Literatur

Bildschirmfoto 2018 11 07 um 07.53.04aus dem Vorwort:
Ja, die Erde hat Mensch – und wie! Mehr als sieben Milliarden von uns tummeln sich auf ihrer Oberfläche und tun das, was uns offenbar von der Evolution in die Wiege gelegt wurde: Wir verändern unsere Welt, weil wir es können. Inzwischen hat dieser globale, kollektive Veränderungsprozess eine Intensität und räumliche Dimension erreicht, dass man bereits ein Erdzeitalter nach uns benennt. Das Anthropozän. Selbst in ferner Zukunft wird man nämlich unsere Spuren im Erdboden nachweisen können.

Bildschirmfoto 2018 11 07 um 08.03.00In typischer Leschscher Manier - "Ich komme nicht darum herum." beschreiben die Autoren die Wege des Homo sapiens aus Afrika in Welt hinaus, dabei auch die Vertreibung oder Ausrottung unseres nächstens verwandten Hominiden, den Neandertaler. Bisweilen wird das Buch sogar thelogisch, wenn etwa in einem Einschub Landesbischof Bedford-Strohm über das Mißverständis von "Macht euch die Erde untertan." nachdenkt.

Also: absolut lesenswert!

aktueller (Nov 2018) Bestell-Link bei Amazon: Link

 

mp3-Audio-Datei des Ratsches mit Michael Hafner am 18. September 2018 in "Habe die Ehre" zum Abspielen im eigenen Browser: Link

Das Browserfenster kann man dabei sehr klein machen:

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Am Samstag, 12. Mai 2018, veranstaltete der Herausgeber von RePaLi in der Gemeindebücherei der Alten Schule in Steinach in Autorenlesung mit Bernhard Setzwein aus seinem Roman "Der böhmische Samurai".

Bernhard Setzwein erzählt die staunenswerte Geschichte eines echten Aristokraten, der in den 50er und 60er Jahren in Regensburg durch sein exzentrisches Auftreten einiges an Aufsehen erregte. Aber auch das Leben und die Ideen seines Bruders Richard Nikolaus von Codenhove-Kalergi nahmen breiten Raum ein, auch weil das Stammschloss der Codenhove-Kalergi - Schloss Ronsperg in Ronsperg, heute Poběžovice, nur knapp 100 Kilometer im Böhmerwald in Tschechien auf den sanft geschwungenen Hügeln der sog. "Böhmischen Masse" liegt. Diese uralte geologische Formation ist ja sozusagen der Urgrund für das Entstehen des Donaurandbruches. Dies und die große Bedeutung der Paneuropa-Idee des Richard Nikolaus von Codenhove-Kalergi führten zur Aufnahme des Richard Codenhove in die Liste der Menschen "Recht schaffende" in RePaLi.

In dieser Autorenlesung - siehe Webseite/Archiv des Vereins Link - spielten auch paneuropäische Ideen eine größere Rolle. Dies und anderes war Grund genug, in den heißen Augusttagen des Jahres 2018 die in Kapitel 1 beschreibene Fahrt in Land der Choden der deutsch-böhmischen Grenze nach Ronsperg, heute Poběžovice, zu organisieren. Dankenswerter Weise stellte sich Karl Reitmeier, Journalist und kenntnisreicher Förderer der deutsch-tschechischen Freundschaft sowie leidenschaftlicher Kämpfer für den Erhalt des Schlosses Rondsperg, als Reisebegleiter und verschaffte Zugänge, welche überlichweise verschlossen sind. Und deshalb ist "Zurück in die Zukunft" wohl ein passender Titel dieses Reiseberichts:

 

