Schon in der Frühzeit der Homininen konnten kultische Praktiken nachgewiesen werden. So ist nur zu verständlich, dass - hunderttausende von Jahren später - keltische Stämme auch zumindest bei der Bestattung ihrer Toten auf das "Jenseits" gerichtete Vorstellungen zur Tradition werden ließen. Sicherlich hatten aber jenseitige Vorstellungen Einfluss auf "Fest und Feier".
 
  • FurstengrabMitgift fürs Leben nach dem Tod für den "Fürsten von Hochdorf" - reiche archäologische Funde in ganz Bayern und darüber hinaus
  • Nachweis kultischer Feste anl. Yul-Fest (Wintersonnenwende) bereits zu Zeiten der neolithischen Revolution vor ca 8000 Jahren
  • keltischer Götterhimmel dicht besiedelt mit hunderten von Göttern, männlich und weiblich

Bildschirmfoto 2019 12 21 um 15.11.58Knochenflöte in der Gudenushöhle, weit vor keltischen Zeiten niedergelegt.

Besonders prächtig wurde der 'Keltenfürst' von Hochdorf bestattet:

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In diesem Beitrag - geschrieben um Weihnachten 2019 -  soll also sowohl kultischen Feiern nachgespürt werden als auch Jenseitsvorstellung und vielleicht sogar ein 'Götterhimmel' gesucht werden:

  • 12.000 Jahre Weihnachten:
    Sicherlich provoziert Gerald Huber mit diesem Buchtitel, wurde Christus doch erst vor gut 2000 Jahren geboren. Wer feierte damals also Weihnachten? Die Kelten sicher auch nicht, denn die Christianisierung des Abendlandes erfolgte ja noch später, vielleicht vor gut 1000 Jahren! Doch der Historiker Gerald Huber weiß, was er schreibt: Etwa 10.000 Jahre vor Christi Geburt lernten die aus dem Vorderen Orient zugewanderten Jäger und Sammler in der neolithischen Revolution Ackerbau und wurden etwa in Anatolien sesshaft. In Göbelki Tepe wurde nach der am verbreitetsten Hypothese ein steinzeitliches Bergheiligtum freigelegt.
    Sicher weit vor dem Herstellungszeit etwa 2000 v. Chr. der Himmelsscheibe von Nebra konnten kundige Menschen den Lauf der Sonne vorhersagen und somit zur Wintersonnenwende die Wiedergeburt des Sonnenlichts feiern. Gut tausend Jahre später war dieses Wissen in der Region der Kelten sicher noch bekannt. Also gab es - so ist zu vermuten - in den Tagen der längsten Nacht und des kürzesten Tages ein keltisches Tag- und Nacht-Weihefest. Dieses Fest wird besonders in nordischen Ländern heute noch als YUL-Fest gefeiert. Laut Wilhelm Mannhardt (1831-1880, dt. Volkskundler, Mythologe und Bibliothekar), einem der Begründer der modernen Mythenforschung, wurde „bei der Einführung des Christenthums unter allen deutschen Stämmen das Julfest mit dem Christfeste vertauscht“ und mit dem Inhalt der neuen Religion erfüllt, wobei sich viele heidnische Festbräuche erhielten. Aber ursprünglich feierte das YUL-Fest ganz sicher das Wiedererscheinen der Sonne nach sonnenlosen Tagen nördlich des Polarkreises. Vgl. Gerald Huber: 12.000 Jahre Weihnachten, S. 24, 26, 30 uvam - oder: Link, BR-Video verfügbar bis: 27.11.2020 ∙ 10:10 Uhr

