußmann zeigt auf 30 Seiten "Kunst" in SchuKiBy m. W. kein einziges Musikinstrument ...


Nibelungenmuseum Aussenansicht Foto Stefan Blume 2 fb5e8488547c63cg34c53aad7dd5980bSollte jemand auf die Idee kommen, die - germanischen - Nibelungensagen auf keltische Sagen gründen zu wollen, so wird er den Nachweis wohl auf ewig schuldig bleiben müssen, handelt es sich bei den Nibelungensagen wohl um mittelalterliche Dichtung, und zwischen dem Verschwinden der Kelten und dem europäischen Mittelalter liegen einige Jahrhunderte und die Wirren der Völkerwanderung.

Cay Rademacher schreibt in GeoEpoche - Das Magazin für Geschichte - Link - über diese Saga: "Das Nibelungenlied wurde 1200 verfasst und scheint ein grausames Märchen zu sein. Und doch verbirgt sich hinter der Sage eine wahre Geschichte - vom Untergang zweier Germanenreiche".

Wer sich für die Nibelungensage wirklich interessiert müsste eigentlich nach Worms fahren: Link, aber dies wäre ein anderes Thema, auch wegen der Donaustadt Plattling mit seinen im zweijährigen Turnus stattfindenden Nibelungenfestspiele - 2020 .

Keltischer Krieger mit Speer beim Angriff macht Kriegsschrei lebensechte Figur"Sie schlugen ihnen die Köpfe ab und ..." - Mit dem lebensgroßen keltischen Krieger wirbt das Keltenmuseum im Sazburger Land. Dahinter stehen Schilderungen römischer Geschichtsschreiber, die sie bei der Eroberung keltischer Siedlungsgebiete um 15 v. Chr. wohl erlebt hatten: "Die Kelten schlugen ihren Feinden die Köpfe ab und hielten inmitten brennender Opferkörper Gelage ab."

Aber: Waren 'die Kelten' wirklich ein so grausames und kriegerisches Volk? Schußmann schreibt in seinem Kapitel: Kriegshandwerk und Bewaffnung 

berittKrieger"Die Kelten waren berüchtigte, gefürchtete Krieger und als solche erscheinen sie bei den Autoren der Antike (Abb. 57). Etliche bewaffnete Konflikte dieser „Barbaren" mit Griechen und Römern fanden daher in der Geschichtsschreibung nicht bloß Erwähnung, sondern wurden aufgrund der ungewohnten Bewaffnung, eigenwilliger Kampfstrategien und bisweilen befremdlichen, mit Ritualen verbundenen Kampfesweise im Detail geschildert. Ihre kriegerische Einstellung charakterisiert Strabon folgendermaßen: „Das Volk, das man jetzt gallisch oder galatisch nennt, ist in der Gesamtheit kriegswütig und hitzig und rasch beim Kampf, doch im übrigen aufrichtig und nicht bösartig. Wenn man sie reizt, findet man sie gleich bereit zum Kampf, obgleich sie außer Kraft und Kühnheit keine Eigenschaften besitzen, die ihnen im Kampf förderlich wäre.“ Besonders anschaulich wurde dies bei den sog. Gaesaten, einer nackt in den Kampf ziehenden „Spezialtruppe“, von der Polybios berichtet, sie stürzten sich „in ohnmächtiger Wut wie wild auf den Gegner und gaben ihr Leben hin“, wenn sie von Wurfspeeren getroffen wurden. Ähnliches vermerkt auch Diodorus: „die meisten von ihnen verachten den Tod in solchem Maße, dass sie sich ohne Panzer, nur geqürtet (mit einem Schild als einzigem Schutz) in die Schlacht stürzen.“ Wohl aufgrund solchen Gebarens waren sie für Livius ein „... unbekannter Gegner, der von den Küsten des Ozeans und von den letzten Grenzen der Welt den Krieg nach Italien brachte“. Mehrfach wird erwähnt, dass der Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod bei ihnen bis zur Todesverachtung führte und zu furchtlosen Kriegern machte. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch andere Verhaltensweisen und ein bestimmtes Auftreten in der Schlacht – wie etwa die Nacktheit - auf religiöse oder magische Vorstellungen zurückgeführt werden können. In anderen religiösen Traditionen stehend und auch militärisch grundlegend anders organisiert, musste solches Verhalten den Gegnern freilich fremd und barbarisch erscheinen - insbesondere natürlich der keltische Kult um Schädeltrophäen." (SchuKiBy S. 63)

