Kelten-Route

Nach der sog. Römer-Route von Weißenburg bis Enns steht nun eine Beitragsserie über die Besiedlung des 'Donaurandbruches' durch Kelten an. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaften spricht man ab 800 v. Chr. von der Hallstatt-Kultur der Kelten, ab 500 v. Chr. von der Laténe-Kultur. Um 300 n. Chr. beginnt mit dem Rückzug der Römer zum Beispiel aus Rätien und dem Vordringen germanischen Stämme aus dem Norden und Osten ein gewisser Abwanderungsdruck nach Süden, aber längst haben 'keltische' und 'römische' Kultur begonnen sich zu vermischen. 
HallstattKultur
Die sog. Hallstatt-Kultur ist in vielen Museen des Donauraums sehr gut dokumentiert. Der Zeitraum dieser 'Hochkultur' wird in etwa von 800 v. Chr. bis 500 v. Chr. eingegrenzt, also eine Zeit, in der Rom 'schlüpft aus dem Ei - 753' und in der Griechenlands Demokratie um 500 v. Chr. in höchster Blüte stand. Quellen über die Kultur der Kelten sind also antike Schriftsteller wie etwa Hekataions von Milet, Herodot oder der spätrömische Dichter Avienus. Doch meistens sind nur Sekundärquellen überliefert, eigene schriftliche Quellen der Kelten sind nicht bekannt, vielleicht auch nicht entstanden. (nach M. Schußmann)
Woher die Kelten stammen ist wohl ebenso im Dunkel der Geschichte verborgen, denn immerhin wanderte der homo sapiens ein paar zehntausend Jahre schon die Donau aufwärts: Venus von Willendorf - um 30.000 Jahre alt! Siehe auch den RePaLi-Beitrag zur "jüngeren Besiedlungsgeschichte des Donaurandbruches" in 'Mensch-Besiedlung'. Gesichert ist die Besiedlung des Donauraums mindestens aus der sog. Steinzeit und der Bronzezeit:

"Fundstücke aus dem gesamten Donauraum weisen auf erste bäuerliche Besiedlung vor ca. 10.000 Jahren hin. Seit dem Beginn der Jungsteinzeit vor etwa 6.000 Jahren sind das Donautal und die Hochterrasse des Gäubodens dauerhaft besiedelt. Während Ackerbau auf trockenen, höheren Lagen vorherrschte wurde in den feuchten Niederungen Rinder- oder Pferdehaltung betrieben. Auf den hochwasserfreien Isarterrassen in Enzkofen, aber auch auf dem Natternberg bei Deggendorf, bestanden vor mehr als 6.000 Jahren Siedlungen einer Kultur, deren Merkmal die "Linearbandkeramik" war. Bei Aiterhofen/Ödmühle nahe Straubing konnte der größte Friedhof der frühen Jungsteinzeit ausgegraben werden. Um 2.000 v. Chr. war der Bogenberg ein mit kilometerlangen Erdwällen befestigter Stützpunkt der Bronzezeitleute. Die eindringenden Kelten, die das Eisen brachten, ließen sich auch in den Hanglagen des Vorwaldes nieder, sie schufen dort bis heute bestehende Siedlungen." (Quelle: Hinweistafel auf dem Grandsberg unterhalb des Hirschensteins)

Mit Mitteln der Archäologie gelingt es einen differenzierten Blick auf den Stamm der Kelten, die das "Eisen brachen", zu gewinnen. Diesen Spuren will diese "Kelten-Route" folgen. Und zwar dadurch, dass einerseits unter den Links "Besiedlung, Leben und Wohnen, Krieg und Frieden, Kunst und Handwerk, Untergang", andererseits in den aufgeführten Museen nur die "Keltenabteilungen" ins Visier genommen werden. Der Interessent kann sich also hier in RePaLi und konkret auf Schiene und Straße auf den Weg machen und in einer längeren Museumstour den keltischen Spuren links und rechts des Donaustromes nachspürt.

Als Quellen finden Verwendung etwa: Markus Schußmann - Die Kelten in Bayern, Verlag Friedrich Pustet 2019, Claudia Tappert - KELTEN UND GERMANEN IN STRAUBING in: Jahrbericht 106 Hist. Verein Straubing, Beiträge aus Wikipedia u.v.a.m. Bei konkreten Text- und Bildübernahmen wird nach üblichen Gepflogenheiten zitert.

Der Aufbau dieser Beitragsserie folgt also nur teilweise dem der Römer-Route - in einer Google-Karte sind einzelne Orte markiert und mit Kurzbeiträgen versehen, Links führen dann zu ausführlichen RePaLi-Beiträgen - 'unnamed locations' führen zu Kurzbeiträgen zu "Besiedlung, Leben und Wohnen, Kunst und Handwerk, Krieg und Frieden, Totenkult und Untergang" sowie zu einer Zeittabelle (grauer Hotspot).

Die Kelten-"Route" bezieht ihre Informationen ausführlichst aus archäologischen Papers, wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Infomaterial spezieller Museen und natürlich aus Wikipedia. Falls mehrfach zitiert wird die Quelle mit Kürzel und Seite(n) angegeben, ansonsten bei der Zitation.

Hier also die Namens-Liste incl. Kürzel, welche ggf. ergänzt werden wird:

Schußmann, Dr. habil. Markus: Die Kelten in Bayern  - Archäologie und Geschichte, Pustet Regensburg, 2019 (SchuKinBy) bzw. (KiBy)

Tappert, Dr. Claudia: Kelten und Germanen in Straubing - in: Jahresbericht 106/2004 des Historischen Vereins Straubing, (TpHV) oder (Tp ...)