 Zurück in die Zukunft

Kap. 1: Svíčková na smetaně und Liwanzen

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Vom Sitz des "Schlichtvereins" im niederbayerischen Steinach fuhr natürlich ein Skoda Fabia uns - Ulli & Irmi und Karl & Irmi - ganz gemütlich Richtung Furth i. W. und gänzlich unbehelligt über die Grenze von Deutschland nach Tschechien, zunächst nach Trhanov.
Diese ersten ca zehn Kilometer können einen überzeugten Europäer dann schon verunsichern: Liegt es daran, dass Tschechien noch nicht den Euro eingeführt hat und deshalb das Lohnniveau von allerlei Gewerbe deshalb sehr tief liegt? Oder an der post-kommunistischen Zeit, als nach 1990 sogenannte Vietnamesen-Märkte wie Pilze aus dem Boden wuchsen und vermeintliche Schnäppchen boten? Oder an der Spielsucht der Bayern, welche schon lange nicht mehr durch Schafkopf'n oder Watt'n oder Wallach'n befriedigt werden kann?
Egal, wir richteten unsere Blicke sturstracks gerade aus und steuerten Trhanov des billigen Bezins wegen an.
 
 
 
 

 

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Nach dem Tanken - der Benzinpreis für 'Natural 95' lag bei ca 33 Kc, also ca 1.30 € gegen ca 1.47 €/l in Bayern - ging's ins Lokal Sveta Jana - zum Hl. Johannes. Die Überraschung war groß, als der Fischteich gleich unterhalb des Restaurants eine violett blühende, duftende Springkrautwiese war. Dass da mal ein Fischteich war wusste Ulli, ob er abgelassen, ausgetrocknet oder aufgegeben worden war konnten wir nicht rauskriegen. Die wochenlangen Temperaturen von mehr als 30 °C hatten ihm wohl den Garaus gemacht. Schade.
 

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Doch die böhmischen Köstlichkeiten waren dann doch keine Überraschung: Svíčková na smetaně, Dunkelbier und Liwanzen waren keine, sondern eine wahre Gaumenfreude, der historische 'Theatersaal" des Restaurants dann doch wieder eine. Man sollte da mal mit einer Truppe, böhmisch-bayerisches Liedgut im Gepäck, hinfahren. 
Gut gespeist also ging's Richtung Blick über das Land der Choden mit dem Wächter auf dem Sockel zum Aussichtspunkt Chodska Chalupa.

 

Welch großartige Fernsicht bis Domažlice. Die Choden sind ein doch ganz besonderer Volksstamm, Untertanen der königlichen Güter Přimda (Pfraumberg), Tachov (Tachau) und Taus (Domažlice), waren weitgehend bäuerlichen Standes.

ChodskaCalupa

Ihre Dörfer entstanden überwiegend im 13. Jahrhundert. Die Könige von Böhmen übertrugen ihnen ab dem 14. Jahrhundert Wachdienste an der Landesgrenze zu Niederbayern und der Oberpfalz. Dafür erhielten die Choden Sonderrechte, eigene Wappen, Siegel und Standarten, die sie in bewaffneten Konflikten mit der Obrigkeit bis in das 18. Jahrhundert hinein selbstbewusst verteidigten. Von der Funktion als Grenzwächter stammt die heutige Bezeichnung der Volksgruppe der Choden, chodit bedeutet gehen insbesondere im Sinne von patrouillieren. Der Name Choden ist erstmals im 14. Jahrhundert in der Dalimil-Chronik und deren deutscher Übersetzung Di tutsch kronik von Behem lant belegt. (Quelle: Wikipedia)

  

 

MusikantenTrachtDie Musik der berühmtesten chodischen Musikgruppe, Leitung Antonin Konrady, hat der tschechische Rundfunk etwa im Jahr 2012 so vorgestellt: 

 

 

 

konrady antoninx"Im westlichen Grenzland Böhmens liegt eine Region, die sich als die einzige Gegend in Böhmen bis heute ihre folkloristischen Besonderheiten wie Trachten und Mundart gewissermaßen bewahrt hat. Zu ihren Traditionen gehört aber insbesondere die Dudelsackmusik mit ihrem typischen Gesang und Tanz. Die Region heißt Chodsko / Chodenland und ihr Zentrum ist die Stadt Domažlice / Taus. 1955 wurde dort von dem heute 81-jährigen Antonín Konrády die Dudelsack-Kapelle gegründet, die bis heute zu den führenden Ensembles dieses Genres zählt. Die Konrády-Kapelle hat bislang mehr als 600 Chodenland-Volkslieder und Kompositionen im Rundfunkstudio aufgenommen."