KeltenInEuropaVielleicht ist es aber doch lohnenswert, mit einem unverstellten Blick die Menschen dieses fast tausendjährigen Zeitraums zu betrachten, auch wenn die Archäologie eine riesige Anzahl von Dolchen, Schwertern,  Lanzen, Pfeil und Bogen, Schilde, Helme, Panzer und auch Streitwagen finden und teils auch rekonstruieren konnte:

Das 'keltische Volk' besiedelte einen Raum, den wir nach heutigen Begriffen als EU-Raum beschreiben könnten: vom Westen (Irland, Schottland) bis in den Osten (über den  Bosporus hinaus - Galater), vom Norden (norddeutsche Tiefebene bis zu den dortigen germanischen Völkern) bis in den Süden (Portugal, Norditalien).
In diesem weiten Gebiet trieben die einzelnen 'Stämme' - Schußmann will eigentlich nicht vom 'keltischen Volk' reden - intensiven Handel. Mit Wüstlingen, Barbaren, kriegslüsteren Burschen, "Halsabschneidern" - s.o. - wollte man damals und will man auch heute eigentlich nichts zu tun haben. Also kann man mal vermuten, dass manches Scharmützel mit Landbesetzern - z.B. den Römern, welche um 15 v. Chr. nördlich der Alpen einfielen - Verteidigung der "Heimat" war. Auch der Klimasturz um 400 v. Chr. zwang keltische Stämme zum Verlassen ihrer angestammten Siedlungsgebiete. Sie machten sich einfach auf die Suche nach kultuvierbarem Land. Archäologische Funde belegen (SchuKiBy S. 37), dass "Kontakte zwischen Kelten und Einheimischen nicht immer nur aus blutigen kriegerischen Auseinandersetzungen bestanden, wie sie von antiken Autoren geschildert werden. Vielmehr vermochten Alteingesessene und Neuankömmlinge durchaus, nebeneinander zu leben und sich kulturell auszutauschen." //Hört, hört!//

Auch aus diesem Blickwinkel heraus ist sehr zu bedauern, dass es 'Die Kelten' nicht zu einer eigenständigen Geschichtsschreibung gebracht haben. Dieses Bedauern gilt auch dem Aspekt, dass überlieferte Sagen und andere literarische Werke einen tieferen Blick auf dieses doch sehr geheimnisvolle Volk ermöglichen würden.

Links: Keltendorf Gabreta bei Ringelai/bay. Wald - Keltenmuseum Salzburg - höchst fragwürdig: keltisches Krieger-Armband - ...

Bildschirmfoto 2019 12 21 um 15.11.58Schon in der Frühzeit der Homininen konnten kultische Praktiken nachgewiesen werden. So ist nur zu verständlich, dass - hunderttausende von Jahren später - keltische Stämme auch zumindest bei der Bestattung ihrer Toten auf das "Jenseits" gerichtete Vorstellungen zur Tradition werden ließen. Sicherlich hatten aber jenseitige Vorstellungen auch Einfluss auf "Fest und Feier": Knochenflöte in der Gudenushöhle, weit vor keltischen Zeiten niedergelegt.

