Keltisches Wirtschaften

Dieser ausführliche RePaLi-Beitrag "Kunst und Handwerk" handelt auch von Handel und Wandel, vom Wirtschaften und schließlich auch von Kunst und Musik.
 
  • ein allgemein aktzeptiertes Münzwesen: Voraussetzung für prosperienden Handel
  • BronzGBManchingManchinger Regenbogenschüsselchen im gesamten Gebiet der Kelten und darüber hinaus verbreitet
  • leistungsfähiges Eisenhütten- und Schmiedehandwerk (Video eines Scchmelzofens in Hauptbeitrag)
  • Glasherstellung baut auf Rohglasimporte aus der Levante und aus Ägypten
  • Töpferhandwerk besonders in der Latène-Zeit in Hochblüte
  • kaum archäologische Funde zum sicher prosperienden Leder- und Textilhandwerk
  • handwerkliches Können als wichtige Grundlage der Landwirtschaft
  • Handwerk schafft durchaus kunsthandwerkliche Objekte bis hin zu abstrahierten Kunstgegenständen
  • Überlegungen zum 'keltischen' Musizieren und zu leider kaum überlieferten Sagen und Mythen

Handelswege, Münzwesen, Maßsysteme

Nomadisch lebende Volksgruppen, also etwa Menschen des Neolithikums - der Jungsteinzeit, änderten im Bereich des Donarandbruches ihr Jäger- und Sammlerleben und wurden mehr und mehr sesshaft. So soll der fruchtbare Gäuboden und die fischreichen Gewässer um 6000 v. Chr. dauerhaft von sesshaften Menschen besiedelt gewesen sein. Sesshaftigkeit bedeutet einerseits, dass sich diese Gemeinschaften von regional verfügbaren Lebensmitteln ernähren konnten, dass aber auch Austausch von handwerkliche hergestellten 'Waren' über ein größeres Gebiet - also Handel - zunahm.

HandelswegeHaStaHaD

Für die Kelten etwa der späten Hallstattzeit Ha D um 550 v. Chr konnte Schußmann (SchuKiBy S. 250) nebenstehende Handelswege nachweisen. Eine wohl unverzichtbare Voraussetzung für Handel und Gewerbe ist die Entwicklung eines allgemein akzeptierten Münzwesens. So fanden Archäologen im Oppidum Manching in den 'Regenbogenschüsselchen' die keltische Münze "par excellence":

GoSchussManching

Dieser Fund von 483 Goldstateren ist nach Schußmann (SchuKinBy S. 279 ff) in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:

  • Der Wert eines goldenen Vollstaters - ca 8 Gramm - könnte ein Monatslohn eines Söldners gewesen sein.
  • Statere wurde aber auch zu mehreren Hunderten 'thesauriert', waren also nicht unbedingt geläuffige Zahlungsmittel.
  • Erst in der Latènezeit Lt C2 erfolgte die Stückelung des Statere bis hinzum Zweiundsiebzigstenstatere

Schließlich aber war für Handel und Wandel ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel Voraussetzung, was dann etwa Bernward Ziegaus in "„Boische“ Münzen in Süddeutschland – Fremde Prägungen
mit überregionaler Gültigkeit?" - veröffentlicht in "Boier zwischen Realität und Fiktion
Akten des internationalen Kolloquiums in Český Krumlov vom 14.–16.11.2013" so beschreibt: "Bei den frühesten keltischen Münzen handelt es sich zunächst um imitative Erzeugnisse nach dem Vorbild des Goldstaters Philipps II. (Apollokopf/Zweigespann mit Wagenlenker). Miit ihnen sollte anfänglich vor allem  eine Gleichwertigkeit des importierten und des selbst hergestellten keltischen Geldes erzielt werden.
... Das, was wir als dann als boische Münzen bezeichnen, scheint eine größere Region zu betreffen und nicht nur ein Stammesgebiet. Die von G. Dobesch gewählte Bezeichnung „Mitteleuropäische Boier“, die in den antiken Quellen als Bewohner an vielen verschiedenen Orten genannt werden, beschreibt dieses Phänomen recht gut."

Dr. Michael Nick von der Universität Basel stellt in "Am Ende des Regenbogens - Interpretationsversuche zu Hortfunden mit keltischen Goldmünzen" sehr grundlegende Überlegungen zu Ursachen der Niederlegung von Horten an: Link

Eine Nebenbemerkung: Anscheinend war schon vor mehr als 2000 Jahren eine einheitliche Währung eine gute Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft, etwa durch leitstungsfähige Handwerksbetriebe.