 

 Seit einigen Jahren hat sich jahrzehnte lange Trennung der nicht nur der bay. und tschechischen Choden erledigt, hin- und herüber wandern Musikanten, Brauchtum wird gemeinsam gepflegt, etwa bei alljährlichen Chodenfest Anfang August. Eines der unzähligen wunderbaren Beispiele ist etwa ein bayerisch-tschechischer Volkstanz in der "Pasinger Fabrik" im Jahre 2017. Die Musik lieferte der "Niederbayerische Musikantenstammtisch" und "Konrádys Dudelsackmusik". Letztere sind heute neben dem Gründer Antonín Konrády (Dudelsack) und dessen Sohn Vlastimil (B-Klarinette) mit Roman Kaas (Es-Klarinette), Jaroslav Lucák (Geige), Václav Svík (Dudelsack, Sänger) und Zdeněk Bláha (Dudelsack, Kontrabass) besetzt. Josef Zapf und seine Niederbayerischen Musikanten sind eine Gruppe junger Leute aus Niederbayern und der Oberpfalz, die seit 2003 gemeinsam Musik machen – frisch, spontan und vor allem tanzbar. Sie treten in verschiedenen Zusammensetzungen auf (von zwei bis zehn Musikanten).

Beide Gruppen spielten mit ihren regional-typischen Stilrichtungen erstmals gemeinsam zum Tanz auf und stellten so die musikalische Nachbarschaft von Bayern und Böhmen unter Beweis: Siehe und höre die beiden youtube-Videos:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Barockkirche Mariae Geburt

 Also dann, weiter geht es nach Domažlice, früher Taus. Dieses Mal stehen zwei höchst gegensätzliche 'Besuche' an: Leider steht in der Kirche Maria Geburt eine Gerüst, welches die prächtige Apsis vollständig verdeckt. Das GEO-Foto möge entschädigen. Baumeister dieses beeindruckenden Bauwerks aus der Barockzeit war Kilian Ignaz Dientzenhofer, welcher nach einem verheerenden Stadtbrand das Kirchenschiff um 1747 erbaute. 

Kilian Ignaz Dientzenhofer, auch Dienzenhofer, tschechisch Kilián Ignác Dientzenhofer (* 1. September 1689 in Prag; † 18. Dezember 1751 ebenda) war ein Baumeister des böhmischen Spätbarock aus der deutschen Künstlerfamilie Dientzenhofer.

Er entwarf und baute eine unübersehbare Zahl von Sakral- und Profanbauten in Böhmen, Mähren und Schlesien. Das Prager Panorama ist von seiner Architektur geprägt.

Hauptwerk Kilian Ignaz Dientzenhofers ist zweifellos die Vollendung der Kirche St. Nikolaus auf der Prager Kleinseite. Bereits Dientzenhofers Vater Christoph hatte 1703–1711 Fassade und Langhaus aufgeführt, nun lag es am Sohn, den Bau seinem krönenden Abschluß zuzuführen. Ab 1739 entstand der Chor mit der imposanten Kuppel, ein in seltener Virtuosität ausgeführtes Werk, das sich durch Monumentalität der Raumwirkung und weitgehenden Verzicht auf ornamentale Überladung auszeichnet.

Link - fehlt noch - zur römisch-katholischen Gemeinde Domažlice: offizielle Website der römisch-katholischen Pfarrei Domažlice - natürlich in tschechischer Sprache, mit sehr fragwürdiger deutscher Google-Übersetzung.