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Zeittafel (Quelle: https://istros-keltoi.de/ - abgerufen, formatiert und ergänzt am 6. 12. 2019 von pk)

seit etwa 7000 v. Chr. andauernde Besiedelung des Donauraumes nach der Würmeiszeit
um 1200 v. Chr. mykenische Hochkultur auf der Pelopennes
ca 1100 - 800 v. Chr. "Dark Ages" des antiken Griechenlandes
ca 800 - 300 v. Chr. antikes Griechenland 
ca 8. Jh v. Chr. bis 5. Jh n. Chr. römisches Reich
730 – 480/ 450 v. Chr. Hallstattkultur in einem Gebietsstreifen nördlich der Alpen von Ostfrankreich bis nach Ungarn
Um 600 v. Chr. Gründung der griechischen Kolonie Massilia (d. heutige Marseille); Handel mit keltischen Stämmen - griechische Erzeugnisse gelangen bis Mitteleuropa - Ende 6 Jh. V. Chr. erste Erwähnung der Kelten durch Hekataios v. Milet
Um 500 v. Chr. Intensive Handelskontakte der Etrusker mit den Stämmen nördlich der Alpen
Um 470 – 450 v. Chr. Erstes Auftreten des La Tène Stiles im Mittelrheingebiet, etwa gleichzeitig auch im östlichen Früh-La Tène- Bereich (Böhmen, Oberpfalz, nördliches Österreich)
Um 450 v. Chr. Erwähnung der Kelten bei Herodot v. Halikarnassos
Um 400 v. Chr. Beginn der keltischen Wanderung; erste Vorstöße nach Italien
387 v. Chr. Schlacht an der Allia, Niederlage der Römer; in der Folge Eroberung von Rom „Vae Victis“ und „Dies Ater“
Um 370 v. Chr. Der frühkeltische Stil wird allmählich durch einen streng geometrischen Stil abgelöst „Waldalgesheimstil“
Um 360 v. Chr. Vordringen der Kelten auf die Balkanhalbinsel
335 v. Chr. Keltische Gesandte am Hofe Alexanders des Großen
Ende d. 4. Jh. v. Chr. Erste keltische Besiedlung der britischen Inseln
Um 300 v. Chr. Vordringen der Kelten nach Thrakien
299 v. Chr. Einfall keltischer Stämme in Etrurien; Schlacht bei Clusium; Vernichtung des römischen Heeres
295 v. Chr. Schlacht bei Sentium in Umbrien; Kelten geschlagen; Verdrängung der Kelten aus Umbrien
279 v. Chr. Keltische Stämme (Donaukelten) verheeren Makedonien; Vorstoß nach Griechenland (unter ihrem Anführer „Brennos“) keltischer Ansturm wird aufgehalten, die Kelten plündern jedoch Delphi.
278/ 277 v. Chr. Keltische Stämme (Donaukelten) überschreiten den Hellespont; Ansiedlung der „Galater“ in Kleinasien am Flusse Halys
Ab 280 v. Chr. Keltische Söldner im Dienste hellenistischer Herrscher; auch die Ptolemäer in Ägypten verfügen über keltische Abteilungen
Ab 250 v. Chr. Keltische Besiedlung des Südostalpenraumes (Steiermark, Kärnten, Slowenien)
225 v. Chr. Schlacht bei Telamon an der etrurischen Küste; Kelten werden vernichtend geschlagen
Ende des 3. Jh. v. Chr. Erste keltische Münzprägung
Um 200 v. Chr. Errichtung des keltischen Königreiches Norikum mit Zentrum im heutigen Kärnten
192 v. Chr. Eroberung von Bononia (heutiges Bologna) durch die Römer; wesentliche Teile der Poebene unter römischer Herrschaft
182/ 181 v. Chr. Gründung der Hafenstadt (Flusshafen) Aquileia durch latinische Kolonisten; Handel mit den Kelten des Südostalpenraumes
179 v. Chr. Versuch einer Ansiedlung norischer Stämme in Venetien; von Rom auf friedlichem Wege zum Abzug bewogen
200 v. Chr. Entstehung von befestigten keltischen Städten (Oppida) in Mitteleuropa
141 v. Chr. Erfolgloser Vorstoß der Römer gegen die keltischen Skordisker an Donau und Save
133 v. Chr. Eroberung von Numantia und Ende des Widerstandes („Keltiberer“) auf der iberischen Halbinsel
Um 120 v. Chr. Eroberungskriege der Römer in Südfrankreich zur Erringung einer Landverbindung nach Spanien; Gründung der Provinz Gallia Narbonensis
113 v. Chr. In der Schlacht bei Noreia treffen erstmals Germanen und Römer aufeinander; Germanen verwüsten weite Teile Mitteleuropas
Um 90 v. Chr. Gründung einer Stadt auf dem Magdalensberg in Kärnten als Sitz des norischen Königs; intensiver Handel mit Italien
15 v. Chr. Ausdehnung des röm. Reiches auf Gebiete nördlich der Alpen, schließlich bis Donau (nördlich) und Rhein (östlich)

43 Die Römer besetzen Britannien und unterwerfen die keltischen Einwohner
50 Das Oppidum Ubiorum wird zur Römischen Kolonie "Colonia Claudia Ara Agrippinensum" (Köln)
69 Aufstand der Bataver - Gallische Druiden sagen nach Brand im Kapitol das Ende Roms voraus
80 Kaiser Domitian besiegt die Chatten in der Wetterau und erhält den Beinamen Germanicus - 1. Ausbaustufe des Obergermanische Limes (Holztürme) - 81 - 89 Chattenkriege
ca. 85 Gründung der Provinzen Germania Inferior und Germania Superior
um 100 Die Boier in Südhessen gehen in den germanischen Markomannen auf
145 - ca. 200 Der Limes wird durch nach und nach durch Steintürme gesichert
167 - 180 Markomannenkriege
um 213 Caracalla lässt in Raetien die "Teufelsmauer", den steinernen Limes, gegen die Alamannen errichten
ca. 233 Die Alamannen durchbrechen den Obergermanischen Limes
235 keltische Druidin warnt Kaiser Alexander Severus seinen Soldaten zu vertrauen und vor Hoffnung auf einen Sieg
257 Germanische Stämme stürmen gegen den Limes und durchbrechen seine Schutzwirkung
ca. 260 Die Römer geben den Limes auf

 

 

WurmEiszeitWiederbesiedelung der Region des Donaurandbruches nach den Eiszeiten

Während der letzten Eiszeit in der Region des Donaurandbruches, der Würm-Eiszeit, betrug die Jahresmitteltemparatur - 3°C - zum Vergleich heute etwa 7°C. Zwar war das Donautal i.d.R. gletscherfrei, aber bewohnbar war diese Region vermutlich nicht. Erst in den Jahrtausenden nach Ende der Würmeiszeit vor ca 11.000 Jahren begann Zuzug. So konnten etwa im Gebiet von Oberschending eine beständige Besiedlung archäologisch nachgewiesen werden. Es war bereits vor über 7000 Jahren besiedelt. Neben dem fruchtbaren Boden waren es wohl die Überschaubarkeit der Umgebung und die Nähe zum Wasser des Irlbaches, die die Menschen der Jungsteinzeit dazu bewog, sich hier niederzulassen. Zeugen der Besiedlung sind zahlreiche Funde von Skeletten, Keramikscherben und Hüttenlehm. Aus der Zeit um 4000 v. Chr. wurden zahlreiche Funde im Bereich des Ortes Münchshöfen gemacht, was der Periode den Namen „Münchshöfener Kultur“ erbrachte. Teile der Funde aus dem Gemeindegebiet sind im Gäubodenmuseum Straubing zu besichtigen.