Offensichtlich musste es zu Handel und Wandel auch ein anerkanntes Maßsystem für Münzen und Mengen gegeben haben, deren Messergebnisse sicherlich auch dokumentiert werden mussten. Allerdings hat man bisher kaum verbindliche Maßeinheiten für Längen, Massen und Volumina finden können. Schußmann (SchuKiBy S. 128 ff) erwähnt, dass etwa in Burgweinting oder Manching aus der jüngeren Latènezeit Belege für Waagen, Blei-'Gewichte' und Längenmaßstäbe gefunden werden konnten. Auch ein eisener Griffel aus Manching spricht dafür, dass Messergebnisse "schriftlich" - ledier vermutlich vergänglich auf Wachs - festgehalten worden sind. Doch gilt wohl weiter die Hypothese, dass keltische Stämme keine eigene Schrift entwickelt haben.

'keltisches' Handwerk

Schmiedehandwerk

Der Beginn 'keltischer' Kultur um etwa 800 v. Chr. liegt im Übergang von der Bronzezeit in die Eisenzeit. Obwohl "Eisen" leichter zu schmieden ist als "Bronze", mussten Bergleute und Schmiede schon einiges leisten: Eisen gab es zwar in der Oberpfalz, aber als Eisenerz. Zum Trennen von Erz und Eisen braucht es konstant 1200 °C. Dabei wird nicht etwa Erz geschmolzen, vielmehr wird das Eisenoxid im Erz durch das Kohlenstoffmonoxid im Brennofen zu metallischem Eisen reduziert, und zum Schmieden musste dann das gewonnene Roheisen auf an die 800 °C erhitzt werden. Der Schmelzpunkt von Eisen liegt etwa bei 1500 °C. Aber anstatt vieler Wort hier einfach ein Video mit einem Bergbau-Historiker und einer Gruppe von Schmieden im Keltendorf Landersdorf bei Thalmässing.

Der zweite Versuch brachte den Erfolg, eine Luppe (Eisenschwamm) mit schmiedbarem Eisen:

Bildschirmfoto 2019 12 15 um 14.48.52

Die Schmiedleute der Kelten waren offensichtlich sehr geschickte Handwerker, wie etwa die Herstellung chirurgischer Instrumente sicherlich in Schmiedewerkstätten beweist, andererseits auch sehr kunstfertige Handwerker, ausweislich so mancher schmucken Fibel (SchuKiBy S. 282 u. 325):

Bildschirmfoto 2019 12 15 um 18.53.05

 

Glashandwerk

GlasFundeManching

Grundlage des hallstattischen Glashandwerks waren Rohglasimporte aus der Levante oder Ägypten(!) im 7. Jahrhundert vor Christus. Schwerpunkt der 'keltischen' Glasherstellung dürften im 5. Jh v. Chr. in Slowenien gelegen haben. In der Frühlatènezeit erfanden keltische Handwerker die Herstellung nahtloser Armringe. Details dieses 'Kunsthandwerks' sind bis heute ungeklärt. 

Mühsam war es sicherlich auch, die in Zeiten der Völkerwandung verloren gegangene Technik der Glasherstellung erst im 12. Jh. n. Chr. wieder zu beleben:

"Der Bayerische Wald zählt zu den waldreichsten Mittelgebirgen Deutschlands und bestand noch bis zum 11. Jahrhundert aus Urwald. Das Gebiet wurde zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert vor allem durch die Rodungs- und Urbarmachungstätigkeit der Grafen von Bogen und des Benediktinerklosters Niederalteich besiedelt.

Die Glasherstellung im Bayerischen Wald selbst hat bereits eine Geschichte von sieben Jahrhunderten. Eine der ältesten bayerischen Familien, die heute noch Glas herstellen ist die Familie Freiherr von Poschinger. Bereits 1140 wird der erste Poschinger urkundlich im Bayerischen Wald erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte betrieb die Familie Glashütten in Spiegelhütte, Buchenau, Oberzwieselau und Theresienthal. Das Glashüttengut und die Hütte in Frauenau konnten sich als einzige ihrer Art über Jahrhunderte hinweg erhalten."