 

 

 

Domazlice

Leider blieb uns in Domažlice nur wenig Zeit für diesen wunderbaren ersten Besuchsort.

MetzgereiTausDer zweite 'Besuchsort' findet sich in jenen heißen Augusttagen des Jahres 2018 unter den Arcaden auf der Südseite des Stadtplatzes von Domazlice. Ohne Namensnennung der Besitzers und der Besucher hier ein Bild - incl. Spiegelung auf die Nordseite des Stadtplatzes

Diese Köstlichkeiten sollten bei der Nachlese der höchst informativen Fahrt die Erinnerungen auffrischen helfen. Von da aus führte die Reise zum Stammschloss der Codenhove-Kalergi, Schloss Ronsperg.

 

 

postrekov muzeum

Bei einem früheren Besuch hatten wir in Postřekov ( Possigau) ein wunderbares kleines "Museum der Trachten", vorwiegend mit Hochzeitsgewand, entdeckt. Eine liebe, ältere Frau hat es nur für meine Frau und mich aufgesperrt und hat uns einiges über Hochzeitsbräuche im Chodenland erzählt.

 

 

 

Muzeum

Das Museum in Postřekov wurde dank zweier lokaler Näherinnen eröffnet. Marie Langová und Anna Burešová versammeln sich hier aus dem Dorf Chodska und sehen echte Juwelen. Das Museum umfasst neben vierzig kompletten Kostümen auch Accessoires, Geschirr, Möbel und andere Haushaltsgeräte: Link

 

     

 

Auf dem Weg nach Ronsperg hätten wir nur links nach diesem Postrekov, einem auch wg. seines Faschings bekannten Orte, abbiegen können, wollten aber endlich das eigentliche Ziel unsere Reise erreichen, auch und besonders wg. Graf Dr. Richard Nikolaus von Codenhove-Kalergie, Begründer der heute wenigstens in Ansätzen verwirklichten europäischen Union:

BriefmarkeRNGrafCodenhofe

Höflichkeit ist die große Erzieherin zur Menschlichkeit.
Sie gewöhnt den Menschen an Form, Takt, Rücksicht.
So gestaltet und verfeinert sie seine Seele.
(Graf Dr. Richard Nikolaus von Codenhove-Kalergi)

erster Träger des Aachener Karls-Preises - Link,  siehe auch Mensch - Menschen Recht schaffend: Link

 

Dort erwartete uns der kenntnisreiche Karl Reitmeier, Journalist und unermüdlicher Ideengeber für den Erhalt des Schlosses Ronsperg. Ihm war es auch zu verdanken, dass wir Zugang in das Schloss bekamen, oft mit dem Hinweis versehen: Bitte hier nicht darauf treten, weil ..." 

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Ja weil das Schloss in einem höchst bedauernswerten Zustand ist: Die Stufen der eigentlich grandiosen Eingangstreppe wackeln bedenklich, die Eichenbohlen der Treppe in das erste Obergeschoss sind tief ausgetreten, in den ersten Zimmern bröckelt der Putz von den Wänden, der Fußboden ist löcherig,

 

 

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in einem Übergangsbereich zu einer Hauskapelle schaut der Himmel herein - wenn es regnet, dann Regentropfen.

Da ist es unter gesellschaftspolitischen Aspekte tatsächlich interessant, die Geschichte beider Schlösser in Steinach und Ronsperg in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gemeinsam zu betrachten. 
Das Steinacher Schloss , errichtet um 1549 von der damalige Herrschaftinhaberin und Ritterswitwe Anna von der Wart aus den Bruchsteinen der alten Burg, war bis in die 60er Jahre im Besitz derer von Schmieder, welche in den reichen Besitztümern Land- und Forstwirtschaft, aber auch Saatzucht betrieben.