Das keltische Volk

Eine Internetquelle (Liste keltischer Stämme, abgerufen am 9.12.2019) führt 153 'keltische' Stämme auf, darunter die Boier (erst im Gebiet Rhein/Main/Donau, dann Boiohaemum (Böhmen und Norditalien), Hauptort Bononia (Bologna)), die Helvetier (im heutigen schweizerischen Mittelland sowie in Südwestdeutschland), die Taurisker und Vindeliker (am Ostalpenrand, im heutigen Kärnten und Slowenien) u.v.m.

Unter dem Begriff Gallier versteht man übrigens einen Sammelnamen, den Julius Caesar allen Stämmen gegeben hat, die im heutigen Frankreich lebten. Markus Schußmann problematisiert in KiBy S. 10/11 den Begriff der Kelten so: "Wir wissen nicht, ob sich die Bewohner Süddeutschlands in der Hallstatt- oder auch Laténe-Zeit selbst als Kelten ansahen. ... Was Archäologen erfassen können sind Wirtschaftsräume, Handelssysteme, technische Fähigkeiten, Kunstschaffen, religiöse Traditionen und soziale Differenzierungen als Merkmale von "Kulturen". Da die Schnittmenge dieser Merkmale durchaus subjektiv bewertet werden könne, lasse dies einen gewissen Spielraum, wann man erstmals von "Kelten" sprechen könne: Die einen sähen ihre "Entstehung" in der Entwicklung der Laténekunst im 5. Jh. v. Chr., andere mit den Veränderungen durch den mediteranen Einfluss während des 6. Jh. v. Chr.

Schußmann: "Es hat sich eingebürgert, 'Kelten' oder auch 'keltisch' als wissenschaftliche Begriffe aufzufassen."

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Damit sind die vermeintlichen Kelten: "Druiden", "Asterix und Obelix" und "Gallier" der Autoren René Goscinny und Albert Uderzo endgültig modere Kunstfiguren geworden, aber höchst unterhaltsame! Ein Klick auf den Screenshot führt zu "Asterix der Gallier": Viel Spaß - wobei unklar ist, wie lange der Link aktiv sein wird. Aktuell - 28.11.2019 - ist er seit 11.08.2017 im Netz und hatte 1.663.319 Aufrufe!

Übrigens, ein gewisser Dr. Jochen Haberstroh, Hauptkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, problematisiert in ähnlicher Weise in: Germanische Siedlung zwischen Main und Donau den Begriff der "Germanen": "Waren die Germanen eine geschickte Erfindung Roms, so sind die damit aufgemachten und mit ihnen bestrittenen Ausstellungen und Medien eine nicht minder geschickte Erfindung des zeitgenössischen Kulturmarketings und Mediendesigns. Denn: Was für die Germanen gilt, gilt für die allermeisten ethnografisch überlieferten Stammes- und Völkerbezeichnungen in frühgeschichtlicher Zeit. In einer Zeit ohne eigene schriftliche Überlieferung wurden sie zur Projektionsfläche ihrerNachbarn mit schriftlicher Tradition."

 

Was bleibt also vom Begriff der "Kelten"?

Bildschirmfoto 2019 11 28 um 12.30.00Nach Tappert (TpHV S. 23) war wie viele andere Epochen in der Vorgeschichte des Menschen auch das erste Jahrtausend v. Chr. durch bedeutende Umwälzungen geprägt. Ab etwa 500 v. Chr. kam es in Mitteleuropa zu massiven gesellschaftlichen Veränderungen und im Zuge dieser Veränderungen zu bedeutenden Bevölkerungsverschiebungen. Diese Wanderungen waren die Ursache dafür, daß die Zone nördlich der Alpen zum ersten Mal in das Blickfeld der antiken Hochkulturen Südeuropas rückte und die im Norden lebenden Völker zum Gegenstand griechischer und römischer Geschichtsschreibung wurden. Es begann die Zeit der historischen Kelten und Germanen.

Anmerkung: Frau Dr. des. Claudia Tappert erhielt für ihre Ausarbeitung der Dissertation: „Die Gefäßkeramik des laténezeitlichen Siedlungsplatzes Straubing-Bajuwarenstraße“ im Jahr 2015 den Straubinger Hochschulpreis. Inzwischen hat sie zahlreiche Beiträge u.a. zur Geschichte der Kelten veröffentlicht, etwa eine Zusammenfassung des internationalen Kolloquiums "SIEDLUNGSDYNAMIK UND GESELLSCHAFT" zur keltischen Besiedlungsgeschichte im bayerischen Donauraum, Österreich und der Tschechischen Republik vom 2. – 4. März 2006 im Gäubodenmuseum Straubing, veröffentlicht in: JAHRESBERICHT DES HISTORISCHEN VEREINS FÜR STRAUBING UND UMGEBUNG - SONDERBAND 3, herausgegeben von Johannes Prammer, Ruth Sandner und Claudia Tappert, Straubing 2007

HallstattKulturVon "den Kelten" zu sprechen vermeidet also die archäologische Wissenschaft, nur von der "Hallstatt-Kultur" - ca 800 - 500 v. Chr - und von der anschließenden "Laténe-Kultur" bis knapp zur Zeitenwende.