  • Schußmann bemüht sich in seinem Kapitel "Religion" (SchuKiBy S. 364ff) kenntnisreich, keltisches 'religiöses' Brauchtum aus archäologischen Befunden - obwohl relativ dünn gesät -  herauszulesen:
    • Die bei Neuburg a. d. Donau und am Osterstein bei Finningen freigelegten Brandopferplätze haben in der Bronze- und Urnenfelderzeit wohl größere Bedeutung gehabt. Schußmann zitiert K. Spindler:
      "Die frühen Kelten übernahmen die Rituale von ihren Altvorderen und übten Bräuche nach überkommener Sitte aus ... Die jeweils exponierte Lage der Opferstellen wie auch die Übergbe der Spenden im emporsteigenden Flammenrauch weisen auf eine Verehrung überirdischer, himmlischer Götter hin." Geopfert wurden wohl auch ausgewählte Tiere, vielleicht auch Menschen.
    • Bisweilen können auch sogenannte Scherbentrümmerplätze freigelegt werden. Dabei handelt es sich um dichte Scherbenpflaster oder Scherbenpackungen mit oft auffällig klein zerscherbter Keramik.
    • "Am meisten über religiöse Vorstellungen der Hallstattzeit verraten uns die Bestattungs- und Beigabensitten. ... Bestimmend war hier zuerst der Glaube an das Weiterleben der Verstorbenen in einer jenseitigen Welt. Wie auch immer man sich diese vorstellte und ob man eine Totenreise dorthin für nötig erachtete – der Darstellung der sozialen Stellung maß man höchste Priorität bei. Durch die umfänglichen Grabbeigaben und aufwändigen Grabhügelmonumente kennzeichnete man die Toten auf der einen Seite als Krieger oder reiche Damen, als prestigeträchtige Wagenfahrer oder auch als Gastgeber, deren Einfluss sich am Umfang des Speise- und Trankservices ablesen ließ und auf der anderen Seite durch einfache, beigabenarme oder -lose Bestattungen als abhängige oder minder begüterte Personen mit einer untergeordneten sozialen Position. Gleichzeitig könnten Speise- und Wagenbeigabe aber auch als Wegzehrung und Transport mittel für die Reise ins Jenseits aufgefasst worden sein. Ungeachtet dessen verdeutlicht das Vorkommen von Brand- und Körperbestattungen, dass man sich die neue jenseitige Existenz auch in anderen physischen Erscheinungsformen vorstellen konnte. Man fühlt sich unmittelbar an die freilich nicht zeitgenössischen Überlieferungen des Diodorus Siculus erin nert, der berichtet, dass die Kelten an die Unsterblichkeit der Seele und an eine spätere Wiedergeburt glaubten." (SchuKiBy S. 366)
    • Der keltische Götterhimmel ist im Wesentlichen aus römischen Quellen überliefert: "Den Großteil des umfangreichen keltischen Pantheons werden sicherlich Gottheiten mit lokaler oder vielleicht auch regionaler Bedeutung und Bekanntheit ausgemacht haben. Einigen kam jedoch auch allgemeine Verehrung zu. „Alle Gallier rühmen sich von Dis Pater abzustammen und sagen, dies sei ihnen von den Druiden überliefert wor den ... Von den Göttern verehren sie am meisten Merkur. Von ihm gibt es die meisten Bilder, ihn hält man für den Erfinder aller Künste und einen Führer auf Wegen und Reisen. Man glaubt, er habe in Geld- und Handelsangelegenheiten den größten Einfluss. Nach ihm kommen Apollo, Mars, Jupiter und Minerva. Von diesen haben sie fast dieselbe Auffassung wie andere Völker: Apollo vertreibe Krankheiten, Minerva lehre die Anfänge des Handwerks und der Künste, Jupiter habe die Herrschaft über die Himmel, und Mars lenke die Kriege“, fasst Caesar zusammen, leider aber ohne die einheimischen Namen zu überliefern. Daher wird Dis Pater von verschiedenen Forschern mit den keltischen Gottheiten Taranis, Sucellos oder auch Cernunnos gleichgesetzt, Merkur und ebenso Mars mit Teutates oder Esus sowie Apollo u. a. mit Grannus und zahlreichen Lokalgottheiten. Diese Uneindeutigkeit hat ihre Ursache sicherlich nicht nur in der widersprüchlichen Quellenlage, sondern auch in den variierenden Aspekten und Zu ständigkeiten keltischer Gottheiten, denen die knappe Aufzählung Caesars sicherlich nicht gerecht wird. Keltische Gottheiten wurden häufig als Götterpaare verehrt, wodurch ihre zentrale Rolle als Spender der Fruchtbarkeit unterstrichen wird." (SchuKiBy S. 379)
      Die Webseite: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_keltischer_Götter_und_Sagengestalten benennt für das Festland-Celtikum mehr als 100 männliche Gottheiten, u. a. für Noricum und Ost-Celtikum:
      Latobius (Heil-, Hirten- und Totengott), Adsalluta (Flussgöttin, Göttin der Stromschnellen), Noreia (Mutter-, Bergbau- und Landesgöttin), Vibes (Quellgottheiten), Danuvius (Flussgottheit), Bussumarius (Sonnen- und Stammesgottheit).