 

Schloss KopieSommernachtstanzSchlossSteinach

Nach mehreren Besitzerwechseln wurde Mitte der 80er Jahre Schloss Steinach in ein Jagd- und Schlosshotel umgestaltet. Obwohl nicht wirklich erfolgreich - auch nach der Nutzung als Reha-Klinik -  war die Sanierung und Umgestaltung von durchaus so hoher Qualtät, dass die heutigen Besitzer, die Familie Lindinger, das Schloss Steinach für Wohnzwecke umwidmen konnten. Zur Zeit wird das Restaurant im Sektor "Eventgastronomie" genutzt. Unter gesellschaftspolitischen Aspekten war also wahrscheinlich das westliche, freie Unternehmertum der Garant für den Erhalt dieses doch beeindruckenden Bauwerkes, auch wenn die verschiedenen Nutzungen durchaus kritisch gesehen wurden und werden, sicher nicht die Nutzung beim Sommernachtstanz des Musikvereins Steinach-Münster in den 80er Jahren.

 

Schloss Ronsperg liegt in der tschechischen Gemeinde Poběžovice. 

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Die erste Erwähnung von Poběžovice steht im Zusammenhang mit Zdeněk von Poběžovice, der in den Jahren 1359–1373 belegt ist. 1424 wurde der Ort zum Marktflecken erhoben und 1502 zur Stadt. In dieser Zeit erbaute der Besitzer Dobrohost von Poběžovice auch die Burg und eine Kirche und benannte die Stadt in Ronšperk (deutsch Ronsperg) um. Die Kirche fiel der Feuersbrunst von 1632 zum Opfer und wurde anschließend in ihrer heutigen Gestalt neu errichtet.
Von 1542 bis 1621 gehörte die Stadt den Herren von Schwanberg (Švamberk), später den Herren von Wunschwitz und im 19. Jahrhundert den Grafen von Thun und Hohenstein. In der Habsburgermonarchie war Ronsperg ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Ronsperg) im Bezirk Bischofteinitz. Der Gerichtsbezirk Ronsperg war deutschsprachig.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Region der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens von 1938 wurde Ronsperg dem Deutschen Reich angegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Bischofteinitz, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.
Bis 1945 war das Schloss Ronsperg Sitz der Reichsgrafen von Coudenhove-Kalergi. Die bis 1945 überwiegend deutsche Bevölkerung wurde fast vollständig vertrieben.

 

Der bekannte Komponist Bedrich Smetana wirkte als Musiklehrer in Ronsperg und der Proto-Typ des Brückenheiligen St. Johannes ist durch den Bildhauer Jan Brokoff ebenfalls in Ronsperg entstanden. Da wundern sich natürlich viele, warum bei solchen bedeutenden Persönlichkeiten das Schloss in Pobežovice noch immer auf seine Renovierung wartet.

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 Im Jahre 2016, anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des ersten Paneuropa-Kongresses in Wien im Jahre 1926, titelte die Mittelbayerische Zeitung in der Ausgabe vom 6. August 2016: "Letzte Chance für Schloss Ronsperg". Da kann man lesen:
"Der Vorsitzende der Paneuropa-Union Deutschland und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie Ex-Europa-Abgeordnete bemüht sich derzeit intensiv um die Sanierung von Schloss Ronsperg, in dem der Begründer der europäischen Idee, Richard Nikolaus Coudenhove Kalergi aufgewachsen ist.
Posselt ist momentan dabei, Nägel mit Köpfen zu machen. So hat er kürzlich Tschechiens Kultusminister Daniel Herman besucht, um diesem die Bedeutung von Ronsperg zu erläutern. Das Gespräch ist sehr positiv verlaufen, und jetzt wartet Herman auf eine schriftliche Einladung von Bürgermeister Hynek Ríha, um sich vor Ort einen Eindruck zu machen."