Besonders prächtig wurde der 'Keltenfürst' von Hochdorf bestattet:

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In diesem Beitrag - geschrieben um Weihnachten 2019 -  soll also sowohl kultischen Feiern nachgespürt werden als auch Jenseitsvorstellung und vielleicht sogar ein 'Götterhimmel' gesucht werden:

  • 12.000 Jahre Weihnachten:
    Sicherlich provoziert Gerald Huber mit diesem Buchtitel, wurde Christus doch erst vor gut 2000 Jahren geboren. Wer feierte damals also Weihnachten? Die Kelten sicher auch nicht, denn die Christianisierung des Abendlandes erfolgte ja noch später, vielleicht vor gut 1000 Jahren! Doch der Historiker Gerald Huber weiß, was er schreibt: Etwa 10.000 Jahre vor Christi Geburt lernten die aus dem Vorderen Orient zugewanderten Jäger und Sammler in der neolithischen Revolution Ackerbau und wurden etwa in Anatolien sesshaft. In Göbelki Tepe wurde nach der am verbreitetsten Hypothese ein steinzeitliches Bergheiligtum freigelegt.
    Sicher weit vor dem Herstellungszeit etwa 2000 v. Chr. der Himmelsscheibe von Nebra konnten kundige Menschen den Lauf der Sonne vorhersagen und somit zur Wintersonnenwende die Wiedergeburt des Sonnenlichts feiern. Gut tausend Jahre später war dieses Wissen in der Region der Kelten sicher noch bekannt. Also gab es - so ist zu vermuten - in den Tagen der längsten Nacht und des kürzesten Tages ein keltisches Tag- und Nacht-Weihefest. Dieses Fest wird besonders in nordischen Ländern heute noch als YUL-Fest gefeiert. Laut Wilhelm Mannhardt (1831-1880, dt. Volkskundler, Mythologe und Bibliothekar), einem der Begründer der modernen Mythenforschung, wurde „bei der Einführung des Christenthums unter allen deutschen Stämmen das Julfest mit dem Christfeste vertauscht“ und mit dem Inhalt der neuen Religion erfüllt, wobei sich viele heidnische Festbräuche erhielten. Aber ursprünglich feierte das YUL-Fest ganz sicher das Wiedererscheinen der Sonne nach sonnenlosen Tagen nördlich des Polarkreises. Vgl. Gerald Huber: 12.000 Jahre Weihnachten, S. 24, 26, 30 uvam - oder: Link, BR-Video verfügbar bis: 27.11.2020 ∙ 10:10 Uhr

