Hungerstein Pfelling

Der Sommer 2018 brachte ihn an den Tag - den uralten Zeugen des Donaurandbruches. Uralt, weil er noch zum Grundgebirge des bayerischen Waldes gehört, dieser wiederum zur Böhmischen Masse, und diese wiederum ist Teil der variszischen Gebirgsbildung, welche selber an die 300 Mio Jahre alt ist. Hungersteine selber sind in Wikipedia ausführlich dokumentiert: Link.

Den Pfellinger Hungerstein hat der Autor dieses Beitrages bekannt gemacht, denn seit Jahrzehnten ward er nicht mehr gesehen. Zusammen mit Franz Hanner hat er ihn auch filmisch dokumentiert, in voller Größe hier: Link.

Für eine geplante Hinweisetafel bei Donau km 2003,9 beschreibt Hermann Mayer das Auftauchen des urtümlichen Zeugen so:

Winzergestein"Sie verweilen hier am westlichen Beginn des größten deutschen Donaubogens, der weit nach Süden ausschweift. In seinem Kurvenradius liegt der sog. Sulzbachpolder, der den Gäuboden vom Bayerischen Wald abgrenzt. Ein herrlicher Ausblick auf die Donau und den „Heiligen Berg“ Niederbayerns eröffnet sich Ihrem Auge. Geologisch gesehen befinden Sie sich am Donaurandbruch, einer der bedeutendsten Bruchlinien in der Erdkruste Mitteleuropas, an der eine beeindruckende Erdgeschichte geschrieben wurde. Einige wenige Schritte (Donau KM 2003,9) bringen Sie zu den Felsformationen in der Donau, wo der Donaurandbruch sichtbar zutage tritt und als körniger, hellgraugrüner sog. „Winzergneis“ (bei über 500 °C umgeformter Perlgneis) ansteht. Auch der Bogenberg ist ein Zeuge dieser Störungszone und baut sich ebenfalls aus dem gleichen aus dem gleichen Gestein auf. 

Hungersteine – Mahnmale für Missernte und Hungersnot


Felsen, die bei extremem Niedrigwasser aus den Flüssen ragen, waren einst Vorboten für schlechte Zeiten. Die Geschichte der Hungersteine reicht weit zurück (z.B. Inschrift von 1417) und hat vor allem an der Elbe und am Rhein Tradition. Neben der eingemeißelten Jahreszahl liest man häufig Sprüche wie „Wenn du mich siehst, dann weine“, die auf bevorstehende Hungersnöte hinweisen. Sie stellen eigentlich eine erste meteorologische Chronik der niedrigsten Wasserstände in den dürrsten Jahren dar.

Hungerstein

 Am 23. August 2018 ragte der bemooste Felsrücken, ein Teil der anstehenden Felsformation des Donaurandbruches, nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche. Der Pegel Pfelling zeigte mit 2,25 m einen historischen Niedrigwasserstand an und die Abflussmenge betrug 145 m³/s (Durchschnitt 456 m³)*. Im extrem trockenen Jahr 1947 war der Pegel Pfelling am 25. September mit 2,30 m etwas höher, obwohl die damalige Abflussmenge nur 113 m³ betrug (wsv.de.). GravurDa der Wetterbericht Regen vorhersagte, wurde am 24. August in einer Eilaktion die Jahreszahl 2018 eingraviert und der Hungerstein war „geboren“. Nur wenige Stunden später tauchte der Stein wieder in den Fluten der Donau unter. Am 21. Oktober zeigte er sich wiederum für ein paar Stunden (siehe Drohnenfoto). DrohnenFotoDonauBis zum Jahresende war er anschließend nicht mehr zu sehen. Wie gewaltig die Dynamik eines frei fließenden Flusses ist, mag folgender Vergleich deutlich machen:Beim katastrophalen Hochwasser im Jahr 2013 stand über unserem Hungerstein eine Wassersäule von mehr als 6,7 m und mit über 3100 m³/s war die abfließende Wassermenge mehr als das Zwanzigfache im Vergleich zum 23. August 2018.

Bei mittlerem Wasserstand reicht die Wasserfläche bis zu den baumbestandenen Ufern. Die Buhnen und die Buhnenfelder sind überflutet. In Hochwassersituationen breitet sich der Fluss bis an die jeweiligen links- und rechtsseitigen Deiche aus. 

Hochwasser2013

Beim Junihochwasser des Jahres 2013 reichte das Wasser am linken Donaudamm bis ca. 50 cm unterhalb der Deichkrone. Der Damm drohte zu brechen. Nur mit Müh und Not konnten fleißige, wagemutige Helfer den Deich halten. Das linksseitige Donauhinterland, der sog. Polder Sulzbach, wäre meterhoch überflutet gewesen. Mensch, Tier und Gebäude entgingen nur knapp einer unvorstellbaren Katastrophe. 

Sulzbachpolder

 

Wie wenig Wasser die Donau im Sommer und im Herbst 2018 führte, zeigt eindrucksvoll das Drohnenfoto oben. Die Buhnenfelder am rechten Donauufer sind überwiegend trocken-gefallen und die sandigen Ablagerungen zeigen Strukturen, die das fließende Wasser geschaffen hat. In den linksseitigen Buhnenfeldern erkennt man die Tiefenabstufungen im Wasser mit teilweisem Bodenbewuchs und durchschimmernden Felsbänken des Donaurandbruches. Selbst der kiesige Untergrund im Strombett sowie weitere kleine Felsrücken lassen sich im klaren Wasser erkennen. Die garantierte Fahrrinnentiefe für die Schifffahrt wurde zu diesem Zeitpunkt mit ca. 1,3 m angegeben, wohingegen die wirkliche Wassertiefe etwa 1,8 m betrug. Man konnte zwar nicht quer durch die Donau gehen aber um zu Schwimmen musste man bis zum „Dampfergraben“ waten."

*Hochwassernachrichtendienst Bayern (Jahresreihe 1926 – 2012)
Idee, Text, Fotos: Hermann Mayer, Bogen