 

 

 

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Unterdessen laufen bereits die weiteren Schritte: Für den 25. und 26. Oktober hat Berend Posselt Bürgermeister Ríha sowie die Vorsitzende des Vereins Pobežovice – Ronsperg“, Jana Podskalska, und deren Stellvertreter Karl Reitmeier zu einem Besuch in das Europäische Parlament nach Straßburg eingeladen, wo sie im Rahmen einer Präsentation die Politiker von der Notwendigkeit der Renovierung des Schlosses überzeugen sollen.
Noch wenige Stunden vor seinem Besuch bei Tschechiens Kultusminister Daniel Herman war Bernd Posselt in Begleitung seiner Referentin Stephanie Waldburg und des Bundesgeschäftsführers Johannes Kijas von der Paneuropa Union Deutschland nach Pobežovice gekommen, um ein Gespräch mit Bürgermeister und Verein zu führen, vertreten durch die Vorsitzende Jana Podskalská und deren Stellvertreter Karl Reitmeier. In dieser Runde wollte er zum einen über seine Ideen informieren und zum anderen die weiteren Schritte ausloten."

 

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Leider konnte uns der oben erwähnte Karl Reitmeier von keiner weiteren positiven Entwicklung berichten. Nach anfänglichen, sehr engagierten Projekten, geht der Verfall weiter: Durch's Dach tropft der Regen, die Statik wird täglich instabiler, der Zugang ist verbarrikatiert, es herrscht Funkstille von fast allen Seiten.

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Nach der doch traurig stimmenden Tour durch Schloss Ronsperg -"dies waren die Zimmer der Mitsuko", "hier war die Hauskapelle", "dort war ..." -  erfreuten wir uns noch durch einen Blick aus dem japanischen Garten hoch zum Storch auf Schlosses Zinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein späterer Besuch anl. Kirchweih 2018 in Ronsperg war durchaus von gelebter Tradition und lebendigem Brauchtum - auch kirchlichem - gekennzeichnet:

Festmesse in der Kirche Maria Himmelfahrt - Mittelaltermarkt im Schlosspark - Musik von mittelalterlich über traditionell bis rock-pop & trash-heavy:

Chodentracht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 KirchweihfestBlaskapelleChodenLand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Reisebegleiter der ersten Reise wollte uns dann noch den deutschen Friedhof - fast vollständig eingeebnet - mit dem Grab des Heinrich Codenhove-Kalergi zeigen, anschließend den wie verwunschen versteckten jüdischen Friedhof.

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 Das ziemlich einzige Grabmal des fast vollständig eingeebnetem Friedhofs trägt die Inschrift:

Grabinschrift

 

Barbara Codenhove-Kalergi, in Wien lebende Enkelin der Ehefrau Mitsuko, schrieb in einem Beitrag in "Die Presse" vom Juli 2008 unter anderem:

Mitsuko Coudenhove"Meine Großmutter Mitsuko Coudenhove-Kalergi liegt in unserer Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof in Wien begraben. Manchmal finden wir ein Fläschchen Sojasauce auf der Grabplatte. Dann wissen wir: Ein japanischer Tourist war hier, um seiner Landsmännin seine Reverenz zu erweisen. So wie die Juden Steinchen auf Gräber legen, so wurde uns erklärt, tut man es in Japan mit Sojafläschchen. Viele Japaner besuchen Mitsukos Grab. Die Geschichte der jungen Mitsuko Aoyama, die 1892 einen österreichischen Diplomaten heiratete und mit ihm als eine der ersten Japanerinnen – manche sagen: als allererste – nach Europa zog, kennt praktisch jeder im Lande.

...