  • Schußmann bemüht sich in seinem Kapitel "Religion" (SchuKiBy S. 364ff) kenntnisreich, keltisches 'religiöses' Brauchtum aus archäologischen Befunden - obwohl relativ dünn gesät -  herauszulesen:
    • Die bei Neuburg a. d. Donau und am Osterstein bei Finningen freigelegten Brandopferplätze haben in der Bronze- und Urnenfelderzeit wohl größere Bedeutung gehabt. Schußmann zitiert K. Spindler:
      "Die frühen Kelten übernahmen die Rituale von ihren Altvorderen und übten Bräuche nach überkommener Sitte aus ... Die jeweils exponierte Lage der Opferstellen wie auch die Übergbe der Spenden im emporsteigenden Flammenrauch weisen auf eine Verehrung überirdischer, himmlischer Götter hin." Geopfert wurden wohl auch ausgewählte Tiere, vielleicht auch Menschen.
    • Bisweilen können auch sogenannte Scherbentrümmerplätze freigelegt werden. Dabei handelt es sich um dichte Scherbenpflaster oder Scherbenpackungen mit oft auffällig klein zerscherbter Keramik.
    • "Am meisten über religiöse Vorstellungen der Hallstattzeit verraten uns die Bestattungs- und Beigabensitten. ... Bestimmend war hier zuerst der Glaube an das Weiterleben der Verstorbenen in einer jenseitigen Welt. Wie auch immer man sich diese vorstellte und ob man eine Totenreise dorthin für nötig erachtete – der Darstellung der sozialen Stellung maß man höchste Priorität bei. Durch die umfänglichen Grabbeigaben und aufwändigen Grabhügelmonumente kennzeichnete man die Toten auf der einen Seite als Krieger oder reiche Damen, als prestigeträchtige Wagenfahrer oder auch als Gastgeber, deren Einfluss sich am Umfang des Speise- und Trankservices ablesen ließ und auf der anderen Seite durch einfache, beigabenarme oder -lose Bestattungen als abhängige oder minder begüterte Personen mit einer untergeordneten sozialen Position. Gleichzeitig könnten Speise- und Wagenbeigabe aber auch als Wegzehrung und Transport mittel für die Reise ins Jenseits aufgefasst worden sein. Ungeachtet dessen verdeutlicht das Vorkommen von Brand- und Körperbestattungen, dass man sich die neue jenseitige Existenz auch in anderen physischen Erscheinungsformen vorstellen konnte. Man fühlt sich unmittelbar an die freilich nicht zeitgenössischen Überlieferungen des Diodorus Siculus erin nert, der berichtet, dass die Kelten an die Unsterblichkeit der Seele und an eine spätere Wiedergeburt glaubten." (SchuKiBy S. 366)
    • Der keltische Götterhimmel ist im Wesentlichen aus römischen Quellen überliefert: "Den Großteil des umfangreichen keltischen Pantheons werden sicherlich Gottheiten mit lokaler oder vielleicht auch regionaler Bedeutung und Bekanntheit ausgemacht haben. Einigen kam jedoch auch allgemeine Verehrung zu. „Alle Gallier rühmen sich von Dis Pater abzustammen und sagen, dies sei ihnen von den Druiden überliefert wor den ... Von den Göttern verehren sie am meisten Merkur. Von ihm gibt es die meisten Bilder, ihn hält man für den Erfinder aller Künste und einen Führer auf Wegen und Reisen. Man glaubt, er habe in Geld- und Handelsangelegenheiten den größten Einfluss. Nach ihm kommen Apollo, Mars, Jupiter und Minerva. Von diesen haben sie fast dieselbe Auffassung wie andere Völker: Apollo vertreibe Krankheiten, Minerva lehre die Anfänge des Handwerks und der Künste, Jupiter habe die Herrschaft über die Himmel, und Mars lenke die Kriege“, fasst Caesar zusammen, leider aber ohne die einheimischen Namen zu überliefern. Daher wird Dis Pater von verschiedenen Forschern mit den keltischen Gottheiten Taranis, Sucellos oder auch Cernunnos gleichgesetzt, Merkur und ebenso Mars mit Teutates oder Esus sowie Apollo u. a. mit Grannus und zahlreichen Lokalgottheiten. Diese Uneindeutigkeit hat ihre Ursache sicherlich nicht nur in der widersprüchlichen Quellenlage, sondern auch in den variierenden Aspekten und Zu ständigkeiten keltischer Gottheiten, denen die knappe Aufzählung Caesars sicherlich nicht gerecht wird. Keltische Gottheiten wurden häufig als Götterpaare verehrt, wodurch ihre zentrale Rolle als Spender der Fruchtbarkeit unterstrichen wird." (SchuKiBy S. 379)
      Die Webseite: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_keltischer_Götter_und_Sagengestalten benennt für das Festland-Celtikum mehr als 100 männliche Gottheiten, u. a. für Noricum und Ost-Celtikum:
      Latobius (Heil-, Hirten- und Totengott), Adsalluta (Flussgöttin, Göttin der Stromschnellen), Noreia (Mutter-, Bergbau- und Landesgöttin), Vibes (Quellgottheiten), Danuvius (Flussgottheit), Bussumarius (Sonnen- und Stammesgottheit).

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Eigentlich beschreibt der Titel "Untergang der Kelten" die geschichtlichen Vorgänge nicht korrekt. Man sollte eher von Transformation oder Assimilierung schreiben. Also reden nicht mehr vom "Untergang der keltischen Kultur" sonder beschreiben, was so etwa von 200 v. Chr. bis 300 n.Chr. passiert ist. Ausgangspunkt ist die Besiedlung eines großen Gebietes in der frühen Latène-Zeit: siehe Graphik, Quelle : Keltenmuseum Hochdorf

Die verschiedenen Pfeile zeugen von von regen Wanderungen und Landnahmen sowie Einfluss der Kelten bis ins 1. vorchristliche Jahrhundert.