Quelle: gobayern

 

Töpferhandwerk

MunchshKulturSesshaftigkeit bringt sicher den Zwang zu einer gewissen Vorratshaltung mit sich. So ist es nicht verwunderlich, dass schon die jungzeitlichen Siedler des Donaubruches uns tönerne Töpfe hinterlassen haben. In Fachkreisen ist die 'Münchshöfener Kultur' berühmt, welche jüngst - 12/2019 - das Dorf Münchshöfen, Gemeinde Straßkirchen, Landkreis Straubing-Bogen sogar in einem kleinen Museum präsentiert.

HallstKerMdorfEinige tausend Jahre später - Münchshöfer K ca 4000 v. Chr bis 1000 v. Chr - führen 'hallstatter Kelten' das Töpferhandwerk nördlich der Alpen in der Hallstatt-Kultur ab 800 v. Chr. zu einer ersten Blüte, die allerdings nach Schußmann (SchuKiBy S. 313) in der späten Hallstattzeit einen Niedergang erlebte.

Doch blieben wohl die handwerklichen Fähigkeiten bis in die Frühlatènezeit erhalten und insbesonders die Verbreitung der schnell rotierenden Töpferscheibe schuf gestalterische Möglichkeiten, bestens geeignet für intensiven Handel und damit wohl auch Möglichkeiten für 'Kunst'-Handwerker, zu einem gewissen Reichtum zu kommen.

TopferwareManchingSchußmann beschreibt in Kelten in Bayern (SchuKiBy S. 315) einen sog. Kuppelofen:

"Während das im Hauswerk erzeugte Geschirr bis in die Latènezeit hinein mit den seit Jahrtausenden bewährten und ohne größeren Aufwand zu bewerkstelligenden Methoden des offenen Feldbrandes, des Meiler- oder Grubenbrandes gebrannt wurde, sind seit der späten Urnenfelderzeit auch eigens errichte te Töpferöfen überliefert. Aus Bayern kennt man sie z. B. aus dem Altmühltal oder auch vom Hesselberg. Am besten erhalten und dokumentiert ist jedoch ein Ofenbefund, der im Winter 1975/76 beim Autobahnbau am Elchinger Kreuz nahe Neu-Ulm freigelegt werden konnte (Abb. 405). Es handelt sich um einen runden, freistehenden Kuppelofen, dessen Basis aus dem anstehenden Lösslehm herausgearbeitet worden war.

Kuppelofen

Darüber hatte man aus Rutenflechtwerk und Lehm eine nur 5 cm dicke Kuppel aufgebaut. Die Befeuerung erfolgte durch vier Schürlöcher, welche sich kreuzweise gegenüberlagen, doch waren diese nicht alle gleichzeitig, sondern je nach Windrichtung jeweils zwei sich gegenüberliegende Offnungen benutzt worden. Der Feuerungsraum, auch Hölle genannt, war zur Isolation unten mit dicken Gefäßscherben ausgelegt worden. Oben schloss ihn eine 5 cm starke Lochtenne aus Lehm mit rund 1 m Durchmesser ab. Sie diente als Boden der Brennkammer, durch deren zahlreiche Löcher die Hitze strömen konnte."

Leder- und Textilhandwerk

Diese beiden Handwerksarten, wie auch die verschiedenen Holzhandwerke haben naturgemäß für Archäologen kaum Spuren hinterlassen: Leder, Stoffe und Holz hinterlässt in den Bodenschichten höchstens dunkle Spuren, Rekontruktionen sind eher Modelle der Art: 'So könnt' es gewesen sein'. Einzig metallene Werkzeuge oder etwa einem Webstuhl zuordenbare Tongewichte zeugen von diesen Handwerksbetrieben, wie eben auch von Zimmereibetrieben für den Hausbau, Wagnereibetrieben für den Fuhrwerksbau usw. (SchuKiBy S. 321 f) 

Landwirtschaft

Mahlstein

 

Eigentlich ordnen wir 'Landwirtschaft' nicht unter "Handwerksbetrieb" ein, aber ganz sicher wurde die von der Landwirtschaft erzeugte Nahrung fast ausschießlich in Handarbeit hergestellt. Dabei waren die in der Eisenzeit hergestellten eisernen Pflugscharen gegenüber solche aus Bronze sicher in der Bodenbearbeitung von Vorteil, ebenso eiserne Sicheln aus der späten Hallstattzeit. Die damit eingebrachte Getreideernte wurde aber nicht zu Müllereibetrieben gebracht sondern 'im Haus' gelagert und auch vermahlen. In der keltischen Landwirschaft wurden lt Schußmann bereits Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferd gehalten, teils als Zugtier, teils als Nahrungsquelle. Das Schlachtender der Tiere erfolgte in ländlichen Gebieten sicherlich auch beim Haus im Dorf, in größeren Oppida vielleicht auch bereits von Wandermetzgern. (SchuKiBy S. 276 ff) Auch Hunde konnten in keltischen Siedlungen nachgewiesen werden.