Als die japanischen Fernsehleute das Leben ihrer Dokumentations-Heldin recherchierten, fanden sie im Familienarchiv im böhmischen Ronsperg Mitsus Tagebuch. Die Familie war inzwischen vertrieben worden, Schloss und Gründe gehörten längst dem tschechischen Staat. Dieses Tagebuch bildete die Grundlage für ein Theaterstück, das vor Jahren auch in Wien gezeigt wurde. Es ist ein Monolog, in dem die alt gewordene Mitsu ihrer Tochter Olga ihre Lebenserinnerungen erzählt. Ich habe es seinerzeit im Schönbrunner Schlosstheater gesehen und war betroffen, als ich über Kopfhörer die deutsche Übersetzung hörte. Da stand eine – übrigens hervorragende – japanische Schauspielerin auf der Bühne und sprach die Worte, die meine Großmutter vor vielen Jahrzehnten aufgeschrieben hatte. Es war eine andere Geschichte als die Herz-Schmerz-Legende vom Lotosblümchen, das es bis zur europäischen Schlossherrin geschafft hat.

Da ist die Szene, in der die junge Mitsu zum ersten Mal das Ronsperger Schloss betritt. Sie geht einen langen Gang entlang, von dem aus rechts und links Türen wegführen. Die Türen öffnen sich hinter ihr, unbekannte Leute sehen ihr neugierig nach. Feindselig, wie sie meint. Da ist die Szene, in der ihr kleiner Sohn sie etwas fragt. Er fragt auf Deutsch, nach etwas, das sie nicht weiß. Sie ist erschrocken und tief beschämt. Sie will alles richtig machen im fremden Land und stößt doch immer wieder an Grenzen. Und dann der Tod von Heinrich, „meinem Gentleman“. Ohne ihn fühlt sie sich ganz allein und verlassen. Hat sie ihn geliebt? Ja, auf ihre Weise. Und hat er sie geliebt? Ja, auf seine Weise. „Wie einen kostbaren Gegenstand“, sagte später eines ihrer Kinder. Wie eine schöne und dekorative Puppe.

Am liebsten erinnert Mitsu sich an die Abende, an denen ihr Mann in seinem Arbeitszimmer bei der Lampe saß und sie ihm den Tee brachte. Sie liebte es, ihm zuzuschauen, wie er las und schrieb und dazwischen Tee trank. Von Gedankenaustauschen ist nicht die Rede. Nach ihrer eigenen Meinung ist sie wohl nicht oft gefragt worden."

   

 

 

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Juden waren in Ronsperg vermutlich seit dem 16.Jahrhundert ansässig; anderen Angaben zufolge sollen sich bereits im 13.Jahrhundert sich Juden im Ort aufgehalten haben. Die dann später hier zahlreich lebenden Familien wohnten ghettoartig in einer Gasse, die von der übrigen Ortschaft durch zwei Ketten abgesperrt war; diesen Bereich durften Juden während bestimmter Zeiten nicht verlassen.

1793 wurde auf Verordnung der Landesregierung ein Verzeichnis aller jüdischen Familien, ihrer Geschäfte und Handwerksbetriebe erstellt; daraus geht hervor, dass es zu diesem Zeitpunkt in Ronsperg 25 jüdische Familien mit 152 Personen gab.

Zunächst fanden sich die Ronsperger Juden in engen Beträumen zu gottesdienstlichen Versammlungen zusammen. Seit 1806 oder 1816 stand ihnen eine neue Synagoge zur Verfügung, in der auch die jüdische Schule untergebracht war.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts spielten jüdische Geschäftsleute für die wirtschaftliche Entwicklung Ronspergs eine gewisse Rolle. Nach einer Auflistung von 1793 gab es am Ort folgende in jüdischen Händen liegende Geschäfte/Gewerbebetriebe: drei Kurzwarengeschäfte, einen Kolonialwarenladen, zwei Bettfedern- u. Geflügelhandlungen, fünf Hausierer, einen Viehhändler, zwei Schlachtereien, zwei Branntweinbrennereien, eine Gerberei, eine Schleifenfabrik, eine Pottaschefabrik und einen Glaser. Im Laufe des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts kamen noch hinzu; besondere Erwähnung bedarf die Familie Mandler, die neben verschiedenen Kaufläden auch eine Fabrik für Hausschuhe und eine Feldspatmühle betrieb.
1938 lebten schließlich nur noch etwa 50 Juden in Ronsperg (Poběžovice).
Unmittelbar nach der Besetzung Ronspergs durch die deutsche Wehrmacht verließen die meisten jüdischen Bewohner den Ort; die noch hier verbliebenen wurden von den NS-Behörden deportiert. Etwa 40 jüdische Bewohner Ronspergs wurden Opfer der Shoa.
Der jüdische Friedhof – er befindet sich inmitten einer Ackerfläche - wurde in den 1950er Jahren schwer geschändet (Grabsteine entfernt u. z.T. als Baumaterial benutzt), das Synagogengebäude mit Mikwe abgebrochen. Von dort ursprünglich etwa 500 Grabsteinen sind heute nur noch ca. 130 verblieben; der älteste Stein datiert aus dem Jahre 1620. Bemerkenswert ist die Grabstätte von Rabbiner Joel Ranschburg aus dem Jahr 1820, das mit einem großen Relief versehen ist. (Quelle: jüdische Gemeinden)