Dokumentation beider Kulturen in verschiedenen Museen

  • Keltenmuseum in Hallein: Mit Einfallsreichtum und Geschick schafften es die Kelten, Nahrungsmittel durch Salz für längere Zeit haltbar zu machen. In der Zeit zwischen 1000 bis 800 v. Chr., gelang es ihnen, im österreichischen Hallstatt Salz abzubauen. Damit hatten sie die Grundvoraussetzung geschaffen, sich auf langen Reisen mit genügend Nahrungsmitteln zu versorgen. Aufgrund dieser bahnbrechenden Erfindung wird diese Zeitperiode auch Hallstattkultur genannt.

  • archäologischer Park La Téne: Der Park um das Museum am See ist frei zugänglich und bietet zugleich Erholungsraum wie auch Rekonstruktionen von Siedlungsformen und Lebensräumen der Region aus den letzten 15'000 Jahren. Dazu gehören ausgewählte Pflanzen, eine bronzezeitliche Pfahlbausiedlung, eine keltische Brücke, ein Einbaum und ein gallo-römischer Lastkahn. Das Laténium organisiert im Park Demonstrationen alter Handwerkstechniken und führt Versuche der experimentellen Archäologie durch.

  • Kelten-Römer-Museum in Manching: Eine Sonderstellung unter den keltischen Museen und keltischen Ausstellungen genießt das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching. Der Name des Museums ist Programm, ihre Dauer- und Sonderausstellung kreisen um die Kulturen der Kelten und Römer. In der Kelten-Sparte werden die Funde ausgestellt, die man in einer keltischen Großsiedlung in der Nähe des heutigen Manching ausgegraben hat. Dazu zählt auch der 1999 entdeckte Schatz aus 450 Goldmünzen. Von großer Bedeutung ist auch das so genannte „Kultbäumchen“, ein mit Blattgold überzogener Holzstamm mit bronzenen und vergoldeten Blättern und Knospen.

  • hist. Museum Regensburg: Abteilung Vorgeschichte
    In zwei großen Ausstellungssälen bietet die Abteilung Vorgeschichte unter dem Titel "Die prähistorische Oberpfalz" mit ihrem reichhaltigen archäologischen Fundmaterial einen detaillierten Überblick über die regionale Entwicklung von der Altsteinzeit bis zu dem Ende der keltischen Zivilisation. So wird der Bogen vom ältesten Artefakt der Oberpfalz, dem etwa 250.000 Jahre alten Faustkeil von Pösing, bis zu den jüngsten Fundstücken vom Ausgang der Keltenzeit im 1. jahrhundert v. Chr. gespannt. Zu den anschaulichen Gräbern aus verschiedenen Perioden zählt auch der "erste Regensburger" vom Beginn der Jungsteinzeit (um 5500 v.Chr.).

  • Gäubodenmuseum in Straubing: Das Gäubodenmuseum zeigt in drei Räumen in der vorgeschichtlichen Abteilung die Geschichte der Kelten von der Urnenfelder- bis zur Spätlatènezeit. In der Urnenfelderzeit werden Tongefäße zum ersten Mal mit dem für die keltische Zeit so typischen Graphitüberzug bzw. Graphitmagerung versehen. Objekte aus dem Gräberfeld Straubing Sand dokumentierten dies. Neben verschiedenen Grabfunden wird dort auch ein ca. 3000 Jahre alter Brunnen aus Atting gezeigt. Im nächsten Raum wird auf Hallstatt- und Latènezeit eingegangen. Polychrome Hallstattkeramik und eine Gesichtsmaske aus Ton sind genauso wie Objekte aus einem Fürstengrab bei Schambach wichtige Stücke. Daneben werden die typische latènezeitliche graphitierte Keramik und wichtige Metallfunde wie eine kleines Bronzeeimerchen, das von der Levante stammt, dem Besucher vor Augen geführt. Im letzten Raum sind mittellatènezeitliche Grabausstattungen von Kriegern mit kompletten Schwertgürteln und von Damen mit reichen Beigaben zu bestaunen. Am Ende stehen latènezeitliche Keramikdepots aus der großen keltischen Siedlung Sorviodurum, an deren Stelle später das römische Straubing entstanden ist.

  • Römermuseum Kastell Boiotro Passau: Das neugestaltete Römermuseum Kastell Boiotro präsentiert fast ausschließlich Funde aus Passau. Sie reichen vom Mesolithikum (8. – 6. Jahrtausend v. Chr.) bis zum Ende des Römischen Reiches 476 n. Chr.

  • Schlossmuseum Linz:  In zeitlicher Abfolge werden in den beiden Räumen auch die wichtigsten Funde zur oberösterreichischen Alt- und Jungsteinzeit, sowie Bronze- und Eisenzeit gezeigt. Grab- und Siedlungsfunde veranschaulichen das tägliche Leben sowie den Umgang mit dem Tod. Im Tiefkeller ist ein Raum dem besonderen Fundort Hallstatt (Gräberfeld und ältestes Salzbergwerk der Welt) gewidmet. Nach der Römerzeit bilden die bedeutenden Funde aus frühmittelalterlichen Gräberfeldern den Abschluss der archäologischen Dauerausstellung.

interessante Links: kelten.de von ©2019 Travelwind®  - Keltenmuseum Hochdorf/Enz - ...

'keltisches' Leben und Wohnen

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Dieser zweite Kelten-Beitrag soll - im Wesentlichen - mithilfe "Die Kelten in Bayern" (SchuKiBy S. 183 u. 62) von Markus Schußmann Fragen zu Siedlungswesen und -struktur, Kleidung, Essen und Trinken, besonders in der Zeit der Laténe-Kultur, nachgehen. Das Bild nebenan zeigt nach Schußmann typische Haus-Bauten und Kleidung der späten Laténe-Zeit, also so um 100 v. Chr.

Die Fragen:

  1. Wie waren 'keltische' Lebensgemeinschaften zusammengesetzt?
  2. In welchen Größenordnungen waren diese Lebensgemeinschaften organisiert?
  3. Von welchen Ordnungsstrukturen waren sie gekennzeichnet?
  4. Wie ernährten sich "die Kelten"?
  5. Wie sah die Arbeitsteilung der Geschlechter und der Generationen, etwa bei der Beschaffung dieser Nahrung, aus?
  6. Was weiß man über die Seßhaftigkeit bzw. über die Wanderungsbewegungen keltischer Lebensgemeinschaft?
  7. Gab es Konflikte wg. Gebietsansprüchen oder Vormachtsansprüchen innerhalb verschiedener 'keltischer' Stammesverbände?
  8. Wie zuverlässig sind derartige Aussagen, die ja im Wesentlichen aus archäologischen Funden abgeleitet werden oder auf schriftlichen Quellen 'fremder' Völker beruhen?