Bildschirmfoto 2019 12 22 um 15.13.35Als Gegenbewegung kann man die Ausbreitung des römischen Reiches über die Alpen hinweg nach Norden verstehen. Auch wenn die Eroberung etwa von Raetia im Jahr 15 v. Chr. durch seine Adoptivsöhne Drusus und Tiberius sicher ein kriegerischer Akt war, so wurde doch die einhemische keltische Bevölkerung nicht vertrieben, vielmehr arrangierte sie sich und eignete sich Aspekte durchaus vorteilhafter römischer Kultur an. 

MartbergIn den von den Römern eroberten Gebieten verschmolzen also nach der Zeitenwende mit zunehmender Romanisierung keltische und römische Kulturelemente zur relativ eigenständigen gallorömischen Kultur im Westen und der norisch-pannonischen Kultur im Osten.

Schon im 19. Jahrhundert wurde bekannt, dass sich auf dem Martberg im Pommern eine keltisch-römische Tempelanlage befand. Frühe Funde, die zum Teil heute im Landesmuseum Bonn oder im Landesmuseum Koblenz sind, belegten dies.

Nach dem Rückzug der Römer um 250 n. Chr. - (um 213 lässt Caracalla in Raetien die "Teufelsmauer", den steinernen Limes, gegen die Alamannen errichten - ca. 233 durchbrechen die Alamannen den obergermanischen Limes - 235 warnt die keltische Druidin Kaiser Alexander Severus, seinen Soldaten zu vertrauen und vor Hoffnung auf einen Sieg - 257 stürmen Germanische Stämme gegen den Limes und durchbrechen seine Schutzwirkung - ca. 260 geben die Römer den Limes auf) - 'erobern' germanische Stämme auch keltisches Land. 

Mit diesem Einsetzen von Einfällen germanischer Stämme in die nordalpinen Provinzen des Römischen Reiches ab Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. verdrängen östlich des Rheins und südlich der Donau germanische Einflüsse mehr und mehr die gallorömische und norisch-pannonische Kultur. Durch die nachfolgende weitgehende Übertragung der Verteidigung der nördlichen Reichsgrenze des Imperiums an germanische Söldner, die schrittweise Evakuierung der norisch-pannonischen Bevölkerung Richtung Italien und Byzanz sowie die zunehmende Ausbreitung germanischer Stämme bis nach Italien, Spanien und über die Grenzen des oströmischen Reiches hinaus geht noch vor dem Ende des weströmischen Reiches 476 n. Chr. die norisch-pannonische Kultur weitgehend in der Kultur der von Norden vorrückenden Germanenstämme auf. Im Bereich der Provinz Pannonien können sich letzte Reste der norisch-pannonischen Kultur noch für wenige Jahre erhalten, verschwinden jedoch spätestens zu Beginn des 5. Jahrhunderts mit der endgültigen Einnahme der römischen Provinz Pannonien durch die Hunnen.

Seit dem 3. Jahrhundert waren nördlich dieser Linie fränkische Gruppen angesiedelt worden, deren Oberhäupter nach und nach Führungspositionen im spätrömischen Heer einnahmen. Es folgten Einwanderungen fränkischer Familien in die gallorömischen, jetzt romanisch genannten Gebiete, die wahrscheinlich mehr und mehr die Oberschicht bildeten, die einheimische Bevölkerung aber nur überlagerten, nicht verdrängten. Nach dem Ende des weströmischen Reiches konnten die fränkischen Könige, die sich in der Nachfolge des Römischen Reiches sahen, am Rhein und in Gallien auf die von Gallo-Römern (Romanen) getragenen lokalen und regionalen Verwaltungsstrukturen, die teilweise noch funktionierten, zurückgreifen. Im Westen wurden die fränkischen Neusiedler nach und nach romanisiert, während im Osten bis zum Rhein die romanische, im Ursprung gallorömische Bevölkerung in den folgenden zwei Jahrhunderten zunehmend germanisiert wurde, also die Sitten und Sprache der zugezogenen Franken mehr und mehr übernahm. Das in römischer Zeit eingeführte Christentum überstand in den meisten Regionen südlich der oben genannten Linie den Kulturwandel. Letzte Reste der gallorömischen Kultur hielten sich in der Moselregion durch sprachliche Sonderformen und Sitten bis ins Hochmittelalter.

Quelle: Wikipedia