Schließlich noch das Kloster Pivoň - früher Stockau, welches einigen Quellen nach im Jahr 932 von bayerischen Eremiten gegründet wurde.

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Nur eine Legende ist es, dass im Fußboden der Kirche von Valtířov (deutsch: Waltersgrün) angeblich eine Metalltafel gefunden worden sei, auf der Kaiser Heinrich III. mit der Jahreszahl 1041 als Gründer von Pivoň verzeichnet sei; von dieser und einer zweiten, angeblich die Gründung von Waltersgrün dokumentierenden Tafel existieren lediglich Fotos, so dass die Annahme naheliegt, dass es sich um Fälschungen aus der Zeit nach 1946 handelt. Die Legende berichtet, dass bei der Schlacht bei Biwanka 1040 zwischen Břetislav I. von Böhmen und Kaiser Heinrich III., die mit einem Sieg für Břetislav I. endete, entweder Břetislav I. oder Heinrich III. ermattet in Stockau auf einem Baumstumpf (Baumstock) ausruhte. Nach der gewonnenen Schlacht habe Herzog Břetislav I. von Böhmen aus Dankbarkeit in Stockau die erste Kirche errichten lassen. Daher der Name Stockau. Von diesem Baumstumpf wurde noch im 18. Jahrhundert gesagt, dass er sich unter dem Altar der Klosterkirche befindet. In der Kirchengeschichte Frinds ist die Weihe der Stockauer Klosterkirche im Jahr 1047 verzeichnet. Nach Aufhebung des Klosters im Jahre 1785 und verschiedenen privaten Besitzerwechseln kam es 1864 in Besitz der adligen Familie Coudenhove-Kalergi. Nach dem Tod von Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi 1906 übernahm Mitsuko die Verwaltung der Familiengüter in Westböhmen und die Erziehung der Kinder, aber zog vom Schloss Ronsperg in das nahegelegene ehemalige Kloster Stockau.

 Nach fast abenteuerlicher Heimafahrt über die "Wassersupp'n" -  Nemanice, ein westböhmische Dorf, gelangten wir ins sieben Kilometer südlich gelegene Waldmünchen. Die "Wassersupp'," liegt in einem vom Haltrava-Gebirge und dem Berg Starý Herštejn (Hirschstein) - beinahe 1000m üNN - begrenzten Talkessel an der Einmündung des Novosedlský potok in den Nemanický potok/ Böhmische Schwarzach. Zwischen Lísková (Haselbach) und dem Waldmünchner Ortsteil Höll besteht ein Straßengrenzübergang, der uns aber als solcher kaum auffiel.

Resümee der Reise: Waren nur gut sechs Stunden unterwegs, fuhren vom Ausgangs- und Ankunftsort - Sitz des Kulturfördervereins Joseph Schlicht - ca 180 km, konnten aber dennoch solch vielfältige Eindrücke gewinnen, dass nur ein Resümme bleibt: empfehlens- und nachahmenswert!

 

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