 

zu a, b und c:
Bei Schußmann kann man lesen, dass die Beantwortung dieser Fragen nach Sozialstruktur und Organisation keltischer Lebensgemeinschaften einerseits auf Ergebnissen der Archäologie, andererseits auf schriftlichen Quellen antiker Schriftsteller, etwa Hekataios von Milet (560 - 480 v. Chr.) oder Platon (428 - 348 v. Chr.) - teils aus zweiter Hand, als zeitlich parallel zur Hallstatt- und Laténe-Kultur die Hochkultur des antiken Griechenland in voller Blüte stand.

Polybios,ein griechischer Politker und Historiker, charakterisiert die in Oberitalien siedelnden Kelten im 2. Jh. v. Chr. kurz und knapp:
"Ihre Dörfer waren unbefestigt, ihre Häuser ohne weitere Inneneinrichtung. Sie schliefen auf Streu schliefen." Nach Schußmann: KiBy S. 53.

Und weil es eben über die Wohnsituationn der Kelten auch schriftliche Aufzeichnung gibt - das Volk der Griechen hatte eine weitgehend einheitliche Schrift und Sprache - könnte man auf die Idee kommen, sich zuerst mal über damalige griechische Verhältnisse zu informieren, etwa bei "MrWissen2go Geschichte". Der Mister scheint ja durchaus ein Experte zu sein, aber dennoch: kritisches Hinterfragen von scheinbar logischen Fakten ist immer angebracht!

 

 Worauf sollte man achten:

  • Ab Minute 1 beginnt sozusagen die zeitliche Parallele des antiken Griechenlandes und der Hallstatt-Kultur. 
  • seine sieben Fakten sollte man sich merken:
    • Hellenen siedeln in Poleis
    • Hellenen haben eine gemeinsame - die griechische - Sprache und Schrift
    • Hellenen haben gemeinsamen Kulturraum
    • Hellenen gründen Kolonien im gesamten Mittelmeerraum
    • Sparta - eher eine untypische Militär-Polis
    • in Athen entstehen demokratische Strukturen
    • der peloponesische Krieg läutet den Untergang des antiken Griechenland ein

Tp1 Herr und FurstenhofeDr. Claudia Tappert (TpHV S 29.) veröffentlicht in ihrem Beitrag "Kelten und Germanen in Straubing" eine Karte "keltischer" Siedlungen, eingeteilt in Herren- und Fürstenhöfe. Ob diese Siedlungen - oder die 'Oppidas' entlang des Rheins - irgendwie vergleichbare Größen und Strukturen wie die Poleis der Hellenen hatten? Von Athen weiß man, dass Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus die Polis Athen eine Stadt mit rund 5000 Einwohnern war. In den nächsten hundert Jahren wächst die Bevölkerung der griechischen Metropole rasant an: etwa 40.000 Einwohner leben bereits um 400 vor Christus in der Stadt.


220px Manching oppidum siedlungDas Opidum Manching hat in seiner Blütezeit in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. seine größte Besiedlungsdichte und Ausdehnung mit einer Fläche von 380 Hektar. Zu dieser Zeit lebten 5.000 bis 10.000 Menschen innerhalb der Stadtmauer. Also: durchaus vergleichbare Größenordnung!


tempxantikeathengjpg100 v gseapremiumxlAllerdings hatten die Athener schon im 4. Jh v. Chr. den Akropolis-Berg mit Steintempelanlagen bebaut, während in Manching in der sog. Zentralfläche zwar auch eine Tempelanlage nachgewiesen werden konnte, ansonsten die 'Häuser' einfache, strohgedeckte Holzhütten waren. Bildquelle: Wikipedia 

"MrWissen2go Geschichte" schildert in seinem Beitrag über Sparta, dass die spartanische Gesellschaft eine strenge Hierarchie geherrscht hat: Vollbürger oder Spartiaten und Periöken (Umwohner) - diese Bevölkerungsgruppe konnten am öff. Leben teilhaben, dann Heloten (Gefangengenommene, leben wie Sklaven) und Sklaven, welche nicht einmal als Menschen galten. Unklar bleibt, wie etwa die Stellung von Frauen und alten Leute war. Die Jugend, besonders die männliche, wurde hart herangenommen, und auf "Disziplin, Diziplin und wieder Disziplin" getrimmt.

Bildschirmfoto 2019 12 04 um 20.25.40Über die Struktur in der  "keltischen Gesellschaft" gibt es wiederum zwei Quellen: sog. Fremdquellen und archäologische Quellen. Letztere lassen durchaus eine vertikale Schichtung erahnen, etwa durch die Grabbeigaben in sog. "Fürstengräbern", oder Grabfunden im Straubinger Stadtgebiet, welche durchaus auf eine Art Gleichberechtigung schließen lassen.

 

 

Sozialstruktur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Furstengrab

Berühmt ist die Grabkammer des "Fürsten" von Hochdorf
(nach James 1996, in: TpHV S. 27 ff) mit reichem Speise- und Trinkgeschirr, die aus dem mediterranen Raum - etruskische Bronzegefäße und griechische Trinkschalen  eingeführt worden waren ... Die "hallstattischen Kelten" hatten also Kontakt zu den mediterranen Kulturen des 5. und 6. Jh v. Chr.

