KapfingerHans Kapfinger, geb. 1902, gest. 1985 in Passau, war ab Februar 1946 Herausgeber und Verleger der Passauer Neuen Presse. Er besuchte das Gymnasium Leopoldinum in Passau als auch das Gymnasium im Kloster Schweiklberg und studierte Philosophie, Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in München. 1927 wurde er mit einer Arbeit über den politischen Katholizismus zum Dr. phil. promoviert. Kapfinger arbeitete danach ab 1927 als Redakteur beim Straubinger Tagblatt. Im Mai 1933 wurde er wegen antinationalistischer Gesinnung nach einem Artikel beim Straubinger Tagblatt in Schutzhaft genommen. Kapfinger hatte in seinem Artikel geschrieben, man solle das Kabinett von Adolf Hitler auf dessen Geisteszustand untersuchen. Er wurde wieder freigelassen. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er Vertriebs-, Anzeigen-, und Werbeleiter in Coburg, Bamberg, Lichtenfels, Leipzig und Berlin.

Zweifelhaft erscheint Kapfingers Rolle im Dritten Reich. Er soll Grundstücke jüdischer Eigentümer, die im Rahmen der „Arisierung“ beschlagnahmt worden waren, unter Marktwert erworben haben. Laut einem rechtskräftigen Urteil des Amtsgerichts München ist es erweislich wahr, dass Kapfinger sich als „Angehöriger eines bevorzugten Personenkreises an beschlagnahmtem jüdischen Besitz bereichert“ habe. In einem anderen Urteil hat das Landgericht Passau die von dem damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt aufgestellten Behauptungen, „daß Kapfinger sich damals (nach dem Einmarsch der Russen) aus den Häusern ehemaliger Nationalsozialisten wertvolle Möbel, Teppiche und sonstige Einrichtungsgegenstände in sein Haus tragen ließ“, als erwiesen bestätigt.

Kapfingers kämpferisches Eintreten für konservativ-katholische Werte rief den Widerspruch liberaler Kreise hervor. Der Verleger galt in Bayern lange Jahre als Prototyp des klerikalen Konservativen. Er unterstützte in seinen Zeitungsartikeln die Politik von Bundeskanzler Konrad Adenauer. 1960 trat er als Chefredakteur zurück, blieb aber weiterhin Herausgeber. 1961 wurde ihm eine Verstrickung in die Fibag-Affäre nachgesagt. 1961/62 gab er in München das Nachrichtenmagazin Aktuell heraus. Dies war als Konkurrenz zum Nachrichtenmagazin Der Spiegel gedacht, der auf dessen Titelseite der Ausgabe 11 vom 14. März 1962 Kapfinger abbildete.

Nach dem Tod Kapfingers 1985 veränderte die "Katholenprawda" (wie die "Passauer Neue Presse" von der "Süddeutschen Zeitung" tituliert wurde) ihr Gesicht, wurde aufgeschlossener, farbiger und unterhaltsamer. Die Kontrolle über das Unternehmen ging auf zwei Gesellschaftergruppen über: auf den Sohn Heinz Kapfinger (geb. 1934) und Edith Berger-Kapfinger (1923-2009), die Witwe des Gründers, sowie deren Tochter Angelika Diekmann. Seit 2002 werden alle Anteile von der Familie Diekmann gehalten.
Die "Passauer Neue Presse" erscheint heute (2013) in einer verkauften Auflage von 165.000 Exemplaren. Herausgeberin ist Simone Tucci-Diekmann (geb. 1973). Zum Verbreitungsgebiet der Zeitung gehört außerhalb des östlichen und südöstlichen Niederbayerns auch der Landkreis Altötting.

Quellen:
Markus Wennerhold, Passauer Neue Presse, publiziert am 03.09.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns - Link

Wikipedia - "Hans Kapfinger", abgerufen am 11. August 2019, 9 Uhr