 Kunst, auch Kunsthandwerk, Kultur

Nach Schußmann (SchuKiB S. 332) ist uns "zur Beurteilung des keltischen Kunstschaffens Erzeugnisse des Handwerks". Dabei soll nicht übersehen werden, dass das,"was Kunst sei", durch alle Zeiten umstritten war und bleiben wird: Versteht der 'Kunst schaffende' seine Tätigkeit als künstlerisch? Und: Begreift der Kunst-Konsument das Geschaffene auch tatsächlich als 'Kunst'?

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In diesem Beitrag wird diese Frage nicht geklärt werden können, vielmehr soll obige Bildstrecke einige der handwerklichen Erzeugnisse zeigen, welche ganz sicher weit über ihre Gebrauchsfunktion hinaus hergestellt worden sind. Leider gibt es wohl keine Möglichkeit, literarische oder musikalische keltische Werke erlebar zu machen, auch wenn manche aus schottischer Volks-Musik 'Keltisches' heraushören oder so manche Mythenerzählungen durchaus auf keltische Sagen zurückgehen mögen. 

Zum Video "Entspannungsmusik":
"Die keltische Musik ist eine umfangreiche Musikgattung, die als Volksmusik eingestuft wird und aus musikalischer Tradition der keltischen Völker hergeleitet wird, die hauptsächlich das Gebiet von heutigem Irland, Wales, Schottland, England, Bretagne, Galicien und Asturien bewohnten. Die heutige keltische Musik ist meistens Nachahmung der irischen und schottländischen Volksmusik, die manchmal mit Shantys durchsetzt wird. Eines der bekanntesten Musikstücke, die zu dieser Gattung zählen, ist die irische Volksmelodie "Whiskey in the Jar".

Entspannungsmusik kann in Verbindung mit Waldgeräuschen eine ruhige Atmosphäre schaffen, insbesondere wenn man unter einem hohen Stress steht. Zögern Sie bitte nicht, sich für einen Augenblick an einen bequemen Platz zu setzen, die Augen zu schließen und dank unserer Musik sich für eine Zeitlang von unangenehmen Gedanken loszureißen. Das Rauschen des fließenden Wassers, feine Regengeräusche und Vogelgesang helfen bei der Entspannung einer sogar am meisten ermüdeten Seele. Vergessen Sie nicht, dass die Wiederherstellung des Geistes genauso wichtig wie die Regeneration des Körpers ist."

Leider bleibt während der Musik der Komponist - falls es ihn überhaupt gibt (bei 'Volksmusik' ja eher nicht) - sowie die Ausführende ebenso im Dunklen wie die Beantwortung der Frage, ob Kelten überhaupt musiziert haben. Schußmann zeigt auf 30 Seiten "Kunst" in SchuKiBy m. W. kein einziges Musikinstrument ...

keltische Sagen


Nibelungenmuseum Aussenansicht Foto Stefan Blume 2 fb5e8488547c63cg34c53aad7dd5980bSollte jemand auf die Idee kommen, die - germanischen - Nibelungensagen auf keltische Sagen gründen zu wollen, so wird er den Nachweis wohl auf ewig schuldig bleiben müssen, handelt es sich bei den Nibelungensagen wohl um mittelalterliche Dichtung, und zwischen dem Verschwinden der Kelten und dem europäischen Mittelalter liegen einige Jahrhunderte und die Wirren der Völkerwanderung.

Cay Rademacher schreibt in GeoEpoche - Das Magazin für Geschichte - Link - über diese Saga: "Das Nibelungenlied wurde 1200 verfasst und scheint ein grausames Märchen zu sein. Und doch verbirgt sich hinter der Sage eine wahre Geschichte - vom Untergang zweier Germanenreiche".

Wer sich für die Nibelungensage wirklich interessiert müsste eigentlich nach Worms fahren: Link, aber dies wäre ein anderes Thema, auch wegen der Donaustadt Plattling mit seinen im zweijährigen Turnus stattfindenden Nibelungenfestspiele - 2020 .