Schußmann entwirft aus den unterschiedlichen oder den auch nicht vorhandenen Grabbeigaben ein Schema einer hallstattzetilichen Sozialpyramide (SchuKiBy S. 195):

 

 

Zusammenfassung a, b, c:

Vielleicht konnte im höchst rudimentären Vergleich von 'hellenischem' zu 'keltischem' Leben und Wohnen ein klein wenig Klarheit in diese längst vergangenen Zeiten gebracht werden: Zwar ist der Blick eines hellenischen Kulturmenschen auf nicht-Griechen nicht wirklich objektiv: 'Kelten' werden als 'raue Burschen' geschildert, etwa bei Diodor, latinisiert Diodorus Siculus, ein antiker griechischer Geschichtsschreiber des späten Hellenismus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.„Sie sind hochgewachsen, mit spielenden Muskeln unter weißer Haut. Das Haar ist nicht nur von Natur aus blond, sondern sie verstärken diese eigentümliche Farbe noch durch künstliche Behandlung. Sie waschen nämlich die Haare immerfort mit Kalkwasser und streichen es von der Stirn rückwärts gegen Scheitel und Nacken, so dass ihr Aussehen dem der Satyrn und Pane gleicht. Die Haare werden von dieser Behandlung immer dicker, so dass sie sich von einer Pferdemähne nicht mehr unterscheiden. Einige von ihnen rasieren sich den Bart ab, andere, v. a. die Vornehmen, lassen sich bei glattgeschabten Wangen einen Schnurrbart stehen, der den ganzen Mund bedeckt und beim Essen wie beim Trinken als ein Seiher wirkt, in welchem Nahrungsteile hängen bleiben." Und weiter: „Gekleidet sind sie, das ist verblüffend, in bunt gefärbte und bestickte Hemden. Dazu tragen sie Hosen, die sie ,bracae' nennen, und Mäntel, welche auf der Schulter von einer Spange festgehalten werden, schwere im Winter, leichte im Sommer. Diese Umhänge sind gestreift oder kariert, wobei die einzelnen Felder dicht beieinander stehen und verschiedene Farben aufweisen." Strabon ergänzt: „Sie tragen kurze Mäntel, lassen das Haar lang wachsen und haben eng anliegende Beinkleider. Statt der Leibröcke aber tragen sie bis zu den Lenden herabreichende Ärmeljacken. Ihre Wolle ist zwar grob, aber langhaarig, und aus dieser weben sie ihre Flausmäntel ... Selbst in den nördlichsten Gegenden halten sie Schafherden mit ziemlich schöner Wolle". Zur Zeit der beginnenden Keltenwanderungen, also 4. Jh. v. Chr., wird rückschauend mehrfach erwähnt, dass die keltischen Krieger nackt, nur angetan mit ihren Waffen und einem goldenen Halsreif, in die Schlacht gezogen seien.

aus: Keltenexkurs in der Universalgeschichte des Diodorus Siculus, teilweise in ansonsten verlorenen Schriften des Poseidonius zusammenfasst, in: Schussmann (KiBy, S. 52 ff)

Bildschirmfoto 2019 11 28 um 12.30.00

 

Bildschirmfoto 2019 12 05 um 12.58.46Die Wohn- und Lebensgewohnheiten in dem großen Gebiet vom heutigen Schottland bis an den Bosporus, teils auch auf der iberischen Halbinsel und südlich der Alpen - siehe nebenstehende Abb1. in TpHV S. 23 - unterschieden sich sicher deutlich von hellenistischen. Die Gründe hierfür mögen darin liegen, dass es schon vor einigen tausend Jahren - etwa 1600 v. Chr. - eine Hochkultur - die mykenische - gab, welche uns aus etwa 1250 v. Chr. das sog. Löwentor hinterlassen hat. Zwar folgten in Hellas dann die sog. 'Dark Ages' von etwa 1100 - 800 v. Chr. Aber immerhin gabe es schon damals Steinbauten, eine "Schriftsprache" und deshalb eben auch schriftlich überlieferte Mythologie, etwa einer Göttin Namens Artemis.

Bildschirmfoto 2019 12 05 um 14.14.38Ihr Name verweist im mykenischen Griechisch auf a-te-mi-to und a-ti-mi-te, der in Linear B in Pylos gefunden wurde. Ihr Beiname qe-ra-si-ja war zu altgriechisch Therasía (Θερασία) geworden, der vielleicht „Göttin von Thera“ bedeutet. Es wird angenommen, dass eine Vorgängerin von Artemis im minoischen Kreta als Göttin der Berge und der Jagd, Britomartis (Βριτόμαρτις „süße Jungfrau“), verehrt wurde.

Bildschirmfoto 2019 12 05 um 14.56.05Bis in unsere Zeit regt Artemis Maler - zB Peter Paul Rubens - oder Bildhauer oder 3D-Drucker an ...

Warum die "Dark Ages" im heutigen mitteleuropäischen Raum einige tausend Jahre andauerten könnte mit den dort auftretenden Eiszeiten zusammenhängen. Schließlich machte bis etwa 10.000 Jahre v. Chr. die letzte der Eiszeiten, die Würmeiszeit, eine kulturelle Weiterentwicklung des längst zugewanderten homo sapiens sehr schwierig. Im Zweistromland, in Ägypten, im Mittelmeerraum scheint ja eine Vergletscherung nicht stattgefunden zu haben, so dass eine gewissen kulturelle Kontinuität Raum finden konnte. Nördlich der Alpen scheint eine Wiederbesiedlung ja erst im Neolithikum stattgefunden zu haben, weit vor der Hallstattzeit .... 

 

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Die eingangs aufgeführten Fragen d bis h:

d. Wie ernährten sich "die Kelten"?
e. Wie sah die Arbeitsteilung der Geschlechter und der Generationen, etwa bei der Beschaffung von Nahrung, aus?
f. Was weiß man über die Seßhaftigkeit bzw. über die Wanderungsbewegungen keltischer Lebensgemeinschaft?
g. Gab es Konflikte wg. Gebietsansprüchen oder Vormachtsansprüchen innerhalb verschiedener 'keltischer' Stammesverbände?
h. Wie zuverlässig sind derartige Aussagen, die ja im Wesentlichen aus archäologischen Funden abgeleitet werden oder auf schriftlichen Quellen 'fremder' Völker beruhen?

werden - bis auf 'd' - in weiteren Beiträgen behandelt werden.

zu d.: Essen und Trinken

Zu 'Essen & Trinken' gibt es im "Keltendorf" Gabreta im unteren bay. Wald nähe Ringelai durchaus interessante Einblicke in 'keltisches' Leben: Link, aber ganz konkret wird ein gewisser Athenaois, welcher sich auf Schilderungen des Poseidonios beruft:

Er überliefert Einzelheiten der Etikette:
„Die Kelten legen Heu auf den Boden und tragen das Essen auf Holztischen auf, die sich nur wenig über die Erde erheben. Das Essen besteht aus wenig Brot, aber viel Fleisch, in Wasser gekocht und auf Kohlen oder am Spieß gebraten. Sie essen ... mit Löwenappetit, wobei sie mit den Händen ganze Glieder greifen und davon abbeißen. Ist das Abbeißen schwierig, schneiden sie den Bissen mit dem Dolch ab, der in einem besonderen Futeral an der Schwertscheide steckt. Jene Kelten, die an Flüssen oder am Atlantik und am Mittelmeer wohnen, essen auch Fisch, und zwar gebraten, mit Salz, Essig und Kümmel. Letzteren tun sie auch in den Wein. Öl gebrauchen sie nicht, weil sie wenig davon haben und, da es ihnen ungewohnt ist, es als unangenehm empfinden. Essen mehrere zusammen, so sitzen sie im Kreis beieinander, in der Mitte der Tüchtigste sozusagen als Chorführer, der sich von den anderen durch kriegerische Tapferkeit, durch edle Abkunft oder Vermögen auszeichnet. Der Gastgeber sitzt ihm zur Seite, dann der Reihe nach die übrigen nach der Stellung, die sie einnehmen. Hinter ihnen stehen Bewaffnete mit hohen Schilden, während die Leib wächter im Kreise nebenbei sitzen und am Gelage wie die Herren teilhaben. Die Mundschenke bringen den Wein in Gefäßen, die Schnabelbechern ähneln, aus Ton oder Silber. Aus diesem Material sind auch die Servierplatten, doch gibt es auch Tabletts und Körbe aus Holz oder Flechtwerk. Das Getränk ist bei den Reichen importierter Wein aus Italien oder dem Gebiet um Massilia. Getrunken wird er ungemischt, manchmal wird ein wenig Wasser zugesetzt. Bei den Ärmeren ist das Getränk ein Weizenbier, mit Honig gewürzt, die große Menge trinkt es pur. Es wird ,korma' genannt. Sie trinken nur immer kleine Schlucke aus dem gleichen Becher, aber das tun sie oft ...“
Und weiter:
„In früheren Zeiten nahm, wenn die Hinterviertel aufgetragen wurden, der tapferste Held das Schenkelstück, und wenn ein anderer es für sich beanspruchte, standen die bei den auf und kämpften im Zweikampf bis zum Tode.“
Ahnliches kennt auch der Gewährsmann Diodorus, der ihre Gastfreundschaft lobt:
„Sie laden auch Fremde zu ihren Gelagen ein, und erst nach der Mahlzeit fragen sie, wer sie sind und was ihr Begehr ist. Auch geschieht es bei den Gastmählern oft, dass sie aus unbedeutendem Anlass in Wortstreit geraten, der bis zur Herausforderung und zum Zweikampf führt; denn das Sterben achten sie für nichts."
Besonders beeindruckt zeigt er sich aber von den keltischen Trinksitten und der römischen Geschäftstüchtigkeit:
„Weil das Klima viel zu rau ist, gedeihen im Land weder Wein noch Öl, und da nun den Galliern das eine wie das andere fehlt, bereiten sie sich ein Getränk aus Gerste, das so genannte Bier. Außerdem trinken sie Wasser, mit dem sie die Honigwaben ausgespült haben. Dem Wein aber sind sie über die Maßen ergeben und trinken den von Kaufleuten eingeführten Wein unvermischt. Sie trinken ihn in ihrer Gier so reichlich, dass sie berauscht in Schlaf oder wahnsinnsähnliche Zustände verfallen. So dient die gallische Trunksucht der gewöhnlichen Geldgier vieler italischer Kaufleute als willkommenes Bereicherungsmittel. Diese bringen den Wein entweder auf den schiffbaren Flüssen oder über das offene Land auf Wagen herbei und nehmen dafür einen unverschämten Preis. Für einen Krug Wein erhalten sie einen Sklaven zum Tausch - sie geben einen Trunk und erhalten einen Mundschenk dafür."
(SchuKiBy, S. 53/54)

---Dieser Beitrag "Kunst und Handwerk" handelt auch von Handel und Wandel, vom Wirtschaften und schließlich auch von Kunst und Musik.---

keltisches Wirtschaften

Handelswege, Münzwesen

Nomadisch lebende Volksgruppen, also etwa Menschen des Neolithikums - der Jungsteinzeit, änderten im Bereich des Donarandbruches ihr Jäger- und Sammlerleben und wurden mehr und mehr sesshaft. So soll der fruchtbare Gäudboden und die fischreichen Gewässer um 6000 v. Chr. dauerhaft von sesshaften Menschen besiedelt gewesen sein. Sesshaftigkeit bedeutet einerseits, dass sich diese Gemeinschaften von regional verfügbaren Lebensmitteln ernähren konnten, dass aber auch Austausch von handwerkliche hergestellten 'Waren' über ein größeres Gebiet - also Handel - zunahm.

HandelswegeHaStaHaD

Für die Kelten etwa der späten Hallstattzeit Ha D um 550 v. Chr konnte Schußmann (SchuKiBy S. 250) nebenstehende Handelswege nachweisen. Eine wohl unverzichtbare Voraussetzung für Handel und Gewerbe ist die Entwicklung eines allgemein aktzeptiereten Münzwesens. So fanden Archäologen im Oppidum Manching in den 'Regenbogenschüsselchen' die keltische Münze "par excellence":

GoSchussManching

Dieser Fund von 483 Goldstatere ist nach Schußmann (SchuKinBy S. 279 ff) in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:

  • Der Wert eines goldenen Vollstaters - ca 8 Gramm - könnte ein Monatslohn eines Söldners gewesen sein.
  • Statere wurde aber auch zu mehreren Hunderten 'thesauriert', waren also nicht unbedingt geläuffige Zahlungsmittel.
  • Erst in der Latènezeit Lt C2 erfolgte die Stückelung des Statere bis hinzum Zweiundsiebzigstenstatere

Schließlich aber war für Handel und Wandel ein allgemein aktzeptiertes Zahlungsmittel Voraussetzung, was dann etwa Bernward Ziegaus in "„Boische“ Münzen in Süddeutschland – Fremde Prägungen
mit überregionaler Gültigkeit?" - veröffentlicht in "Boier zwischen Realität und Fiktion
Akten des internationalen Kolloquiums in Český Krumlov vom 14.–16.11.2013" so beschreibt: "Bei den frühesten keltischen Münzen handelt es sich zunächst um imitative Erzeugnisse nach dem Vorbild des Goldstaters Philipps II. (Apollokopf/Zweigespann mit Wagenlenker). Miit ihnen sollte anfänglich vor allem  eine Gleichwertigkeit des importierten und des selbst hergestellten keltischen Geldes erzielt werden.
... Das, was wir als dann als boische Münzen bezeichnen, scheint eine größere Region zu betreffen und nicht nur ein Stammesgebiet. Die von G. Dobesch gewählte Bezeichnung „Mitteleuropäische Boier“, die in den antiken Quellen als Bewohner an vielen verschiedenen Orten genannt werden, beschreibt dieses Phänomen recht gut."

Dr. Michael Nick von der Universität Basel stellt in "Am Ende des Regenbogens - Interpretationsversuche zu Hortfunden mit keltischen Goldmünzen" sehr grundlegende Überlegungen zu Ursachen der Niederlegung von Horten an: Link

Eine Nebenbemerkung: Anscheinend war schon vor mehr als 2000 Jahren eine einheitliche Währung eine gute Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft, etwa durch leitstungsfährige Handwerksbetriebe:

'keltisches' Handwerk

Schmiedehandwerk

...

Das Glashandwerk

GlasFundeManching

Grundlage des hallstattischer Glashandwerks waren Rohglasimporte aus der Levante oder Ägypten(!) im 7. Jahrhundert vor Christus. Schwerpunkt der 'keltischen' Glasherstellung dürften im 5. Jh v. Chr. in Slowenien gelegen haben. In der Frühlatènezeit erfanden keltische Handwerker die Herstellung nahtloser Armringe. Details dieses 'Kunsthandwerks' sind bis heute ungeklärt. 

Mühsam war es sicherlich auch, die in Zeiten der Völkerwandung verloren gegangene Technik der Glasherstellung erst im 12. Jh. n. Chr. wieder zu beleben:

"Der Bayerische Wald zählt zu den waldreichsten Mittelgebirgen Deutschlands und bestand noch bis zum 11. Jahrhundert aus Urwald. Das Gebiet wurde zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert vor allem durch die Rodungs- und Urbarmachungstätigkeit der Grafen von Bogen und des Benediktinerklosters Niederalteich besiedelt.

Die Glasherstellung im Bayerischen Wald selbst hat bereits eine Geschichte von sieben Jahrhunderten. Eine der ältesten bayerischen Familien, die heute noch Glas herstellen ist die Familie Freiherr von Poschinger. Bereits 1140 wird der erste Poschinger urkundlich im Bayerischen Wald erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte betrieb die Familie Glashütten in Spiegelhütte, Buchenau, Oberzwieselau und Theresienthal. Das Glashüttengut und die Hütte in Frauenau konnten sich als einzige ihrer Art über Jahrhunderte hinweg erhalten."

Quelle: gobayern

 

Töpferhandwerk

MunchshKulturSeßhaftigkeit bringt sicher den Zwang zu einer gewissen Vorratshaltung mit sich. So ist es nicht verwunderlich, dass schon die jungzeitlichen Siedler des Donaubruches uns tönerne Töpfe hinterlassen haben. In Fachkreisen ist die 'Münchshöfener Kultur' berühmt, welche jüngst - 12/2019 - das Dorf Münchshöfen, Gemeinde Straßkirchen, Landkreis Straubing-Bogen sogar in einem kleinen Museum präsentiert.

HallstKerMdorfEinige tausend Jahre später - Münchshöfer K ca 4000 v. Chr bis 1000 v. Chr - führen 'hallstatter Kelten' das Töpferhandwerk nördlich der Alpen in der Hallstatt-Kultur ab 800 v. Chr. zu einer ersten Blüte, die allerdings nach Schußmann (SchuKiBy S. 313) in der späten Hallstattzeit einen Niedergang erlebte.

Doch blieben wohl die handwerklichen Fähigkeiten bis in die Frühlatènezeit erhalten und insbesonders die Verbreitung der schnell rotierenden Töpferscheibe schufen gestalterische Möglichkeiten, bestens geeignet für intensiven Handel und damit wohl auch Möglichkeiten für 'Kunst'-Handwerker, zu einem gewissen Reichtum zu kommen.

TopferwareManchingSchußmann beschreibt in Kelten in Bayern (SchuKiBy S. 315) einen sog. Kuppelofen:

"Während das im Hauswerk erzeugte Geschirr bis in die Latènezeit hinein mit den seit Jahrtausenden bewährten und ohne größeren Aufwand zu bewerkstelligenden Methoden des offenen Feldbrandes, des Meiler- oder Grubenbrandes gebrannt wurde, sind seit der späten Urnenfelderzeit auch eigens errichte te Töpferöfen überliefert. Aus Bayern kennt man sie z. B. aus dem Altmühltal oder auch vom Hesselberg. Am besten erhalten und dokumentiert ist jedoch ein Ofenbefund, der im Winter 1975/76 beim Autobahnbau am Elchinger Kreuz nahe Neu-Ulm freigelegt werden konnte (Abb. 405). Es handelt sich um einen runden, freistehenden Kuppelofen, dessen Basis aus dem anstehenden Lösslehm herausgearbeitet worden war.

Kuppelofen

Darüber hatte man aus Rutenflechtwerk und Lehm eine nur 5 cm dicke Kuppel aufgebaut. Die Befeuerung erfolgte durch vier Schürlöcher, welche sich kreuzweise gegenüberlagen, doch waren diese nicht alle gleichzeitig, sondern je nach Windrichtung jeweils zwei sich gegenüberliegende Offnungen benutzt worden. Der Feuerungsraum, auch Hölle genannt, war zur Isolation unten mit dicken Gefäßscherben ausgelegt worden. Oben schloss ihn eine 5 cm starke Lochtenne aus Lehm mit rund 1 m Durchmesser ab. Sie diente als Boden der Brennkammer, durch deren zahlreiche Löcher die Hitze strömen konnte."

 

 

Leder- und Textilhandwerk

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Landwirtschaft

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 Kunst, auch Kunsthandwerk

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SchuKiBy S. 298-----------------------

Linz mit keltischem Namen 'Lentos' von ...